Masterarbeit, 2018
107 Seiten, Note: 1,3
1. Demenzversorgung im Lebensumfeld Kommune
2. Ländliche Räume im demographischen Wandel
2.1 Kennzeichen und Strukturbesonderheiten ländlicher Räume
2.2 Fehlende Strukturen verstärken den bestehenden Versorgungsnotstand
2.3 Kommunen in der Pflicht zur Daseinsvorsorge
2.4 Nachhaltigkeit im Kontext sozialen Wandels
3. Tabuisierung und Stigmatisierung im Kontext dementieller Verläufe
3.1 Tabuisierung und Stigmatisierung von Krankheiten als gesellschaftliches Phänomen
3.2 Kennzeichen von Tabus
3.3 Entstehung von Stigmata
3.4 Merkmale eines Tabuisierungs- und Stigmatisierungsprozesses
3.5 Zielsetzung und Fragestellung
4. Stigmatisierungsprozesse haben gravierende Folgen
4.1 Auswirkungen auf die Betroffenen
4.2 Folgen des spillover-stigma auf die pflegenden Bezugspersonen
4.3 Public stigma – Die Einstellungen der Gesellschaft zu Demenz
5. Methodisches Vorgehen
5.1 Systematische Literaturrecherche in den Bezugswissenschaften
5.2 Review zur internationalen Studienlage von Stigmatisierungsvorgängen
5.3 Datenextraktion
5.4 Auswertung von Sekundärdaten zur aktuellen Versorgungssituation in der BRD
6. Situation in Deutschland im Spiegel aktueller Studien
6.1 Reporte liefern Sekundärdaten zum Versorgungsgeschehen
6.1.1 Situation der Betroffenen
6.1.2 Angehörige als Stütze häuslicher Demenzversorgung
6.1.3 Einstellungen der Bevölkerung zur Demenz-Ergebnisse der Studie des ZQP
6.2 Gesellschaftliche Auswirkungen aus ökonomischer Perspektive
6.3 Auswirkungen auf die Kommunen
6.3.1 Regionale Daseinsvorsorge gewinnt an Bedeutung
6.3.2 Leben mit Demenz 2030 – ein Blick in die Zukunft durch das Projekt Sze-Dem
6.3.2.1 Szenarien lassen Entwicklungen erkennen
6.3.2.2 Ökonomische Auswirkungen in Kommunen
7. Empfehlungen zum Umgang mit Stigmatisierung
7.1 WHO- Positionspapier thematisiert Stigmatisierung im Alter
7.2 Esslinger Aufruf an kommunale Akteure und die Gesellschaft
7.3 Indikatoren und Messgrößen zur Abbildung wichtiger Kennzahlen im Zusammenhang mit Stigmatisierung
7.4 Evidente Wissenschaft als Handlungsgrundlage professioneller Akteure
7.5 Erfassung pflegeversorgungsrelevanter Merkmale zur Planung des Versorgungsprozesses
8. Ergebnisse ergeben hohen Diskussionsbedarf
9. Die Studienlage erfordert dringendes Handeln der Kreise und Kommunen, die umso dringlicher in den ländlichen Regionen des Landes
Diese Arbeit analysiert die Tabuisierung und Stigmatisierung von Demenz im Kontext der kommunalen Gesundheitsversorgung in ländlichen Räumen, um Handlungsspielräume für eine sozial nachhaltige Versorgungsplanung zu identifizieren.
3.1 Tabuisierung und Stigmatisierung von Krankheiten als gesellschaftliches Phänomen
Viele Krankheiten unterliegen im gesellschaftlichen Kontext einer Tabuisierung und Stigmatisierung. Erkrankungen wie Depressionen, Psychosen, seelische Krisen, aber auch Krisen, die mit dem Identitätsgefühl oder Tod und Sterben einhergehen, unterliegen auch in der heutigen modernen Gesellschaft noch immer solchen Einflüssen (vgl. WHO 2002, Tiemann 2013:4). Während durch die Hospiz- und Palliativbewegung bereits große Erfolge der Enttabuisierung beim Thema Sterben in der Gesellschaft zu verzeichnen sind, scheint gerade bei Demenz die Tabuisierungs- und Stigmatisierungswirkung sehr ausgeprägt (vgl. Klie 2017:25). Der Duden beschreibt zwei Bedeutungen des Wortes Tabu. Demnach ist ein Tabu aus Sicht der Völkerkunde eine Art Verbot, bestimmte Handlungen auszuführen, besonders geheiligte Personen oder Gegenstände zu berühren, anzublicken, zu nennen, bestimmte Speisen zu genießen. Es hat in dieser Bedeutung eine Schutzfunktion, um Gefahren abzuwehren.
