Doktorarbeit / Dissertation, 2019
290 Seiten, Note: 1.0
Zur Einführung
Methodischer Ansatz
Definitionen
Forschungsüberblick
Definitionsversuche und offene Fragen: Was ist die Kyōto-Schule?
1. Bret W. Davis "The Kyoto School" (2006)
2. John C. Maraldo "Die Identität der Kyōto-Schule und diesbezügliche Probleme, gesehen vom Standpunkt der europäisch-amerikanischen Forschung" (2001)
3. Tosaka Jun über die Philosophie der Kyōto-Schule
Die personelle Debatte
Zwei Definitionen – weit versus eng
1. Die Kyōto-Schule als ein "intellektuelles Netzwerk"
1.1 Das "Selbstdenken"
1.2 Das "Netzwerk" unter der Lupe
2. Die Trias Nishida-Tanabe-Nishitani
Die verschiedenen Modelle im Detail
1. Das Generationsmodell
2. Das Flügelmodell
3. Das zentripetale Ringmodell
Die personelle Debatte – Eine kritische Evaluation
1. Das Verhältnis von Nishida und Tanabe
2. Das Problem der Auswahl der Mitglieder
Die thematischen Debatten
Die Debatten um die politische Philosophie der Kyōto-Schule
1. Die Ausgangspunkte der Diskussionen
2. Die Kritiker
2.1 Die erste Phase - Kritik von "Links" und "Rechts"
2.2 Die zweite Phase - die Nachkriegszeit
2.3 Die dritte Phase - die neuentfachte Kritik im Zuge der Heidegger-Debatte
2.4 Die Advokaten
2.4.1 Graham Parkes - Beginn der Verteidigung
2.4.2 Ōhashi Ryōsuke - Der große Advokat der Kyōto-Schule
2.4.3 David Williams - Der "Ōhashi des Westens", oder wie die Kyōto-Schule ihrer Zeit voraus war
2.5 Die ernsthafte Forschung - Ein Ausblick
Die religionsphilosophische Debatte
1. Externe Konstruktionen
1.1 Voraussetzungen und Anfänge
1.2 Das "Absolute Nichts"
1.3 Der buddhistisch-christliche Dialog
1.4"East meets West" - gemeinsames Philosophieren
1.5 Die Universität Hawaii und die Klassifizierung der Kyōto-Schule als buddhistische Philosophie
2. Interne Konstruktionen
2.1 Japanische Philosophie? Philosophie in Japan?
2.2 Der Nishida-Coup
2.3 Die "Vollendung" der originär japanischen Philosophie der buddhistischen Kyōto-Schule
2.4 Die Nishida-Tanabe-Dynamik
Résumé
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Rezeptionsgeschichte der sogenannten Kyōto-Schule auseinander, um die verschiedenen Positionen und Bilder dieser philosophischen Gruppierung zu untersuchen und deren Konstruktionsprozesse methodisch offenzulegen. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich dabei mit der Frage, inwiefern der Begriff Kyōto-Schule je nach historischem, personellem oder thematischem Kontext unterschiedlich konstruiert wird und welche Rolle dabei die jeweilige Intention der Autoren spielt.
Die personelle Debatte – Eine kritische Evaluation
Auf den vorherigen Seiten wurden nun die wichtigsten Modelle, die die personelle Debatte betreffen vorgestellt. Es ist nun an der Zeit diese kritisch zu bewerten. Den Anfang macht dabei eine kritische Analyse des Verhältnisses von Nishida und Tanabe. Daran schließt eine Betrachtung der Auswahl der Mitglieder der Kyōto-Schule an.
Die Kyōto-Philosophie [gemeint ist natürlich die Philosophie der Kyōto-Schule] rotiert um die zwei Pole 'Nishida-Philosophie' und 'Tanabe-Philosophie'. Diese Feststellung von Johannes Laube bringt den Kern der Philosophie der Kyōto-Schule auf den Punkt. Auch wenn man vielleicht seit der Veröffentlichung von James W. Heisigs Philosophers of Nothingness an dieser Stelle gerne noch die Nishitani-Philosophie einfügen möchte, so muss man sich jedoch eingestehen, dass im wesentlichen das Fundament der Kyōto-Philosophie aus den grundlegenden philosophischen Arbeiten von Nishida und Tanabe besteht. Betrachtet man Nishitanis Religionsphilosophie, die den Großteil seiner Schriften ausmacht, wird man dort schnell Element aus Nishidas Ortlogik wiederfinden. Doch nun zurück zum eigentlichem Thema, dem Verhältnis von Nishida und Tanabe.
