Bachelorarbeit, 2016
41 Seiten, Note: 1,5
1. Einleitung
2. Zum Verhältnis von Sprache und Denken
2.1 Sapir, Whorf und die Sprachdeterminiertheit
2.2 Zurück ins 18. Jahrhundert: Humboldts Blick auf Sprache
2.3 Eine Neubewertung der Relativitätstheorie
3. Bilinguales Weltbild. Zwei Sprachen – zwei Identitäten
3.1 „Double thinking“. Die bilinguale Leistung
3.2 Weltansichten als Übersetzungsproblem
3.3 Emotion, Verhalten und kulturelle Zugehörigkeit
4. Mehrsprachigkeit als individueller und gesellschaftlicher Gewinn
4.1 Stolperstein Mehrsprachigkeit
4.2 Fremdverstehen: Bilingualität als Vermittlerin
5. Zusammenfassung und abschließende Bemerkungen
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Sprache und Denken unter besonderer Berücksichtigung der Bilingualität. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob bilinguale Personen in ihren jeweiligen Sprachen unterschiedlich denken und ob sie durch den Sprachwechsel ihre Weltansicht verändern.
3.1 „Double thinking“. Die bilinguale Leistung
– „Papa, ich will auch so ein Parfum haben wie du.“
– „Aha, gleich.“
Die Antwort meines bilingual russisch-deutschen Vaters ist eine konzeptuell russische Äußerung mit deutschen Worten, welche meinem Bruder (dessen deutlich dominante Sprache Deutsch ist) völlig unverständlich blieb, weil er in diesem Moment im deutschsprachigen Modus war. „Aha, gleich“ (Aga, sejčas/ Ага, сейчас) wird in der russischen Umgangssprache im ironischen Sinne von „Ja, ganz bestimmt“ oder „Das hättest du wohl gern“ verwendet. Eine solche Situation ist nicht ungewöhnlich, wenn zwei Sprachen aufeinandertreffen: mein Vater dachte russisch, aber sprach deutsch. Pavlenko (2014: 122) nennt das „L1 thinking for L2 speaking“, wobei es dem Sprecher selbst gar nicht unbedingt auffallen muss, dass er hier vergeblich versucht, die L2 zu sprechen, ohne seine Gedanken entsprechend umzustrukturieren. Bilingualität ist ein immer häufiger werdendes Phänomen und wird von unterschiedlichen Autoren unterschiedlich definiert, was dazu führt, dass in einigen Publikationen nur solche Personen bilingual genannt werden, die von frühester Kindheit an zwei Sprachen sprechen (2L1), und sich entsprechend durch einen hohen Grad an Sprachbeherrschung in beiden Sprachen auszeichnen. In anderen Publikationen hingegen werden auch solche Menschen darunter gefasst, die nach „der kritischen Spanne“ (Triarchi-Herrmann 2012: 17), sprich nach der Pubertät, eine zweite Sprache erworben haben (sukzessiv L2), welche aber im Alltag für die Sprecher eine große Rolle spielt, eventuell migrationsbedingt. In diesem Fall ist der Grad der Sprachbeherrschung zweitrangig, wichtig ist nur, dass die Person täglich mit zwei Sprachen hantiert, welche unterschiedlichen Lebensbereichen zugeordnet sind (i.d.R. Familiensprache ≠ Sprache der Umgebung). Ich möchte unter Bilingualität primär die Zugehörigkeit eines Menschen zu zwei Sprachgemeinschaften verstehen, und zwar insofern, als dass er hin und wieder unentschlossen ist, welche der Sprachen den „silent dialog with one’s soul“ (Pavlenko 2014: 208) dominiert, in welcher Sprache er also denkt.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik ein, beleuchtet die Rolle der Muttersprache für die Gedankenbildung und skizziert die wissenschaftliche Debatte um sprachliche Relativität und Determiniertheit.
2. Zum Verhältnis von Sprache und Denken: Dieses Kapitel analysiert die Sapir-Whorf-Hypothese, ihre radikale Interpretation und die kritische Neubewertung im Kontext der Humboldt’schen Sprachphilosophie.
3. Bilinguales Weltbild. Zwei Sprachen – zwei Identitäten: Der Hauptteil untersucht die kognitiven Prozesse bei bilingualen Personen, das Phänomen des "Double thinking" und wie Sprachen konzeptionell strukturiert sind.
4. Mehrsprachigkeit als individueller und gesellschaftlicher Gewinn: Hier werden Vorurteile gegenüber Mehrsprachigkeit widerlegt und Bilingualität als wertvolle kognitive Kompetenz sowie als Brücke zum Fremdverstehen dargestellt.
5. Zusammenfassung und abschließende Bemerkungen: Das Fazit fasst die Kernergebnisse zusammen und plädiert dafür, Mehrsprachigkeit als persönlichen und gesellschaftlichen Gewinn in einer pluralistischen Gesellschaft zu begreifen.
Bilingualität, Sprache und Denken, Sprachliche Relativität, Sapir-Whorf-Hypothese, Wilhelm von Humboldt, Weltansicht, Identität, Mehrsprachigkeit, Kognitive Flexibilität, Konzeptuelle Restrukturierung, Interkulturelle Kommunikation, Sprachphilosophie, Zweisprachigkeit, Kulturelle Identität, Neurobiologische Grundlage
Die Arbeit untersucht, wie Sprachen das Denken und die Weltsicht beeinflussen, insbesondere bei Personen, die mit zwei Sprachen aufwachsen oder diese täglich nutzen.
Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung sprachphilosophischer Theorien (Sapir, Whorf, Humboldt), die kognitiven Auswirkungen von Bilingualität und die Rolle von Sprache für kulturelle Identität.
Ziel ist es zu klären, ob bilinguale Sprecher in den verschiedenen Sprachen unterschiedlich denken und ob sie beim Sprachwechsel ihre Perspektive auf die Welt (Weltansicht) anpassen.
Die Autorin verwendet eine sprachphilosophische und linguistische Analyse, gestützt durch eine Literaturübersicht und die Auswertung aktueller Studien zur Bilingualismusforschung.
Der Hauptteil widmet sich dem „Double thinking“, Übersetzungsproblemen, dem Einfluss von Sprache auf Emotionen und Verhalten sowie dem Konzept der Mehrsprachigkeit als individueller Gewinn.
Die wichtigsten Begriffe sind Bilingualität, Sprachliche Relativität, Weltansicht, Kognitive Flexibilität und Interkulturelle Kommunikation.
Es beschreibt die Erfahrung bilingualer Sprecher, dass Konzepte einer Sprache nicht nahtlos in die andere übersetzbar sind und wie die Person ihre Gedanken entsprechend der aktivierten Sprache umstrukturiert.
Sprache fungiert als "Aufmerksamkeitslenker". Das Erlernen einer zweiten Sprache erweitert das Repertoire an Kategorisierungen, was die kognitive Flexibilität erhöht, anstatt das Denken zu limitieren.
Die Autorin bewertet Mehrsprachigkeit eindeutig als wertvolle Ressource und persönlichen Gewinn, der zu einer erweiterten Sichtweise und besserem interkulturellen Verständnis beiträgt.
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