Examensarbeit, 2014
73 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1.1. Nation und Nationalismus
1.2. Entwicklungsbedingungen des frühen Nationalismus
1.2.1. Das Alte Reich
1.2.2. Partikularisierung und Herrschaftsformen im Alten Reich
1.2.3. Die soziale Struktur des Alten Reiches
1.2.4. Adel, Stadt- und Landbevölkerung im Alten Reich
1.3. Das 'neue' Bürgertum
1.4. Nationale Ideen im 18. Jahrhundert
1.5. Deutschland und die Französische Revolution
2. Die deutsche Nationalbewegung 1806-1817
2.1. Die Politische Romantik
2.2. Die 'preußischen' Publizisten
2.2.1. Nationsideen und 'Erfindung von Traditionen'
2.2.2. Nationskonzepte der 'preußischen' Publizisten
2.3. Die politisch/militärischen Ereignisse 1809-1815
2.4. Publizistik in den Koalitionskriegen 1812-1815
2.4.1. Lyrik in den Koalitionskriegen 1812-1815
2.4.2. Staatstheoretische Publizistik in den Koalitionskriegen
2.5. Der Wiener Kongress 1814/15
2.6. Nationale Bestrebungen in Folge des Wiener Kongress
2.6.1. Die Turnbewegung Friedrich Ludwig Jahns
2.6.2. Die studentischen Burschenschaften
2.8.2. Das Wartburgfest 1817
3. Fazit
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der deutschen Nationalbewegung im Zeitraum von 1806 bis 1817 mit dem Ziel, das Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach politischer Partizipation und dem Auftreten aggressiv-nationalistischer Tendenzen zu analysieren. Dabei wird hinterfragt, wie sich das Verständnis von Nation im Kontext der Französischen Revolution und der Befreiungskriege wandelte.
1.1. Nation und Nationalismus
Wie oben angedeutet, oszilliert Nationalismus nach Langewiesche stets zwischen den Polen Aggression und Partizipation und tendiert – je nach Zeitpunkt und Ort – verstärkt in einer der beiden Richtungen. Dabei existierten Entwicklungstendenzen, diese seien jedoch keinesfalls gradlinig und in keinem Staat könne jemals eine direkte Entwicklung von einem Pol zum anderen beobachtet werden. Wichtig sei vielmehr das „Mischungsverhältnis, die unterschiedlichen und – das ist ausschlaggebend – die wechselnden Annäherungen an den einen oder den anderen Pol“. Dabei vollziehe sich Nationsbildung stets in einem nach innen und außen gerichteten Prozess: nach innen Integration, nach außen Abgrenzung. [...] Auch die Außenabgrenzung hat eine Innenseite. Sie besteht darin, die Nation als Partizipationsgemeinschaft zusammenzuschweißen und handlungsfähig zu machen. Im Gegenbild erkennt sich die Nation [...]. Selbstbild durch Gegenbild, nicht selten gesteigert zum Feindbild.
Nationalismus hat stets das Objekt der Nation zum Adressaten. Bei der Beschreibung dieser sich hat bis heute ein konstruktivistischer Ansatz etabliert, maßgeblich geprägt durch die Arbeiten Benedict Andersons, Eric Hobsbawms und Ernest Gellners. Anderson schlug in seinem Werk Die Erfindung der Nation folgende Definition der selbigen vor, die in ihrem Charakter an Ernest Renans Nationsidee anknüpfte.
Einleitung: Einführung in die Thematik der frühen deutschen Nationalbewegung und die theoretische Verortung des Nationalismusbegriffs.
1.1. Nation und Nationalismus: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff des Nationalismus und dem konstruktivistischen Ansatz der Nationsbildung.
1.2. Entwicklungsbedingungen des frühen Nationalismus: Historischer Kontext des Alten Reiches und seiner sozialen sowie politischen Strukturen.
