Bachelorarbeit, 2019
60 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Das Werk
2.1 Inhaltsangabe
2.2 Erzähltextanalyse
2.2.1 Erzähler
2.2.2 Diskurs
2.2.3 Geschichte
3. Mythos
3.1 Begriffsbestimmung und Funktionen
3.2 Die griechische Mythologie
3.3 Christa Wolfs Mythosarbeit
4. Zeitgeschichtliche Einordnung
4.1 Entstehungsumstände
4.1.1 Literatur der DDR
4.1.2 Christa Wolfs Wirken in der DDR
4.2 Das Werk im zeitgeschichtlichen Kontext
4.2.1 Parallelen zwischen fiktiver und realer Welt
4.2.2 Christa Wolfs verschlüsselte Kritik
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit Christa Wolf in ihrem Roman „Kassandra“ den zeitgeschichtlichen Hintergrund der 80er Jahre sowie die Problematik des Kalten Krieges durch die mythologische Figur der Kassandra verschlüsselt darstellt und kritisch reflektiert.
4.2.1 Parallelen zwischen fiktiver und realer Welt
Dieses Grundthema findet man auch in ihrem Werk „Kassandra“. Doch wie kann sich jemand selbst verwirklichen in Zeiten eines Krieges? Jener Krieg stellt klar und deutlich eine Parallele zwischen der fiktiven Welt rund um Troja und dem zeitgeschichtlichen Hintergrund der 80er Jahre in Ostdeutschland beziehungsweise fast auf der gesamten Welt her. Einziger Unterschied: im Roman herrscht ein zehn Jahre langer aktiver Krieg, in dem Waffen rund um die Uhr aktiv zum Einsatz kommen und viele Krieger sterben.
Der Krieg, von dem die Autorin zur Entstehungszeit des Romans Zeugin wird, ist der Kalte Krieg. Auch als Ost-West-Konflikt benannt wütete er auf politischer und ideologischer Ebene rund 40 Jahre lang. Die zweite heraus stechende Parallele zwischen Werk und Entstehungszeit ist die Herrschaftsform der jeweiligen Staaten. Zwar wird hier der Unterschied zwischen Monarchie und Republik auf den ersten Blick gewahrt. Geht man allerdings ins Detail, weisen beide Herrschaftsformen Züge einer Diktatur auf, inklusive totalitärer Maßnahmen zur Wahrung dieser getarnten Diktatur. Im Folgenden werden nun diese beiden Hauptparallelen weiter erläutert und teilweise auch miteinander in Verbindung gebracht.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die thematische Auseinandersetzung mit Krieg, Frieden und Anpassung ein und formuliert die zentrale Fragestellung der Arbeit.
2. Das Werk: Dieses Kapitel liefert eine Inhaltsangabe sowie eine detaillierte literaturwissenschaftliche Erzähltextanalyse des Romans hinsichtlich Erzähler, Diskurs und Geschichte.
3. Mythos: Hier werden allgemeine Begriffsbestimmungen und Funktionen von Mythen dargelegt, die griechische Mythologie beleuchtet und Christa Wolfs spezifische Mythosarbeit analysiert.
4. Zeitgeschichtliche Einordnung: Das Kapitel verknüpft die Entstehungsumstände der DDR-Literatur mit Christa Wolfs Wirken und stellt Parallelen zwischen der Romanwelt und der historischen Realität her.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zur verschlüsselten Gesellschaftskritik im Roman zusammen und beantwortet die leitende Fragestellung.
Christa Wolf, Kassandra, Mythos, Kalter Krieg, DDR, Literaturanalyse, Patriarchat, Subjektwerdung, Zeitgeschichte, Zensur, Machtkritik, Erzähltextanalyse, Kriegsprävention, Utopie, Entfremdung
Die Arbeit analysiert Christa Wolfs Roman „Kassandra“ und zeigt auf, wie die Autorin den Trojanischen Mythos nutzt, um aktuelle politische und gesellschaftliche Zustände der 80er Jahre in der DDR zu kritisieren.
Zentral sind die Themenbereiche Machtmissbrauch, Kriegslust, Zensur, patriarchale Strukturen sowie die Suche des Individuums nach Identität und Selbstverwirklichung unter staatlichem Druck.
Die Forschungsfrage lautet: Inwieweit wird der zeitgeschichtliche Hintergrund des Romans Kassandra von Christa Wolf durch den gleichnamigen Mythos verschlüsselt dargestellt und kritisiert?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Erzähltextanalyse, ergänzt durch eine historisch-kontextuelle Einordnung, um Parallelen zwischen Fiktion und Realität aufzuzeigen.
Der Hauptteil analysiert die Erzählstruktur des Werkes, definiert den Mythos-Begriff, dokumentiert die Entstehungsumstände in der DDR und erarbeitet detaillierte Parallelen zwischen der Palastwelt in Troja und den gesellschaftspolitischen Realitäten der DDR.
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Christa Wolf, Kassandra, Mythos, Kalter Krieg, Machtkritik und Zensur definieren.
Christa Wolf verwandelt die mythologische Kassandra von einer passiven, wahnsinnigen Seherin in eine realistische und autonome Frau, die politische Zusammenhänge durchschaut und sich gegen das herrschende Patriarchat auflehnt.
Das Pferd symbolisiert die blinde, durch Manipulation und Kriegsgier verblendete Gesellschaft, die trotz Kassandras Warnungen (und der Realität der Lüge) in den Untergang steuert – ein deutliches Analogon zur politischen Blindheit im Kalten Krieg.
Eumelos fungiert im Roman als Repräsentant einer neuen Elite, die durch Bespitzelung, Manipulation und das Schüren von Angst (Feindbilder) die Kontrolle über die Bevölkerung sichert, was direkte Parallelen zum Wirken des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) aufweist.
Das Setting dient als „verschlüsselte Plattform“, um Kritik an der eigenen Gegenwart (Kalter Krieg, atomare Bedrohung, DDR-Staatsführung) üben zu können, ohne dabei unmittelbar der Zensur zum Opfer zu fallen.
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