Masterarbeit, 2019
84 Seiten, Note: 1,0
1 Wasserstoff als Bindeglied der Energiewende
1.1 Herausforderungen der Energiewende
1.2 Langzeitspeicher im Stromnetz
1.3 Sektorkopplung mit Power-to-X
1.4 All-Electric-Society vs. Green-Gas-Society/Technologiemix
2 Grundlagen von Wasserstoff
2.1 Geschichte des Wasserstoffs
2.2 Energiedichte und Reinheit
2.3 Produktion und Differenzierung
2.4 Vor- und Nachteile von Wasserstoff im heutigen Energiesystem
3 Sektorübergreifender Wasserstoffeinsatz: Prozesse
3.1 Elektrolyse (PtG)
3.1.1 Alkalische Elektrolyse (AE)
3.1.2 Protonen-Austausch-Membran-Elektrolyse (PEME)
3.1.3 Festoxid-Elektrolyse (SOE)
3.2 Methanisierung (PtM)
3.2.1 Katalytische Methanisierung
3.2.2 Biologische Methanisierung
3.3 Kraftstoffsynthese (PtL)
3.3.1 Methanol-Synthese
3.3.2 Fischer-Tropsch-Synthese
3.4 Brennstoffzelle
3.4.1 Reversible Brennstoffzellen als Energiespeicher
3.4.2 Kraft-Wärme-Kopplung
3.4.3 Mobilität mit Brennstoffzellen
3.5 CO2-Gewinnung/CO2-Quellen
4 Infrastruktur
4.1 Speicher- und Transportmöglichkeiten
4.2 Betriebsmittel und Wasserstoffbeimischung
4.3 Power-to-X-Projekte in Deutschland
4.4 Ideenwettbewerb: Reallabore der Energiewende
5 Rahmenbedingungen
5.1 EnWG und EEG
5.2 Netzentwicklungsplan
5.3 Sektorübergreifende CO2-Bepreisung
6 Potenzialanalyse nach Sektoren
6.1 Benchmarks und Ergebnisse der untersuchten Studien
6.1.1 dena-Leitstudie „Integrierte Energiewende“
6.1.2 MWIDE „Wasserstoffstudie Nordrhein-Westfalen“
6.1.3 NOW „Studie IndWEDe“
6.1.4 Agora „SynCost-Studie“
6.2 Ökonomisches Potenzial
6.2.1 Definition und Ansatz
6.2.2 Sektor Strom
6.2.3 Sektor Wärme
6.2.4 Sektor Mobilität
6.2.5 Auswertung: ökonomisches Potenzial
6.3 Ökologisches Potenzial
6.3.1 Definition und Ansatz
6.3.2 Sektor Strom
6.3.3 Sektor Wärme
6.3.4 Sektor Mobilität
6.3.5 Auswertung: ökologisches Potenzial
7 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das ökonomische und ökologische Potenzial von Wasserstoff aus Power-to-Gas-Anlagen für die Sektoren Strom, Wärme und Mobilität. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie ein nachhaltiges Energiesystem unter Berücksichtigung der deutschen Klimaziele für 2030 und 2050 optimal gestaltet werden kann – insbesondere durch den Vergleich zwischen einer umfassenden Elektrifizierungsstrategie und einem flexiblen Technologiemix unter Einbindung von Wasserstoff.
1.1 Herausforderungen der Energiewende
Die Auswirkungen des Klimawandels werden immer deutlicher. Während im vergangenen Jahr in Kalifornien verheerende Waldbrände wüteten, sank der Wasserpegel in deutschen Flüssen auf ein historisch niedriges Niveau. Im Juni 2019 war die globale Durchschnittstemperatur auf Rekordhöhe. Durch die unmittelbaren Auswirkungen und die massive Präsenz in den Nachrichten sowie durch die Proteste der „Fridays-for-Future“-Bewegung erhält das Thema „Energiewende“ immer mehr Aufmerksamkeit. Der Klimawandel und der Anstieg bzw. die Schwankungen der Kohlenstoff-Dioxid-(CO2)-Konzentration in der Atmosphäre sind in der erdgeschichtlichen Betrachtung etwas völlig Natürliches. Das Tempo und die Intensität der aktuellen Klimaveränderungen deuten aber stark auf einen anthropogenen Einfluss auf den Klimawandel hin. Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1959 ist die CO2-Konzentration in der Atmosphäre von ca. 316 ppm (parts per million) auf erstmals über 415 ppm im Mai 2019 angestiegen. Es gab auf der Erde zwar schon höhere CO2-Konzentrationen, jedoch verlief der Anstieg in den letzten 20 Jahren etwa 100 Mal schneller als z.B. zum Ende der letzten Eiszeit vor etwa 11.000 bis 17.000 Jahren.
