Masterarbeit, 2019
120 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Begriffserklärung
2.1 Bildung - ein Definitionsversuch
2.1.1 Geschichte des Begriffs der Bildung
2.1.2 Die Bedeutung des Begriffs Bildung von Heute
2.1.3 Bildung – eine Zusammenfassung
2.2 Chancengleichheit
2.2.1 Chancengleichheit im Bildungswesen - ein Definitionsversuch
2.2.2 Theorien der Chancenungleichheit im Bildungswesen
2.2.2.1 Makrosoziologische Theorien der Chancenungleichheit
2.2.2.2 Mikrosoziologische Theorien der Chancenungleichheit
2.2.3 Chancengleichheit – eine Zusammenfassung
3 Belege für Chancenungleichheit in Deutschland
3.1 Konzepte und Methoden empirischer Forschung zur Bildungsungleichheit
3.1.1 Statistische Zusammenhänge und ihre Interpretation
3.1.2 Operationalisierung der Variablen „Bildungserfolg“ und „Soziale Herkunft“
3.1.3 Operationalisierung des Begriffs „Bildungserfolg“
3.1.4 Operationalisierung des Begriffs „Soziale Herkunft“
3.2 PISA-Studie
3.2.1 PISA-Studie 2015
3.2.1.1 Zusammenhang zwischen naturwissenschaftlichen Kompetenzen und ökonomischem Status im internationalen Vergleich
3.2.1.2 Verteilung von kompetenzförderlichen Merkmalen auf die EGP-Klassen
3.2.1.3 Leistungen der Schülerinnen und Schüler nach EGP-Klassen
3.2.1.4 Bildungsbeteiligung am Gymnasium nach EGP-Klassen
3.2.1.5 PISA 2015 und Chancengleichheit – eine Zusammenfassung
3.3 IGLU-Studie
3.3.1 IGLU-Studie 2016
3.3.1.1 Einfluss der sozialen Herkunft auf die Testleistungen
3.3.1.2 Einfluss der sozialen Herkunft auf die Schullaufbahnpräferenz von Eltern und Lehrkräften
3.3.1.3 Einfluss der sozialen Herkunft auf Gymnasialpräferenzen von Eltern und Lehrkräften
3.3.2 IGLU 2016 und Chancengleichheit – eine Zusammenfassung
3.4 Bedeutung der PISA- und IGLU- Ergebnisse für diese Arbeit
4 Das deutsche Bildungssystem
4.1 Geschichtliche Entwicklung des deutschen Bildungssystems
4.1.1 Die Jahre 1812 - 1945
4.1.2 1945 - 1960
4.1.3 Seit 1950: Die Bildungsexpansion
4.1.4 1960er Jahre
4.1.5 70er Jahre
4.1.6 2000 - Der PISA-Schock
4.1.7 2006: Kritik der UN
4.1.8 Die geschichtliche Entwicklung des deutschen Bildungssystems – eine Zusammenfassung
4.2 Struktur und Aufbau des deutschen Bildungssystems von Heute
4.2.1 Elementarbereich
4.2.2 Primarbereich
4.2.3 Sekundarstufe I
5 Im Vergleich dazu: Das estnische Bildungssystem
5.1 Geschichtliche Entwicklung des estnischen Bildungssystems
5.2 Struktur und Aufbau des estnischen Bildungswesens
5.2.1 Elementarbereich
5.2.2 Grund- und Hauptschulbildung
5.3 Das estnische Bildungssystem – eine Zusammenfassung
6 Ursachen für den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg in Deutschland
6.1 Familiäre Ursachen der herkunftsbedingten Benachteiligung
6.1.1 Herkunftsbedingte Sozialisation
6.1.2 Bildungsaspiration der Eltern
6.1.3 Familiäre Ursachen der herkunftsbedingten Chancenungleichheit – eine Zusammenfassung
6.2 Institutionelle Ursachen der herkunftsbedingten Benachteiligung
6.2.1 Soziale Selektion durch Schwellen im Bildungssystem
6.2.2 Frühes Ende der Grundschule
6.2.3 Herkunftsbedingte Grundschulempfehlung
6.2.4 Unterschiedliche Leistungs- und Entwicklungsmilieus der Schulformen
6.2.5 Geringe Durchlässigkeit des Schulsystems
6.3 Konklusion und Beantwortung der Forschungsfrage I und II
7 Wege zu mehr Chancengleichheit: Empfehlungen zum Abbau herkunftsbedingter Bildungsbenachteiligung
7.1 Lösungsansatz I: Mehr Chancengleichheit durch verpflichtende Vorschule
7.2 Lösungsansatz II: Mehr Chancengleichheit durch Abschaffung der Mehrgliedrigkeit
7.3 Lösungsansatz III: Mehr Chancengleichheit durch mehr Ganztagsschulen
8 Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und dem Bildungserfolg im deutschen Bildungssystem, insbesondere im Bereich der Sekundarstufe I. Ziel ist es, herkunftsbedingte Benachteiligungen aufzudecken, Ursachen zu identifizieren und durch einen Vergleich mit dem estnischen Bildungssystem Verbesserungsvorschläge für das deutsche Schulwesen zu erarbeiten.
2.2.1 Chancengleichheit im Bildungswesen - ein Definitionsversuch
Der Begriff Chancengleichheit wird sowohl als „Gleichheit der Chancen zur Bildung“ als auch als „Gleichheit der Chancen durch Bildung“ verstanden (vgl. Stojanov 2011, S. 31 – 32). Während unter ersterem die Chancengleichheit im Sinne des gleichen Zugangs zu Bildung (beispielsweise zu Bildungsmedien wie Büchern oder Unterricht) gemeint ist, versteht man unter „Gleichheit der Chancen durch Bildung“ nicht nur die gleiche Befähigung zur Bildung und Weiterbildung, sondern u.a. auch die Herstellung von gleichen Chancen zum sozialen Aufstieg (vgl. Stojanov 2011, S. 33).
