Magisterarbeit, 2005
108 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Die Entwicklung des modernen Sports
2.1. Das Sportsystem
2.1.1. Sozialhistorische Entwicklung
2.1.1.1. Ursprünge körperlicher Aktivität
2.1.1.2. Bewegungskultur und Leibesübungen
2.1.1.3. Renaissance – Übergang zum modernen Sport
2.1.1.4. Industrielle Revolution
2.1.1.5. Das 20. Jahrhundert
2.1.2. Die Einheit des modernen Sports
2.1.3. Fortschreitender Wandel: Von der Einheit zur Vielfalt
2.2. Das (Sport-) Vereinswesen
2.2.1. Geschichtliche Entwicklung
2.2.1.1. Mittelalter bis zum Beginn der ersten Vereine
2.2.1.2. Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis 1945
2.2.2. Wandlungsprozesse des modernen Sportvereins
3. Theoretischer Rahmen
3.1. Individualisierung
3.1.1. Modernisierung
3.1.2. Wandel der Sozialstruktur
3.1.3. Phasen der Individualisierung
3.1.4. Individualisierung und die Folgen für den Sport
3.2. Der Sozialkapitalansatz
3.2.1. Grundelemente: Vertrauen, Normen, Netzwerke
3.2.2. Formen sozialen Kapitals
3.2.3. Sozialkapital und (Sport-) Vereine
4. Sportverhalten in Deutschland
4.1. Operationalisierungsprobleme
4.2. Sportbeteiligung
4.2.1. Der Sport als Teil der Freizeit
4.2.2. Zuschauersport
4.2.3. Veränderungen der Aktivenzahlen
4.2.4. Sportarten
4.2.4.1. Die Erweiterungen traditioneller Sportarten
4.2.4.2. Trendsport
4.3. Die Sportvereine
4.3.1. Ansehen und Aufgaben
4.3.2. Probleme der Mitgliedererfassung
4.3.3. Die Mitgliederentwicklung
4.3.4. Die Krise des Ehrenamtes
4.4. Motive im Sport
4.5. Der sozialstrukturelle Kontext
4.5.1. Vertikale Ungleichheiten und Sportengagement
4.5.2. Horizontale Ungleichheiten und Sportengagement
4.5.2.1. Alter
4.5.2.2. Geschlecht
4.5.2.3. Ost-West Differenzen
5. Resümee
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Veränderungen des Sportengagements der deutschen Bevölkerung seit der Nachkriegszeit zu untersuchen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich das Sportverhalten entwickelt hat, welche Sportarten bevorzugt werden und welche Auswirkungen dieser Wandel auf das Vereinswesen hat.
2.1.1.2. Bewegungskultur und Leibesübungen
Coakley (1994) beschreibt verschiedene ‚sportliche’ Bewegungskulturen innerhalb eines Zeitraumes von ca. 1000 v. Chr. bis ins Mittelalter. Zunächst nennt er die antiken olympischen Spiele der Griechen, die auf einer umfassenden Mythologie und Religiosität beruhen. Einflußreiche und wohlhabende griechische Familien stellen zumeist ihre Männer zu den Wettkämpfen auf, die einen kriegerischen Hintergrund haben (Ringen, Boxen, Speer- und Diskuswerfen, Weitsprung etc.). Gewalt und ernsthafte Verletzungen sind dabei die Regel.
Die großen Spektakel für die Volksmassen der Gladiatoren im römischen Reich zwischen 100 v. Chr. und 500 n. Chr. zielt noch mehr auf die Ausbildung der Athleten zu gehorsamen Soldaten. Dies um so mehr, je mächtiger und einflußreicher das römische Reich wird. Aufgrund schlechter wirtschaftlicher Lage werden die Gladiatorenrennen durch Ereignisse wie Boxkämpfe, Bullenreiten etc. zu einem immens wichtigen Ablenkungs- und Zerstreuungsfaktor für die Massen erweitert. Auch hier spielen Brutalität und Gewalt eine entscheidende Rolle.
