Diplomarbeit, 2018
86 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Theoretischer Ansatz und Forschungsperspektive
2.1 Annäherung an die Forschungslücke
2.2 Die Theorie des Finanzmarktkapitalismus
2.3 Corporate Governance im Spannungsfeld zwischen Patient Capital und Shareholder Value
2.4 Exit, Voice and Loyalty in Bezug auf Corporate Governance
3. Untersuchungsdesign
4. Exchange Traded Products und Fonds im Überblick
4.1 Historischer Überblick der ETFs
4.2 Ideologie der ETFs
4.3 Technischer Aufbau
4.4 Aktive Fonds im Gegensatz zu ETFs
5. Marktumfeld & Branchenbetrachtung
5.1 ETF Konzentration
5.2 Beteiligungen an deutschen Unternehmen
5.3 Die Akteure BlackRock Inc. und The Vanguard Group
6. Einfluss der ETFs auf die Corporate Governance in Deutschland
6.1 Corporate Governance in Deutschland
6.2 Der Inhalt des Deutschen Corporate Governance Kodex
6.3 Vanguard und BlackRock: Corporate Governance Erwartungen im Vergleich
6.4 Stimmverhalten der ETF-Kapitalanlagegesellschaften
6.5 Die Rolle der Stimmrechtsberater
6.6 Fink, Bogle und die Nutzung der Öffentlichkeit
7. Weitere Forschungsfragen
8. Fazit
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen des rasanten Wachstums von börsengehandelten Indexfonds (ETFs) auf die Corporate Governance deutscher Unternehmen. Dabei wird analysiert, inwieweit die zunehmende Konzentration von Kapital bei wenigen großen Vermögensverwaltern die Machtverhältnisse und Entscheidungsprozesse in Unternehmen beeinflusst, wobei insbesondere die Hypothese geprüft wird, ob ETFs als langfristig orientiertes „geduldiges Kapital“ (Patient Capital) fungieren oder das kurzfristige Denken verstärken.
Die Theorie des Finanzmarktkapitalismus
New Finance Capitalism oder im deutschsprachigen Raum unter Finanzmarktkapitalismus bekannt, ist eine spezifische Konfiguration des Kapitalismus. Mit Kapitalismus wird eine Gesellschafts- sowie Wirtschaftsordnung begriffen, welche im Allgemeinen ein geringerer Einfluss des Staates auf die Wirtschaft inklusive hohem Schutz des Privateigentums sowie weitgehend Freiheit der Unternehmer bezeichnet (vgl. Schneider und Tojka-Seid 2018).
Deutschmann (2008) spricht von einem Typus, welcher mit Finanzialisierung identisch ist. Jedoch wird hier der Finanzmarktkapitalismus aufgrund des spezifischen Schwerpunktes auf die Fondsbranche näher eingegangen. Der Finanzmarktkapitalismus spricht von einem Wandel der Finanzbranche, der in seiner Ausprägung historisch einmalig ist. Als eine Folge der Abschaffung der festen Wechselkurse sowie weitgehender internationaler Kapitalverkehrskontrollen wurde eine Entfesselung der Finanzmärkte zum dominanten Wirtschaftszweig prognostiziert (vgl. Deutschmann 2008: 153). Hierbei ist das dominante Finanzierungsinstrument der Unternehmen die Aktie, anstatt des Kredits.
Die Ökonomie ist nicht von dem Verhältnis zwischen Banken und Unternehmen geprägt, sondern von der Institutionalisierung der globalen Finanzmärkte. Zu dieser Institutionalisierung gehört auch die Vernetzung der Finanzmärkte, welches durch schnellen und einfachen Kapitalverkehr gekennzeichnet ist. Zentrale Akteure im Finanzmarktkapitalismus werden Fonds genannt, hierbei insbesondere Pensions- und Investmentfonds (vgl. Windolf 2005: 23). Diese gehören neben den Versicherungen zu den Institutionellen Investoren. Dabei handelt es sich um Finanzintermediäre, die das gesammelte Kapital der Kunden verwalten und in dessen Auftrag anlegen.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den massiven Aufstieg von ETFs als zentrales Phänomen des modernen Finanzmarktkapitalismus und stellt die Forschungsfragen bezüglich ihrer Auswirkung auf Unternehmen.
