Magisterarbeit, 2005
135 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
I Historischer Rückblick auf den Lang- und Marathonlauf
1 Von den Anfängen
1.1 Laufen im alten Griechenland
1.2 Vom Kurierläufer über den höfischen Galaläufer zum Kunstläufer
1.3 England – das Vorbild für den deutschen Langlauf
1.4 Die Premiere des Marathonlaufs in Athen
1.5 42,195 km erstmals in London
2 Die Verbreitung des Langlaufsports in Deutschland bis zum Zweiten Weltkrieg
2.1 Das Laufen bei GutsMuths und Jahn
2.2 Die Geburtsstunde des Sportläufers
2.3 Aufschwung und Etablierung des Marathonlaufs
2.3.1 Vom zögernden Beginn bis zur Zwangspause durch den Ersten Weltkrieg
2.3.2 Deutsche Meisterschaften im Marathonlauf ab 1925
Exkurs: Der Marathonlauf bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin
II Chronologie der Lang- und Marathonlauf-Entwicklung in BRD und DDR
1 Der Marathon-Neuanfang im zweigeteilten Nachkriegsdeutschland
2 Die Laufbewegung in der BRD bis zur Wende
2.1 Ein „Zweiter Weg“ für den Sport
2.2 Volksläufe seit 1963
2.3 Die „Trimm-dich“-Aktion seit 1970
2.3.1 Der Beginn der Joggingbewegung in den USA
2.3.2 „Lauf mal wieder“
2.4 Lauftreffs seit 1974
2.5 Stadtmarathons seit den Achtzigern
3 Die Laufbewegung in der DDR bis zur Wende
3.1 Die Rolle des Freizeit- und Erholungssports
3.2 „Lauf dich gesund“ seit 1967
3.3 „Eile mit Meile“ seit 1973
3.3.1 Die Meilentreffs
3.4 Der Rennsteiglauf: die dezentrale Kraft der DDR-Laufbewegung
3.4.1 Ursprünge
3.4.2 Die Auswirkungen des Rennsteiglaufes auf die Laufbewegung
3.5 Der KMU-Marathon – größter Stadtmarathon der DDR
III Der Lang- und Marathonlauf in der Wendephase und im geeinten Deutschland
1 Die Laufbewegung zur Wendezeit
1.1 Begegnungen
Exkurs: DDR-Leistungssportler – Aus der Fremdbestimmung in die Freiheit
1.2 Die Ost-West-Angleichung
1.3 Die Rezession nach der Wiedervereinigung
2 Ausdauerläufe in Deutschland boomen
2.1 Die teilnehmerstärksten Städtemarathons
2.2 Landschaftsläufe in den neuen Bundesländern immer beliebter
IV Langlauf-Manie und gesellschaftlicher Wandel
1 Vom Rekordjäger zum Freizeitläufer
1.1 Laufen als hauptsächliches Phänomen der oberen Mittelschichten
1.1.1 Läufer sind nicht gleich Läufer
1.1.2 Joggen in den Sinus-Milieus
1.2 Vermehrte Freizeit und Wertewandel
1.3 Der Ausbruch aus den Abhängigkeiten der Gesellschaft
2 Der Marathon – Bereicherung für Körper, Geist und Seele
2.1 Das Motiv der Gestaltung des Alltags
2.2 Das Motiv der Erprobung der körperlichen und psychischen Belastungsfähigkeit
2.3 Das Motiv der Neubelebung des Egos
3 Der Marathonlauf im Zeitalter der Kommerzialisierung
3.1 Die Kommerzialisierungswelle überrollt die Laufbewegung
3.1.1 Kommerzialisierungsprozesse in der BRD seit den Siebzigern
3.2 „Die Eventisierung des Festlichen“
3.3 Von der herkömmlichen Laufveranstaltung zum schillernden Event
3.3.1 Das Riesenunternehmen Stadtmarathon
3.3.2 Die Zugkräfte einer regionalen Kleinveranstaltung
3.3.3 Über den existenziellen Einsatz kommunaler Träger und Ehrenamtlicher
Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische und gesellschaftliche Entwicklung des Lang- und Marathonlaufs in Deutschland unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Systemvoraussetzungen in der ehemaligen BRD und DDR sowie des daraus resultierenden Wendeprozesses. Das primäre Ziel ist die Darstellung und Systematisierung dieser Laufentwicklungen, eingebettet in den Kontext eines gewandelten Freizeitverständnisses und der zunehmenden Kommerzialisierung von Laufsportveranstaltungen.
1.1 Laufen im alten Griechenland
Die ersten Körperübungen sind bis in die Urgesellschaft zurückzuverfolgen, wo man die lebenswichtige Versorgung mit Nahrung nur durch die Jagd bewerkstelligen konnte. Zur Sicherung des Nahrungserwerbs schuf man besondere Formen des Laufens, Springens und Werfens, die auch als Übungs- und Wettkampfformen Anklang fanden. Überlieferte Felszeichungen und Höhlenmalereien bieten bis heute eindrucksvolle Beweise über die damalige Lebensweise (Dahms 2001, 9).
