Fachbuch, 2020
113 Seiten
1 Einleitung
2 Erscheinungsformen, Prävalenz und Ursachen von Gewalt gegen Kinder in der Familie
2.1 Definitionen und Begriffsklärung der Gewaltformen gegen Kinder
2.2 Polizeiliche Kriminalstatistik zu Gewalt in Familien
2.3 Repräsentative Studien zur Häufigkeit von Gewalt gegen Kinder in der Familie
2.4 Verschiedene Erklärungsansätze für Gewalt gegen Kinder in der Familie
3 Folgen und Symptomatik bei Kindern infolge von Gewalterfahrungen
3.1 Beeinträchtigungen der kognitiven bzw. schulischen Entwicklung
3.2 Beeinträchtigungen der sozioemotionalen Entwicklung
3.3 Körperliche Verletzungen und gesundheitliche Beeinträchtigungen
3.4 Neuronale Funktionsstörungen durch Gewalteinwirkungen
3.5 Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit
4 Disclosure/Aufdeckungs- oder Offenlegungsprozesse der Kinder
4.1 Motive der Kinder über das Schweigen bei erfahrener Gewalt
4.2 Motive der Kinder über das Sprechen bei erfahrener Gewalt
4.3 Dimensionen von Aufdeckungsprozessen
4.3.1 Erinnern
4.3.2 Einordnen
4.3.3 Offenlegen
4.3.4 Anerkennung & Hilfe – Grenzdimensionen in Aufdeckungsprozessen
4.4 Merkmale von Aufdeckungsprozessen: Diversität, Diskontinuität, Interaktivität
4.4.1 Diversität
4.4.2 Diskontinuitäten
4.4.3 Interaktivität
4.5 Verlauf von Aufdeckungsprozessen bei von Gewalt betroffenen Kindern
4.5.1 Nicht zugänglich: spät erinnert – spät eingeordnet
4.5.1.1 Erinnern, Nicht-Erinnern, Wiedererinnern
4.5.1.2 Bedingungen des Nicht-Erinnerns und des Wiedererinnerns
4.5.1.3 Merkmale und Erleben des Wiedererinnerns
4.5.1.4 Folgen des Wiedererinnerns
4.5.2 Zugänglich: immer erinnert – immer eingeordnet
4.5.3 Teilweise zugänglich: immer erinnert –später eingeordnet
4.5.3.1 Bedingungen des Nicht-einordnen-Könnens
4.5.3.2 Bedingungen des Einordnen-Könnens
4.5.4 Unterschiede und Gemeinsamkeiten der drei Verlaufsmuster
4.6 Hilfreiche Faktoren und Unterstützung von Aufdeckungsprozessen
4.6.1 Wissen
4.6.2 Anerkennung und Solidarität
4.6.3 Culture of Care – Sorge, Interesse, Achtsamkeit, Hilfe
4.6.4 Handlungsfähigkeit jenseits von Gewalt
4.7 Reaktionen der Adressierten: Ablehnung – Stigmatisierung – Akzeptanz
4.7.1 Glauben und Nicht-Glauben
4.7.2 Wissen, Unwissen und Halbwissen
4.7.3 Relativierung und Anerkennung des Leids
4.7.4 Stereotype und Klischees über Gewaltbetroffene
4.7.5 Trauer, Scham und Schuldgefühle
4.7.6 Eigeninteressen
4.7.7 Fazit
5 Bewältigung kritischer Lebensereignisse bei Kindern
5.1 Bewältigungsmodelle in Bezug auf belastende Ereignisse
5.1.1 Modell der Salutogenese von Antonovsky
5.2 Bewältigungsstrategien von Kindern
5.2.1 Suche nach sozialer Unterstützung
5.2.2 Emotionsorientierte Strategien
5.2.3 Problemorientierte Strategien
5.2.4 Vermeidungs- und Ablenkungsstrategien
6 Schlussfolgerungen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen von Gewalt gegen Kinder innerhalb der Familie sowie die komplexen Prozesse der Aufdeckung (Disclosure) und Bewältigung (Coping). Ziel ist es, ein tieferes Verständnis dafür zu entwickeln, wie betroffene Kinder mit traumatischen Erlebnissen umgehen, welche Rolle soziale Unterstützung dabei spielt und warum die Aufdeckung der Gewalt oft ein langwieriger und von Widerständen geprägter Prozess ist.
4.1 Motive der Kinder über das Schweigen bei erfahrener Gewalt
In diesem Abschnitt wird auf die Frage eingegangen, warum so viele gewaltbetroffene Kinder schweigen. Zudem zeigen die Motive über das Schweigen zum Teil auf, warum die Aufdeckungsrate so niedrig und die Dunkelziffer gleichzeitig so hoch ist. Unter Schweigen kann auch das bewusste „Nicht-Sprechen“ verstanden werden, wenn betroffenen Kinder sich an die Erlebnisse erinnern können, sich aber trotz dessen dazu entscheiden nicht darüber zu reden. Diese Entscheidung erfolgt jedoch nicht immer aus eigenen freien Willen. Es liegen eine Reihe unterschiedliche Gründe zur Behinderung beziehungsweise Erschwerung von Disclosure vor.
Studien wie die von Paine & Hansen (2002) und Malloy, Lyon & Quas (2007) haben hierbei verschiedene Faktoren identifiziert: Zum einen sind die Charakteristika des Kindes oder das soziale Umfeld ein wichtiger Aspekt. Ist das Kind männlich, erschwert dies den Offenlegungsprozess. In der Gesellschafft sind Männlichkeitskonzepte verfestigt, die Jungen/Männer mit Stärke und Unverletzlichkeit assoziieren. Daher stellen männliche Betroffene ihre Männlichkeit infrage und erleben die Gewalterfahrungen als persönlichen Mangel. Bei männlichen Betroffenen sexueller Gewalt kommt zudem die Angst hinzu, als Homosexueller stigmatisiert zu werden.