2. Theoretischer Ansatz und Forschungsperspektive: Dieses Kapitel verortet das Thema im wissenschaftlichen Kontext des Finanzmarktkapitalismus und führt theoretische Konzepte wie „Exit, Voice and Loyalty“ sowie „Patient Capital“ ein.
3. Untersuchungsdesign: Hier wird der methodische Ansatz der Arbeit dargelegt, der sowohl eine qualitative Expertenbefragung als auch eine quantitative Datenanalyse der ETF-Beteiligungen kombiniert.
4. Exchange Traded Products und Fonds im Überblick: Dieses Kapitel definiert ETFs als Assetklasse, erläutert ihren technischen Aufbau und grenzt sie von klassischen aktiven Investmentfonds ab.
5. Marktumfeld & Branchenbetrachtung: Die Analyse der Marktkonzentration zeigt das enorme Wachstum der Fondsbranche und identifiziert BlackRock und Vanguard als dominierende Akteure mit signifikanten Beteiligungen an deutschen Unternehmen.
6. Einfluss der ETFs auf die Corporate Governance in Deutschland: Dieses zentrale Kapitel untersucht, wie sich die Beteiligungen und Abstimmungsleitlinien der großen Fonds auf die Governance-Strukturen und das Management deutscher Aktiengesellschaften auswirken.
7. Weitere Forschungsfragen: Der Autor identifiziert offene Punkte für künftige wissenschaftliche Untersuchungen, etwa zu den systemischen Risiken synthetischer ETFs und der Rolle der Stimmrechtsberater.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Hypothese zur langfristigen Orientierung der ETFs kritisch vor dem Hintergrund ihrer strukturellen Abhängigkeit von Indizes.
ETFs, Finanzmarktkapitalismus, Corporate Governance, Patient Capital, Shareholder Value, BlackRock, Vanguard, Stimmrechte, Asset Management, Exit-Voice-Loyalty, Finanzialisierung, Stimmrechtsberater, Kapitalanlagegesellschaften, Indexfonds, Unternehmensführung.
Die Arbeit analysiert, wie der wachsende Einfluss von ETFs und deren Betreiber die Unternehmenssteuerung und Machtverhältnisse in deutschen Aktiengesellschaften verändert.
Die Untersuchung deckt die Bereiche Finanzmarktkapitalismus, Corporate Governance, die Rolle institutioneller Investoren sowie die technische Funktionsweise von passiven Anlagestrategien ab.
Das Ziel ist es zu ergründen, ob ETFs als langfristig orientierte, stabilisierende Akteure (Patient Capital) wirken oder ob sie durch ihre passive Struktur neue Abhängigkeiten und Governance-Probleme schaffen.
Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der eine theoretische Literaturanalyse mit der empirischen Auswertung von Beteiligungsdaten aus dem Bloomberg-Terminal sowie eine qualitative Expertenbefragung kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Markt- und Branchenbetrachtung, eine detaillierte Untersuchung der Machtkonzentration bei den „Big Three“ sowie die Analyse von Corporate Governance Strukturen und Stimmrechtsausübungen.
Schlüsselbegriffe sind ETFs, Finanzmarktkapitalismus, Corporate Governance, Patient Capital, Asset Management und Stimmrechtsberater.
Es hilft zu erklären, wie Fonds auf Unternehmensprobleme reagieren, wenn sie aufgrund ihrer passiven Index-Nachbildung (die ein einfaches Verkaufen verhindert) auf "Voice" – also den Dialog oder Stimmrechtsausübung – angewiesen sind.
Während Vanguard einen standardisierten, universellen "One-size-fits-all"-Ansatz verfolgt, passt BlackRock seine Abstimmungsrichtlinien stärker an regionale Gegebenheiten und lokale Governance-Standards an.
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