Der oben genannten Feststellung, dass die Philosophie der Kyōto-Schule aus den zwei, entgegengesetzten Polen Nishida-Philosophie und Tanabe-Philosophie besteht, gründet auf einer metaphorischen Charakterisierung der neuzeitlichen westlichen Philosophie von Takeuchi Yoshinori, der in Japan Johannes Laubes Habilitationsprojekt über die Philosophie Tanabe Hajimes betreute, und aus dessen Veröffentlichung jenes Zitat stammte. Takeuchi unterscheidet in der neuzeitlichen Philosophie zwei grundlegende Tendenzen, zwei Erkenntniswege, nämlich den Weg Hegels und den Weg Kants. Indem er nun unter Verwendung zweier englischer Begriffe das Denken Nishidas als action-intution ("Praxis und Anschauung", beeinflusst vom Zen-Buddhismus) und das Denken Tanabes als action-faith ("Praxis und Glauben", beeinflusst vom Amida-Buddhismus) beschreibt, wird Nishida als tendenziell hegelianisch und Tanabe als tendenziell kantisch bezeichnet. Er überträgt somit die Unterschiede und damit auch die Bedeutung von Hegel und Kant auf die beiden Gründungsväter der Kyōto-Schule.
Zur Einführung: Einleitende Darstellung der Bedeutung der Kyōto-Schule als originär japanische Philosophie und deren kontroverse Wahrnehmung im Spannungsfeld zwischen Religionsphilosophie und politischer Ideologie.
Methodischer Ansatz: Erläuterung des radikalen Konstruktivismus nach Ernst von Glasersfeld als analytisches Werkzeug, um die unterschiedlichen und teils widersprüchlichen Konstruktionen des Begriffs Kyōto-Schule zu untersuchen.
Definitionen: Vorstellung relevanter wissenschaftlicher Konzepte wie Orientalismus und Okzidentalismus, die für das Verständnis der Rezeptionsgeschichte essenziell sind.
Forschungsüberblick: Historische Nachzeichnung der akademischen Erforschung der Kyōto-Schule von ihren Anfängen bis in die Gegenwart unter Berücksichtigung westlicher und japanischer Literatur.
Definitionsversuche und offene Fragen: Was ist die Kyōto-Schule?: Diskussion der Schwierigkeit einer konsistenten Begriffsbestimmung anhand prominenter Einführungen und Ansätze.
Die personelle Debatte: Analyse der Zusammensetzung der Kyōto-Schule durch verschiedene Definitionsmodelle (weit vs. eng) und deren methodische Evaluation.
Die thematischen Debatten: Detaillierte Untersuchung der politischen und religionsphilosophischen Kontroversen, die das Bild der Schule maßgeblich geprägt haben.
Kyōto-Schule, Nishida Kitarō, Tanabe Hajime, Nishitani Keiji, Radikaler Konstruktivismus, Orientalismus, Okzidentalismus, Nihonbunkaron, Religionsphilosophie, Politische Philosophie, Absolute Nichts, Japanische Philosophie, Rezeptionsgeschichte, Buddhismus, Zen.
Die Arbeit untersucht die Rezeptionsgeschichte der Kyōto-Schule und legt offen, wie der Begriff je nach politischem oder akademischem Kontext unterschiedlich konstruiert wurde.
Neben der personellen Zusammensetzung der Schule stehen vor allem die Debatten um deren politische Philosophie und die religionsphilosophische Einordnung im Mittelpunkt.
Ziel ist es, die verschiedenen Bilder der Kyōto-Schule als bewusste oder unbewusste Konstruktionen zu entlarven und zu verdeutlichen, dass es keinen einheitlichen, eindeutigen Kern der Schule gibt.
Es wird der radikale Konstruktivismus nach Ernst von Glasersfeld angewandt, um die Brauchbarkeit und Bedingtheit der verschiedenen Deutungsmodelle zu analysieren.
Der Hauptteil gliedert sich in personelle Debatten, die verschiedene Modelle der Mitgliedschaft beleuchten, sowie thematische Debatten, die sich mit der politischen und religionsphilosophischen Rolle der Schule befassen.
Neben den zentralen Denkern wie Nishida, Tanabe und Nishitani sind Begriffe wie Konstruktivismus, Nihonbunkaron, Absolute Nichts und der japanische Buddhismus von großer Bedeutung.
Die Arbeit zeigt auf, dass dies ein hochkontroverses Thema ist; Kritiker sehen darin eine Nähe zum Faschismus, während Advokaten der Schule dies als immanente Kritik am damaligen Regime interpretieren.
Das Absolute Nichts ist das zentrale philosophische Bindeglied und Thema der Schule, wird jedoch in der Forschung extrem unterschiedlich gedeutet, was maßgeblich zur Verwirrung über die Identität der Schule beiträgt.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