Eine Reduktion von Chancengleichheit auf „Gleichheit durch Bildung“ ist kritisch, da hier nicht die unterschiedlichen Ausgangssituationen von Schülern berücksichtigt werden. Wenn man also nicht für gleiche Startbedingungen und damit für einen „fairen Wettbewerb um Bildungsabschlüsse“ (Stojanov 2011, S. 34) sorgt, dann kann man nicht von einer Gleichheit der Chancen sprechen, denn diese sind faktisch, bedingt durch die unterschiedlichen sozialisatorisch bedingten Startbedingungen der Schülerinnen und Schüler, nicht gleich.
Das Problem bei der Definition von Chancengleichheit im Bildungswesen als „Gleichheit zur Bildung“ ist, dass allein der gleiche Zugang zu Bildung nicht reicht, als dass man von einer Gleichheit der Chancen für alle sprechen könnte: Selbst wenn allen Kindern gleichermaßen der Weg zu einer hochwertigen Schulbildung formal ermöglicht wird, ist es nicht sicher, ob Kinder aus sozial schwächeren Schichten diesen Weg tatsächlich gehen bzw. überhaupt gehen können (vgl. Stojanov 2011, S. 32–33). Chancengleichheit zur Bildung gibt es theoretisch schon, denn formell werden alle Schülerinnen und Schüler gleichbehandelt, da sie formell die Chance haben, den Bildungsweg ihrer Wahl zu bestreiten.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des deutschen Bildungssystems ein, in dem der Bildungserfolg stark von der sozialen Herkunft abhängt, und definiert die zentralen Forschungsfragen.
2 Begriffserklärung: In diesem Kapitel werden die zentralen Begriffe „Bildung“ und „Chancengleichheit“ definiert und theoretisch eingeordnet, um eine Basis für die weitere Analyse zu schaffen.
3 Belege für Chancenungleichheit in Deutschland: Hier werden internationale Schulleistungsstudien wie PISA und IGLU herangezogen, um empirisch zu belegen, dass in Deutschland eine starke Kopplung zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg besteht.
4 Das deutsche Bildungssystem: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung des deutschen Bildungssystems und erläutert dessen aktuelle Struktur, um die institutionellen Rahmenbedingungen zu beleuchten.
5 Im Vergleich dazu: Das estnische Bildungssystem: Zur Kontrastierung wird das estnische Bildungssystem analysiert, das als ein System mit geringerem Einfluss der sozialen Herkunft auf den Bildungserfolg beschrieben wird.
6 Ursachen für den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg in Deutschland: Das Kapitel analysiert die familiären und insbesondere institutionellen Ursachen für die herkunftsbedingte Bildungsbenachteiligung in Deutschland.
7 Wege zu mehr Chancengleichheit: Empfehlungen zum Abbau herkunftsbedingter Bildungsbenachteiligung: Abschließend werden konkrete Reformvorschläge abgeleitet, wie durch strukturelle Änderungen die Chancengerechtigkeit im deutschen Bildungssystem erhöht werden könnte.
8 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf die Notwendigkeit tiefgreifender Reformen.
Bildungssystem, Chancengleichheit, soziale Herkunft, Bildungsungleichheit, PISA-Studie, IGLU-Studie, Deutschland, Estland, Sekundarstufe I, Bildungsexpansion, Selektion, Bildungsaspiration, Herkunftseffekte, Bildungspolitik, Bildungsgerechtigkeit.
Die Arbeit analysiert die herkunftsbedingten ungleichen Bildungschancen im deutschen Bildungssystem. Sie untersucht die Ursachen dieser Ungleichheit im Vergleich mit dem estnischen System und leitet Empfehlungen für mehr Chancengerechtigkeit ab.
Zentrale Themen sind die Bildungssoziologie, die Auswirkungen institutioneller Strukturen auf Schullaufbahnen, die Bedeutung der sozialen Herkunft bei Bildungsübergängen und die Analyse internationaler Schulleistungsstudien wie PISA und IGLU.
Das Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, wie herkunftsbedingte ungleiche Bildungschancen in Deutschland durch institutionelle Strukturen entstehen und warum Schüler aus unteren Schichten in Estland bessere Chancen haben.
Es handelt sich um eine literaturgestützte, hermeneutische Arbeit, die auf der Analyse empirischer Sekundärdaten (PISA, IGLU) sowie theoretischer bildungssoziologischer Ansätze basiert.
Der Hauptteil behandelt die theoretische Definition von Bildung und Chancengleichheit, empirische Belege für Bildungsungleichheit, die historische und strukturelle Analyse des deutschen und estnischen Bildungssystems sowie die Diskussion familiärer und institutioneller Ursachen der Benachteiligung.
Die wichtigsten Begriffe sind Chancengleichheit, Bildungsungleichheit, soziale Herkunft, PISA, IGLU, institutionelle Selektion und Bildungsexpansion.
Estland dient als positives Beispiel, da dort der Bildungserfolg trotz ähnlicher sozioökonomischer Voraussetzungen der Bevölkerung deutlich weniger stark von der sozialen Herkunft der Schüler abhängt als in Deutschland.
Die Autorin identifiziert insbesondere das frühe Selektionsalter nach der vierten Klasse, das mehrgliedrige Schulsystem, die geringe Durchlässigkeit zwischen Schulformen und die starke Abhängigkeit von Schulempfehlungen durch Lehrkräfte als wesentliche institutionelle Barrieren.
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