1.3. Das 'neue' Bürgertum: Analyse der Entstehung und Identitätsfindung einer neuen bildungsbürgerlichen Schicht.
1.4. Nationale Ideen im 18. Jahrhundert: Untersuchung der frühmodernen Vorstellungen von Patriotismus vor der Französischen Revolution.
1.5. Deutschland und die Französische Revolution: Auswirkungen der revolutionären Ereignisse in Frankreich auf die deutsche politische Landschaft.
2. Die deutsche Nationalbewegung 1806-1817: Überblick über die zentralen Entwicklungen und Akteure der nationalen Bewegung in der Zeit der napoleonischen Bedrohung.
2.1. Die Politische Romantik: Darstellung der konservativ-romantischen Ideologie und ihrer Staatsverständnisse.
2.2. Die 'preußischen' Publizisten: Untersuchung der einflussreichen Publizisten und ihrer Programmatiken zur nationalen Einheit.
2.3. Die politisch/militärischen Ereignisse 1809-1815: Analyse der kriegerischen Ereignisse als Katalysator für nationales Bewusstsein.
2.4. Publizistik in den Koalitionskriegen 1812-1815: Untersuchung der aggressiven Töne und partizipativen Forderungen in der zeitgenössischen Literatur.
2.5. Der Wiener Kongress 1814/15: Analyse der territorialen Neuordnung und deren Auswirkung auf die nationale Bewegung.
2.6. Nationale Bestrebungen in Folge des Wiener Kongress: Entwicklung der Turnbewegung und der Burschenschaften nach 1815.
2.8.2. Das Wartburgfest 1817: Würdigung des Wartburgfestes als kulminierender Punkt nationaler Agitation.
3. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Einordnung in die Forschung zum frühen Nationalismus.
Nationalismus, Nation, Partizipation, Aggression, Preußen, Politische Romantik, Bürgertum, Koalitionskriege, Alten Reich, Wiener Kongress, Burschenschaften, Wartburgfest, Publizistik, Identität, Konstruktivismus
Die Arbeit analysiert das Spannungsfeld zwischen dem Streben nach politischer Teilhabe (Partizipation) und aggressiv-ausgrenzenden Zügen innerhalb der frühen deutschen Nationalbewegung zwischen 1806 und 1817.
Die zentralen Felder umfassen die Krise des Alten Reiches, die Entstehung des modernen Bürgertums, die Rolle der Romantik sowie die Auswirkungen der napoleonischen Kriege auf das deutsche Nationalbewusstsein.
Das Ziel ist zu untersuchen, inwieweit die frühe deutsche Nationalbewegung in die Nationalismus-Theorie von Dieter Langewiesche passt und wie sich die „Janusköpfigkeit“ zwischen Integration und Abgrenzung in dieser Phase darstellt.
Der Autor nutzt eine historisch-analytische Methode, die auf der Auswertung publizistischer Quellen, Lyrik und zeitgenössischer staatstheoretischer Schriften basiert, um die Programme führender Publizisten zu dekonstruieren.
Im Hauptteil werden die historischen Rahmenbedingungen (Altes Reich, Revolution), die Konzepte der Politischen Romantik, die Rolle führender 'preußischer' Publizisten sowie der Einfluss von Turnbewegung und Burschenschaften detailliert untersucht.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Nationalismus, Partizipation, Aggression, Konstruktivismus und das Identitätsverständnis der frühen Nationalbewegung charakterisiert.
Die Politische Romantik lieferte nach Ansicht des Autors durch den Rückbezug auf das Mittelalter und das Alte Reich eine konservativ-reaktionäre Grundlage, die oft mit einem exklusiven und teilweise antisemitischen Nationsverständnis verknüpft war.
Die Arbeit ordnet sie als zentrale Akteure ein, die einerseits Forderungen nach Partizipation erhoben, andererseits aber maßgeblich zur Etablierung eines aggressiven, auf Feindbildern basierenden Nationalismus beitrugen.
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