Masterarbeit, 2019
142 Seiten
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Vorurteile
2.1.1 Definition
2.1.2 Ethnische Vorurteile
2.1.3 Drei-Komponenten Modell
2.1.4 Stereotype
2.1.5 Vorurteile und Diskriminierung
2.1.6 Funktion von Vorurteilen
2.1.7 Stabilität von Vorurteilen
2.1.8 Entstehungs- und Erklärungstheorien
2.1.9 Reduzieren und Aufheben von Vorurteilen
2.1.10 Vorurteile gegenüber Muslimen
2.2 Vorurteile in der Psychotherapie
2.2.1 Vorurteile von Therapeuten in der Psychotherapie
2.2.2 Vorurteile von Patienten gegenüber der Psychotherapie
2.2.3 Vorurteile in der Paartherapie
2.2.4 Unterschiede in der Therapieempfehlung
2.3 Prozesse der sozialen Urteilsbildung
2.3.1 Heuristisch-Systematisches Modell (HSM)
2.3.2 Das Kontinuum-Modell der Eindrucksbildung
2.3.3 Dissoziationsmodell: Automatische und kontrollierte Prozesse von Vorurteilen und Stereotypen
2.3.4 Stress Begriffsbestimmung
2.3.5 Kognitiv Transaktionales Modell von Lazarus und Folkman (1987)
2.3.6 Stress und Aufmerksamkeit
2.3.7 Multitasking, Aufmerksamkeit, Stress und Automatisierung
2.4 Fazit
2.5 Hypothesen
3. Voruntersuchung
3.1 Methoden
3.1.1 Stichprobe
3.1.2 Material
3.1.3 Versuchsdurchführung
3.1.4 Datenauswertung
3.2 Ergebnisse der Vorbefragung
3.2.1 Ergebnisse der qualitativen Inhaltsanalyse
3.2.2 Ergebnisse der statistischen Auswertung
4. Hauptstudie
4.1 Methoden
4.1.1 Stichprobe
4.1.2 Versuchsplan
4.1.3 Material
4.1.5 Versuchsdurchführung
4.1.6 Datenauswertung
4.2 Ergebnisse der Hauptstudie
4.2.1 Faktorenanalyse „Vorurteile“
4.2.2 Reliabilitätsanalyse „Vorurteile“
4.2.3 Manipulationscheck
4.2.4 Regressionsanalyse
4.2.5 t-Test für unabhängige Stichproben
4.2.6 Chi-Quadrat-Test
5. Interpretation der Ergebnisse
6. Allgemeine Diskussion
6.1 Diskussion zu Hypothese 1
6.1.1 Manipulation
6.1.2 Kritik an Devines Modell (1989)
6.1.3 Automatizität von Stereotypen
6.1.4 Effekt von Stress
6.1.5 Effekt von Kontakt
6.1.6 Eigenschaften der Stichprobe
6.1.7 Namensstereotype
6.1.8 Muslime und Psychotherapie
6.1.9 Übertragbarkeit von Devines Studie in Deutschland
6.1.10 Vorurteile und Persönlichkeitstheorien
6.1.11 Demand Characteristics
6.2 Diskussion zu Hypothese 2
6.3 Empfehlung für Therapien
6.4 Empfehlungen für zukünftige Studien
7. Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht, wie sich akuter Stress auf die Urteilsbildung und die Bewertung von Paaren in einer psychotherapeutischen Therapiesituation auswirkt, wobei ein besonderer Fokus auf dem Vergleich zwischen muslimischen und deutschen Paaren liegt. Dabei wird analysiert, ob unter Stress stereotype Wahrnehmungen zunehmen und wie dies die Wahl von Therapiemethoden beeinflusst.
2.1.3 Drei-Komponenten Modell
Nach dem Drei-Komponenten Modell, welches im Rahmen der Einstellungsuntersuchung entstand, werden Vorurteile als Einstellungen in drei Komponenten unterteilt. Zum einen kognitiv in Form von Stereotypen, oder affektiv in Bezug auf die Emotionen, als auch in diskriminierendes Verhalten auf der konativen Ebene (Cuddy, Fiske, & Glick, 2007; Duckitt, 2003; Farley, 2010). Diese drei Komponenten sollen die Einstellungsdimensionen der Intergruppenbewertung beschreiben. Duckitt (2003) stellte nachträglich heraus, dass man seit längerer Zeit zusätzlich zwei verschiedene Dimensionen bei der Bewertung und Einschätzung von Gruppen unterscheidet. Zum einen die Dimension der Abneigung und Respektlosigkeit, zum anderen die der Sympathie und des Respekts. Beide Bewertungsdimensionen lassen sich mithilfe der drei Komponenten beschreiben. In der Regel wird sich bei den meisten Forschern auf die negative Bewertung beschränkt, da diese ein Problem für unser Gesellschaftsleben darstellt (Duckitt, 1992).