Diese Gefühle verhindern somit oft eine Aufdeckung der Gewalt seitens der Betroffenen (vgl. Rieske, Scambor, & Wittenzellner, 2018c, S. 194). Aber auch die Behinderung eines betroffenen Kindes kann ein bedeutender Grund für das Schweigen sein. Zudem schweigen Kinder eher, wenn sie einer Kultur angehören, in der Sexualität ein Tabuthema ist oder die durch ein Autoritätsgefälle zwischen Kindern und Erwachsenen gekennzeichnet ist. Einen deutlich starken Effekt beim Schweigen verursacht außerdem die Misshandlung durch eine Vertrauensperson: So wird angenommen, dass eine Aufdeckung durch Betroffene umso unwahrscheinlicher ist, je enger die Beziehung zwischen der misshandelnden Person und dem betroffenen Kind ist (vgl. Mosser, 2009, S. 37). Diese Annahme wird durch Studien von Sjöberg & Lindblad (2002), Goodman-Brown et al. (2003) und Hershkowitz et al. (2005) bestätigt. Außerdem spielt die Dauer der Gewalterfahrung eine entscheidende Rolle.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Gewalt gegen Kinder ein, erläutert die Relevanz der Thematik trotz gesetzlicher Verbote und definiert den Fokus der Arbeit auf Aufdeckung und Bewältigung.
2 Erscheinungsformen, Prävalenz und Ursachen von Gewalt gegen Kinder in der Familie: Das Kapitel definiert verschiedene Gewaltformen, beleuchtet deren Häufigkeit anhand statistischer Daten sowie Dunkelfeldstudien und diskutiert theoretische Erklärungsansätze für Gewalt in Familien.
3 Folgen und Symptomatik bei Kindern infolge von Gewalterfahrungen: Hier werden die kognitiven, schulischen, sozioemotionalen und psychischen Auswirkungen der Gewalt auf die kindliche Entwicklung detailliert untersucht, wobei auch kurz- und langfristige Folgen betrachtet werden.
4 Disclosure/Aufdeckungs- oder Offenlegungsprozesse der Kinder: Dieses Hauptkapitel widmet sich intensiv dem Prozess der Aufdeckung, unterteilt in die Dimensionen Erinnern, Einordnen und Offenlegen, und analysiert die Motive der Kinder sowie hilfreiche unterstützende Faktoren.
5 Bewältigung kritischer Lebensereignisse bei Kindern: Das Kapitel erläutert Bewältigungsmodelle wie die Salutogenese von Antonovsky und stellt verschiedene Strategien (emotionsorientiert, problemorientiert, Vermeidung) vor, die betroffene Kinder zur Bewältigung einsetzen.
6 Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse der Arbeit werden zusammengefasst, wobei insbesondere die Bedeutung der sozialen Unterstützung und das Verständnis der Aufdeckung als mehrstufiger Prozess hervorgehoben werden.
Kindesmisshandlung, Gewalt in der Familie, Aufdeckungsprozess, Disclosure, psychische Folgen, Bewältigung, Coping, Salutogenese, soziale Unterstützung, Traumatisierung, Vernachlässigung, sexuelle Gewalt, psychosomatische Symptome, Stressbewältigung, Kinderschutz.
Die Arbeit behandelt das komplexe Thema der Gewalt gegen Kinder innerhalb der Familie, wobei der Schwerpunkt auf den Auswirkungen, den Aufdeckungsprozessen der betroffenen Kinder und ihren Bewältigungsstrategien liegt.
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Prävalenz verschiedener Gewaltformen, die kurz- und langfristigen Folgen für Kinder, die Dynamik von Offenlegungsprozessen sowie Ansätze zur Bewältigung kritischer Lebensereignisse.
Das Ziel ist es, Kenntnisse über die Folgen von Gewalt sowie über die Hindernisse und förderlichen Faktoren der Aufdeckung zu erlangen, um die soziale Unterstützung für betroffene Kinder zu verbessern.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Studien und Forschungsergebnisse, ergänzt durch konzeptionelle Überlegungen zum Umgang mit Gewaltbetroffenen.
Im Hauptteil werden neben den Folgen der Gewalt vor allem die Phasen des Erinnerns, Einordnens und Offenlegens untersucht sowie Modelle der Stressbewältigung und salutogenetische Ansätze detailliert erörtert.
Die Kernbegriffe sind Kindesmisshandlung, Disclosure (Aufdeckung), Bewältigung (Coping), Traumatisierung und soziale Unterstützung.
Das Schweigen ist oft das Ergebnis komplexer Ängste: Sorge vor Stigmatisierung, Loyalitätskonflikte innerhalb der Familie, Mangel an passenden Begriffen, um das Unrecht zu benennen, sowie die Täterstrategien, die dem Kind einreden, die Gewalt sei „normal“ oder „gerechtfertigt“.
Die Adressierten sind entscheidend, da ihre Reaktion über den weiteren Verlauf der Aufdeckung entscheidet. Eine ablehnende oder stigmatisierende Reaktion kann das Kind retraumatisieren, während Verständnis, Anerkennung und professionelle Unterstützung für den Bewältigungsprozess essenziell sind.
Jüngere Kinder verfügen oft nicht über den Wortschatz oder das Wissen über Geschlechtsteile, um Gewalt explizit zu benennen, während ältere Kinder ihr soziales Umfeld besser einschätzen können und dadurch bewusster über ihr Schweigen oder Sprechen entscheiden.
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