Im Mittelalter (500 bis 1300 Jh.) werden die griechischen und römischen Großereignisse durch Turniere der feudalen Aristokratie ersetzt. Beeinflußt durch regionale Bräuche und die römisch-katholische Kirche entstehen Wettkämpfe, die wiederum militärischen Zwecken und auch der Unterhaltung der Oberschicht dienen. Reitturniere sind in dieser Zeit weit verbreitet. Daneben entstehen auch erste Ballspiele, die von ehemaligen römischen Soldaten während ihrer weiten Reisen durch Europa als Erholungsspiele praktiziert und von der bäuerlichen Bevölkerung nachgeahmt werden (vgl. Guttmann, 2000). Aber auch diese Spiele sind von extremer Härte und vielen Verletzungen unter den Beteiligten geprägt. Im Mittelalter finden sich darüber hinaus eine Vielzahl von Disziplinen, darunter Laufen, Springen, Stein- und Stangenstoßen, Ringen und Fechten, Schießen sowie tänzerische Bewegung.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Sports in der modernen Gesellschaft ein und definiert das Ziel der Arbeit: die Untersuchung der Veränderungen des Sportengagements der deutschen Bevölkerung seit 1945.
2. Die Entwicklung des modernen Sports: Dieses Kapitel zeichnet die sozialhistorische Genese des modernen Sports von den antiken Ursprüngen über die industrielle Revolution bis hin zum heutigen Sportsystem und Vereinswesen nach.
3. Theoretischer Rahmen: Hier werden mit der Individualisierungsthese und dem Sozialkapitalansatz die wissenschaftlichen Erklärungsmodelle dargelegt, die zur Analyse des Wandels des Sportverhaltens dienen.
4. Sportverhalten in Deutschland: Dieses Kapitel interpretiert empirische Daten zur Sportbeteiligung, zum Zuschauersport, zur Mitgliederentwicklung in Vereinen sowie zur Bedeutung von Trendsportarten und sozialstrukturellen Kontexten.
5. Resümee: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, wonach Sport zwar eine quantitative Expansion erlebte, sich jedoch eine qualitative Pluralisierung und Diversifizierung der Sportlandschaft vollzogen hat.
Sportengagement, Sportsoziologie, Individualisierung, Sozialkapital, Sportverein, Trendsport, Modernisierung, Sportbeteiligung, Leistungsgesellschaft, Körperideale, Sozialstruktur, Ehrenamt, Freizeitverhalten, Vereinswesen, Gesundheitsbewusstsein.
Die Arbeit untersucht die Veränderungen im Sportengagement der deutschen Bevölkerung seit dem Zweiten Weltkrieg und analysiert die dabei zugrunde liegenden gesellschaftlichen Wandlungsprozesse.
Die zentralen Felder umfassen die historische Entwicklung des modernen Sports, den soziologischen Strukturwandel (Individualisierung), das Vereinswesen in Deutschland sowie den Einfluss sozialstruktureller Merkmale wie Alter, Geschlecht und Herkunft.
Das Hauptziel ist es zu klären, wie sich das Sportverhalten der Bundesbürger verändert hat, welche Sportarten bevorzugt werden und wie sich diese Prozesse auf die Rolle der Sportvereine auswirken.
Der Autor führt eine theoretische Aufarbeitung soziologischer Konzepte durch und kombiniert diese mit einer Interpretation bestehender empirischer Sekundärdaten (z. B. Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse, DSB-Statistiken).
Im Hauptteil wird zunächst der theoretische Rahmen durch die Individualisierungsthese und den Sozialkapitalansatz abgesteckt, gefolgt von einer detaillierten Auswertung der Sportbeteiligung, der Trendsportarten und der Situation der Sportvereine.
Wesentliche Begriffe sind Sportengagement, Individualisierung, Sozialkapital, Vereinswesen, Trendsport und soziale Ungleichheit.
Die Individualisierung führt zu einer Loslösung von traditionellen Bindungen, wodurch Sportler zunehmend eigenverantwortliche Entscheidungen treffen und Sport als Mittel zur individuellen Identitätsbildung und Selbstverwirklichung nutzen.
Der Autor argumentiert, dass ein pauschaler Niedergang der Vereine nicht belegt ist; vielmehr zeigen sich Anpassungsprozesse an geänderte Bedürfnisse und eine wachsende Konkurrenz durch kommerzielle oder informelle Sportangebote.
Die Arbeit zeigt, dass die Sportbeteiligungsraten im Osten trotz Annäherungsprozessen nach der Wiedervereinigung niedriger bleiben als im Westen, was teilweise durch Unterschiede in der historischen Sportinfrastruktur erklärt wird.
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