Bei den Olympischen Spielen in der griechischen Antike wurde der Lauf als Wettkampfdisziplin im Stadion barfüßig auf einer festgestampften Sandschicht absolviert. Bedingt durch die rechteckige Form des Stadions wurden die Laufbahnen parallel-geradlinig angelegt. Der Start der Teilnehmer erfolgte in aufrechter Position und wurde durch ein Trompetensignal initiiert, wobei man einen Fehlstart mit Gertenhieben ahndete. Der älteste Wettkampflauf war der Stadionlauf – ein Kurzstreckenlauf, der über eine Distanz von 600 Fuß (entspricht in Olympia 192,27 m) führte und in der Regel von den Waffenläufern mit Schild zurückgelegt wurde. Den Diaulos-Lauf über die doppelte Distanz bestritten die sogenannten Pendelläufer. Hierbei mussten eine oder mehrere Wenden um die sich im Start und Zielbereich befindlichen Pfosten absolviert werden. Die längste gemessene Laufdistanz zu jener Zeit umfasste 24 Stadien, was etwa 4500 m entspricht (Wiersing 2004, 263f).
Langstreckenläufe nach unserem heutigen Verständnis wurden also bei den Olympischen Spielen der griechischen Antike noch nicht praktiziert. Im alten Griechenland gab es jedoch sehr viele trainierte Läufer, die zumeist über mehrere Tage dauernde Entfernungen zurücklegten, welche aber wie bei allen alten Gesellschaftssystemen üblich, als militärische und zivile Meldeläufer zur Überbringung wichtiger Nachrichten eingesetzt wurden. Historisch nachgewiesen sind die Hemerodromoi, die sogenannten Tagesläufer, die im unwegsamen Gebirgsland Nachrichten schneller als Reiter oder Boote überbringen konnten, sowie die Bematistai, die Schrittmesser Alexander des Großen, die auf seinen Feldzügen das Land vermaßen und ihre Aufgabe meist so genau erledigten, dass einige von ihnen sogar den Umfang der Erdkugel exakt errechnen konnten (Lennartz 1999, 146). Die schnelle Nachrichtenübermittlung stellte einen wesentlichen Faktor für die Regierbarkeit ganzer Reiche dar.
Historischer Rückblick auf den Lang- und Marathonlauf: Dieser Abschnitt beleuchtet die Anfänge des Laufsports vom antiken Griechenland über die höfische Ära bis hin zur Vorbildfunktion Englands und der Entstehung des Marathons.
Chronologie der Lang- und Marathonlauf-Entwicklung in BRD und DDR: Hier wird der parallele, aber ideologisch unterschiedliche Aufbau der jeweiligen Laufstrukturen in beiden deutschen Staaten sowie deren Annäherung nach der Wende analysiert.
Langlauf-Manie und gesellschaftlicher Wandel: Dieses Kapitel thematisiert den soziologischen Wandel vom leistungsorientierten Rekordläufer hin zum freizeitorientierten Jogger sowie die Auswirkungen der Kommerzialisierung auf Laufveranstaltungen.
Marathonlauf, Laufbewegung, DDR, BRD, Sportsoziologie, Breitensport, Trimm-dich-Aktion, Lauftreffs, Kommerzialisierung, Rennsteiglauf, Stadtmarathon, Lauf-Event, Sportgeschichte, Freizeitsport, Identitätsbildung.
Die Arbeit analysiert die Entwicklung der Langlauf- und Marathonbewegung in Deutschland, wobei der Fokus besonders auf den unterschiedlichen Entwicklungen in BRD und DDR sowie dem Wandel zum modernen Freizeitsport liegt.
Zentrale Themen sind die historische Genese des Marathons, der Vergleich von Sportideologien in Ost und West, die Entstehung der deutschen Laufbewegung und die heutige Kommerzialisierung des Sports.
Ziel ist es, die Entwicklung der Laufkultur systematisch darzustellen und die soziologischen Hintergründe für den Boom des Laufens in der modernen Gesellschaft zu ergründen.
Die Arbeit nutzt eine historisch-deskriptive Methode sowie eine soziologische Analyse, um die Entwicklung anhand von Literatur, Statistiken und Milieu-Studien aufzuarbeiten.
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Rückschau, die Entwicklung in den zwei deutschen Systemen, die Wendeprozesse nach der Wiedervereinigung sowie die heutige Bedeutung des Laufens als Event und Lebensstil.
Wichtige Begriffe sind Marathonlauf, DDR-Freizeitsport, Volkslauf, Kommerzialisierung, Laufbewegung, Eventisierung und soziokultureller Wandel.
Der Rennsteiglauf fungierte als dezentrales „Markenzeichen“ der DDR-Laufbewegung, das sich trotz staatlicher Skepsis und bürokratischer Hürden zu einer populären, selbstorganisierten Massenveranstaltung entwickelte.
Vom ursprünglichen, rein sportlichen Charakter entwickelte sich der Marathon zu einem professionell vermarkteten „Event“, bei dem nicht mehr nur die Leistung, sondern auch das Erlebnis, die Inszenierung und ein massenwirksames Gemeinschaftsgefühl im Mittelpunkt stehen.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

