Bachelorarbeit, 2019
28 Seiten, Note: 1,7
1. Die Großstadt im Expressionismus
2. Großstadtleben
3. „Berlin, du bunter Stein“ – Positive Darstellungen
3.1 Lichtenstein: Gesänge an Berlin
3.2 Stadler: Bahnhöfe
3.3 Engelke: Auf der Straßenbahn
3.4 Zwischenfazit
4. „Was soll ich hier?“ – Negative Darstellungen
4.1 Wolfenstein: Städter
4.2 Sack: Die Bagatelle
4.3 Wegner: Der Zug der Häuser
4.4 Heym: Der Gott der Stadt
4.5 Heym: Die Dämonen der Städte
4.6 Zwischenfazit
5. Fazit
Die Arbeit untersucht die Ambivalenz der Wahrnehmung der Großstadt im literarischen Expressionismus, wobei der Fokus auf dem Kontrast zwischen der Faszination für die Moderne und der negativen Dämonisierung des urbanen Raums liegt.
3.2 Stadler: Bahnhöfe
Wenn in den Gewölben abendlich die blauen Kugeschalen
Aufdämmern, glänzt ihr Licht in die Nacht hinüber gleich dem Feuer von Signalen.
Wie Lichtoasen ruhen in der stählernen Hut die geschwungenen Hallen
Und warten. Und dann sind sie mit einem Mal von Abenteuer überfallen,
Und alle erzne Kraft ist in ihren riesigen Leib verstaut,
Und der wilde Atem der Maschine, die wie ein Tier auf der Flucht stille steht und um sich schaut,
Und es ist als ob sich das Schicksal vieler hundert Menschen in ihr erzitterndes Bett ergossen hätte,
Und die Luft ist kriegerisch erfüllt von den Balladen südlicher Meere und grüner Küsten und der
großen Städte.
Und dann zieht das Wunder weiter. Und schon ist wieder
Stille und Licht wie ein Sternenhimmel aufgegangen,
Aber noch lange halten die aufgeschreckten Wände, wie Muscheln Meergetön, die verklingende
Musik eines wilden Abenteuers gefangen.
1. Die Großstadt im Expressionismus: Einführung in die Thematik der urbanen Moderne und die theoretische Ausgangslage der literarischen Auseinandersetzung.
2. Großstadtleben: Beleuchtung der soziologischen und historischen Veränderungen durch das rasante Stadtwachstum und die damit verbundenen psychologischen Belastungen.
3. „Berlin, du bunter Stein“ – Positive Darstellungen: Analyse lyrischer Werke, die das urbane Leben und die moderne Technik als Faszinosum und belebendes Element betrachten.
4. „Was soll ich hier?“ – Negative Darstellungen: Untersuchung von Gedichten, die das urbane Milieu von Resignation, Isolation, Dämonisierung und apokalyptischen Ängsten geprägt sehen.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, die eine Dominanz negativer Großstadtwahrnehmung im untersuchten Korpus feststellt.
Expressionismus, Großstadtlyrik, Urbanisierung, Entfremdung, Technikbegeisterung, Georg Heym, Ernst Stadler, Dämonisierung, Moderne, soziale Isolierung, Industrielle Revolution, Lyrikanalyse, Großstadtleben, Weltuntergang, Individuum.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literarischen Darstellung der Großstadt innerhalb der expressionistischen Lyrik und beleuchtet die Zerrissenheit der Wahrnehmung zwischen Faszination und Ablehnung.
Zentrale Felder sind der soziologische Wandel durch die Urbanisierung, die Auswirkungen der Technik auf das Individuum sowie die dichterische Verarbeitung von Entfremdung und apokalyptischen Visionen.
Das Ziel ist es, die Hypothese zu verifizieren, dass innerhalb der expressionistischen Lyrik die negative Darstellung der Großstadt als Ort der Entfremdung und Dämonisierung überwiegt.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse ausgewählter Gedichte, die durch den Einbezug soziologischer Aspekte und zeitgenössischer Literaturkritik ergänzt wird.
Der Hauptteil ist zweigeteilt in positive und negative Großstadtdarstellungen, wobei bekannte Lyriker wie Lichtenstein, Stadler, Wolfenstein und Heym analysiert werden.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Expressionismus, Großstadtlyrik, Entfremdung, Dämonisierung und Urbanisierung definiert.
Die stählernen Hüte der Bahnhofshallen werden als schützende, lebenspendende Oasen interpretiert, die einen positiven Gegenentwurf zur bedrohlichen Welt außerhalb der Technik bilden.
Die Figur des Gottes wird nicht als rettende Instanz begriffen, sondern als destruktive Kraft, die stellvertretend für die zerstörerische Dynamik und Anonymität des modernen Stadtlebens steht.
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