Bei der kognitiven Komponente (Stereotype) geht es um Prozesse wie Lernen, Wahrnehmen und Denken von und über Mitglieder der Fremdgruppe. Durch die stereotype Betrachtung dieser Personen agieren wir wertend und charakterisierend, und das mithilfe impliziter Urteile über Eigenschaften der Personen (Lüddecke, 2007). Man spricht also auf dieser Ebene von der Struktur, die Wissen und Überzeugungen über Mitglieder anderer sozialer Gruppen bezeichnet. Gerade diese kognitive Komponente ist ein erlernter und oft unbewusster Begleiter unseres Alltags und bietet die Grundlage unserer Vorurteile (Bierhoff, Frey, & Bengel, 2006). Auf Stereotype beziehen wir uns ausführlicher in Kapitel „2.1.4 Stereotype“.
Die affektive Seite der Vorurteile befasst sich mit den Gefühlen, die oft negativ behaftet sind und beispielsweise Argwohn, Eifersucht und Abneigung umfassen können. Diese negative Haltung bezieht sich auf Mitglieder der Outgroup (Lüddecke, 2007). Talaska, Fiske und Chaiken (2008) forschten in ihrer Metaanalyse mithilfe von 57 Studien zu Rassendiskriminierung ebenfalls zum Drei-Komponenten Modell. Neben Stereotypen und anderen Überzeugungen haben sich emotionale Vorurteile als zentrale Erklärungsmechanismen für Rassendiskriminierung aufgezeigt. Außerdem zeigte sich ein moderater Zusammenhang zwischen den Emotionen und der Diskriminierung. Die Rassendiskriminierung könne zweifach so gut durch die affektive Komponente (Emotionen) vorhergesagt werden, als von der kognitiven Komponente (Stereotype) und anderen Überzeugungen zusammen.
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die zunehmende Vielfalt in Deutschland und die damit einhergehende Herausforderung von Vorurteilen, insbesondere gegenüber muslimischen Paaren in therapeutischen Kontexten.
2. Theoretischer Hintergrund: Es werden grundlegende Definitionen und Modelle zu Vorurteilen, deren Entstehung, Stabilität sowie deren Einfluss auf soziale Urteilsbildung und Stressverarbeitung dargelegt.
3. Voruntersuchung: Diese Phase diente der Identifikation relevanter Vorurteile gegenüber muslimischen Paaren, um darauf basierend das Item-Material für die Hauptstudie zu entwickeln.
4. Hauptstudie: In einem 2x2x2-Design wurde empirisch untersucht, wie Stress, Ethnie und bestehende Vorurteile die Bewertung einer therapeutischen Situation beeinflussen.
5. Interpretation der Ergebnisse: Die Befunde werden diskutiert und zeigen unter anderem, dass der induzierte Stress in der vorliegenden Studie nicht die erwarteten negativen Auswirkungen auf die Bewertung hatte.
6. Allgemeine Diskussion: Es findet eine kritische Auseinandersetzung mit der Stichprobe, dem Versuchsdesign und den theoretischen Modellen statt, gefolgt von Implikationen für die therapeutische Praxis.
7. Zusammenfassung: Die Arbeit rekapituliert die zentralen Erkenntnisse und unterstreicht die Notwendigkeit für kultursensible Ansätze in der psychotherapeutischen Ausbildung.
Vorurteile, Stereotype, Paartherapie, Stress, Ethnische Gruppen, Psychotherapie, Soziale Urteilsbildung, Multitasking, Diskriminierung, Kultursensibilität, Kognitive Ressourcen, Gruppenkonflikt, Identität, Einstellung, Bewertungssituation.
Die Masterarbeit befasst sich mit der Untersuchung von Vorurteilen unter Stressbedingungen bei der Bewertung von muslimischen Paaren innerhalb eines psychotherapeutischen Kontextes.
Zentrale Themen sind die psychologische Vorurteils- und Stereotypenforschung, die Auswirkungen von akutem Stress auf kognitive Leistungen und soziale Urteilsprozesse sowie interkulturelle Aspekte in der Paartherapie.
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob Personen unter Stress bei der Bewertung einer Therapiesituation gegenüber muslimischen Paaren mehr Vorurteile äußern als unter Stress-freien Bedingungen und ob dies die Wahl der Therapiemethode beeinflusst.
Es handelt sich um eine quantitative Studie mit einem 2x2x2-Versuchsdesign, bei der Faktoren wie Vorurteilsneigung, Ethnie (muslimisch/deutsch) und Stress (vorhanden/nicht vorhanden) experimentell manipuliert und statistisch analysiert wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Voruntersuchung zur Item-Entwicklung und eine umfangreiche Hauptstudie, deren Ergebnisse hinsichtlich deskriptiver Statistik, Faktorenanalyse und Regressionsanalysen präsentiert werden.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Vorurteile, Stereotype, Paartherapie, Stress, Kultursensibilität und Psychotherapie charakterisieren.
Der Stressor diente der kognitiven Belastung, um zu testen, ob die Hemmung automatisierter Stereotype bei reduzierten kognitiven Ressourcen (bedingt durch Stress) weniger erfolgreich stattfindet.
Es wird betont, dass kultursensible Ausbildung und die Selbstreflexion von Therapeuten über eigene Vorurteile essenziell sind, um eine qualitativ hochwertige Versorgung unabhängig von der ethnischen Herkunft der Patienten zu gewährleisten.
Die Studie überträgt das Modell der automatischen und kontrollierten Prozesse von Vorurteilen auf einen aktuellen Kontext (muslimische Paare in Deutschland) und erweitert dies um den Faktor der Therapiesituation.
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