Akzeptanz für die Energiewende zu schaffen ist eine der großen Herausforderungen bei der Transformation des Energiesystems. Es gibt nach wie vor Skepsis über den Anteil des menschengemachten Klimawandels am gesamten Klimawandel und auch darüber, ob eine erhöhte CO2-Konzentration in der Atmosphäre überhaupt für einen Temperaturanstieg sorgen kann oder nicht eher die Folge eines solchen ist. Insbesondere ein Vorfall aus dem Jahr 2009 („Climategate“) hat die Glaubwürdigkeit des Weltklimarates (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) stark angegriffen. Nach einem vermutlichen Hacker-Angriff wurden gestohlene E-Mails von Klimaforschern veröffentlicht die angeblich belegen sollten, dass der anthropogene Klimawandel ein riesiger Schwindel ist. Obwohl diese Anschuldigungen nach mehreren unabhängigen Untersuchungen widerlegt wurden, nutzen einige Parteien und Interessensgemeinschaften nach wie vor aus dem Kontext gerissene Textpassagen, um politische oder wirtschaftliche Interessen durchzusetzen und gegen die Energiewende Stimmung zu machen.
1 Wasserstoff als Bindeglied der Energiewende: Dieses Kapitel erläutert die Herausforderungen des Klimawandels, die Notwendigkeit von Langzeitspeichern im Stromnetz und das grundlegende Konzept der Sektorkopplung durch Power-to-X.
2 Grundlagen von Wasserstoff: Hier werden die Geschichte, physikalischen Eigenschaften wie Energiedichte und Reinheit sowie die verschiedenen Produktionswege und farblichen Differenzierungen von Wasserstoff beschrieben.
3 Sektorübergreifender Wasserstoffeinsatz: Prozesse: Dieses Kapitel detailliert die technologischen Verfahren wie Elektrolyse, Methanisierung, Kraftstoffsynthese und den Einsatz von Brennstoffzellen als zentrale Prozesse der Sektorkopplung.
4 Infrastruktur: Hier werden Speicher- und Transportwege, betriebliche Voraussetzungen sowie laufende Power-to-X-Projekte und Initiativen in Deutschland analysiert.
5 Rahmenbedingungen: Dieses Kapitel beleuchtet die gesetzlichen Rahmenbedingungen, insbesondere das EnWG und EEG, sowie die Bedeutung einer sektorübergreifenden CO2-Bepreisung für die Wirtschaftlichkeit.
6 Potenzialanalyse nach Sektoren: In diesem Hauptteil werden vier relevante Studien verglichen und das ökonomische sowie ökologische Potenzial von Wasserstoff detailliert nach den Sektoren Strom, Wärme und Mobilität bewertet.
7 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit eines flexiblen Technologiemix und verbesserter politischer Rahmenbedingungen für den Erfolg der Energiewende.
Wasserstoff, Power-to-Gas, Energiewende, Sektorkopplung, Elektrolyse, Brennstoffzelle, CO2-Bepreisung, Klimaziele, Technologiemix, Langzeitspeicher, Power-to-Liquid, Nachhaltigkeit, Infrastruktur, Methanisierung, Erneuerbare Energien.
Die Arbeit analysiert das Potenzial von Wasserstoff aus Power-to-Gas-Anlagen als zentrales Bindeglied für die Transformation des deutschen Energiesystems in den Sektoren Strom, Wärme und Mobilität.
Zentrale Themen sind die technologischen Verfahren der Power-to-X-Technologien, die Infrastruktur für grüne Gase, die ökonomische und ökologische Potenzialanalyse auf Basis aktueller Studien sowie die regulatorischen Rahmenbedingungen in Deutschland.
Das Ziel ist es, zu ermitteln, ob eine Transformation hin zu einem nachhaltigen Energiesystem kostengünstiger und effizienter durch einen breiten Technologiemix mit Wasserstoff oder durch eine Strategie der reinen Elektrifizierung erreicht werden kann.
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, bei der vier ausgewählte, namhafte Studien (dena-Leitstudie, MWIDE-Studie, NOW-Studie, Agora-Studie) herangezogen, deren Ergebnisse verglichen und interpretiert werden.
Der Hauptteil gliedert sich in die technische Beschreibung der PtX-Prozesse, die Analyse der Infrastruktur und Rahmenbedingungen sowie eine detaillierte Potenzialanalyse, die das ökonomische und ökologische Potenzial nach Sektoren bewertet.
Die wichtigsten Begriffe sind Wasserstoff, Power-to-Gas, Sektorkopplung, Klimaziele, Technologiemix und CO2-Bepreisung.
Im Wärmesektor bietet Wasserstoff Flexibilität bei der Wärmebereitstellung, insbesondere dort, wo Wärmepumpen technisch nicht einsetzbar sind. Im Mobilitätssektor wird Wasserstoff primär im Schwerlastverkehr als Ergänzung zu batterieelektrischen Antrieben gesehen.
Eine CO2-Bepreisung schafft ein notwendiges Preissignal, das fossile Brennstoffe verteuert und somit die Wettbewerbsfähigkeit von klimafreundlichen Alternativen wie grünem Wasserstoff und Powerfuels langfristig verbessert.
Der Autor ordnet Powerfuels als notwendige Ergänzung ein, betont jedoch, dass sie aufgrund hoher Umwandlungsverluste dort eingesetzt werden sollten, wo eine direkte Elektrifizierung technisch oder ökonomisch nicht sinnvoll ist.
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