In der heutigen modernen Gesellschaft beschreibt dazu ein ungeschriebenes Gesetz, das aufgrund bestimmter Anschauungen innerhalb einer Gesellschaft verbietet, bestimmte Dinge zu tun (vgl. Duden 1996:727).
Diese Definition soll Grundlage für die Ableitung der Thesis sein und grundlegend für weitere Argumentationen gelten.
1. Demenzversorgung im Lebensumfeld Kommune: Dieses Kapitel erläutert die wachsende Bedeutung der kommunalen Verantwortung für demenzfreundliche Lebensumgebungen angesichts der demographischen Entwicklung.
2. Ländliche Räume im demographischen Wandel: Es wird die besondere Situation ländlicher Kommunen beleuchtet, die durch Versorgungsrisiken und den gesetzlichen Auftrag zur Daseinsvorsorge geprägt ist.
3. Tabuisierung und Stigmatisierung im Kontext dementieller Verläufe: Das Kapitel definiert zentrale Begriffe und untersucht die Mechanismen, die zu gesellschaftlicher Ausgrenzung bei Demenz führen.
4. Stigmatisierungsprozesse haben gravierende Folgen: Hier werden die Auswirkungen auf Betroffene, pflegende Angehörige (spillover-stigma) und die Rolle der gesellschaftlichen Einstellungen analysiert.
5. Methodisches Vorgehen: Das Kapitel beschreibt den qualitativen Forschungsansatz, die systematische Literaturrecherche und die Auswertung von Sekundärdaten.
6. Situation in Deutschland im Spiegel aktueller Studien: Eine Analyse aktueller Reporte zur Versorgungssituation und den ökonomischen Herausforderungen in deutschen Kommunen.
7. Empfehlungen zum Umgang mit Stigmatisierung: Das Kapitel leitet strategische Empfehlungen für kommunale Akteure ab, basierend auf internationalen Positionspapieren.
8. Ergebnisse ergeben hohen Diskussionsbedarf: Eine abschließende Reflektion der erarbeiteten Stigmatisierungsprozesse und deren Steuerbarkeit.
9. Die Studienlage erfordert dringendes Handeln der Kreise und Kommunen, die umso dringlicher in den ländlichen Regionen des Landes: Ein dringlicher Appell für proaktives, sozial nachhaltiges Handeln auf kommunaler Ebene.
Demenz, Stigmatisierung, Tabuisierung, kommunale Gesundheitsversorgung, ländlicher Raum, Daseinsvorsorge, soziale Nachhaltigkeit, pflegende Angehörige, Demenzstrategie, Versorgungsplanung, Diskriminierung, soziale Teilhabe, Gesundheitsmanagement.
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen Tabuisierung, Stigmatisierung und der häuslichen Versorgungssituation von Menschen mit Demenz, insbesondere in ländlichen kommunalen Strukturen.
Die zentralen Felder sind die Herausforderungen im demographischen Wandel, die Auswirkungen von Stigmata auf Betroffene und Angehörige sowie die strategische Steuerungsfunktion von Kommunen.
Das Ziel ist es, Ansatzpunkte für Kommunen zu identifizieren, um durch gezielte Steuerung Enttabuisierungsprozesse einzuleiten und die gesellschaftliche Akzeptanz zu erhöhen.
Es handelt sich um eine explorative, qualitative Studie, die auf einer systematischen Literaturrecherche und der Auswertung aktueller Sekundärdaten zur Versorgungssituation in Deutschland basiert.
Der Hauptteil analysiert Stigmatisierungsprozesse, deren Folgen für die Versorgungsketten sowie ökonomische Aspekte und politische Handlungsoptionen auf lokaler Ebene.
Schlüsselbegriffe wie "soziale Nachhaltigkeit", "strukturelle Diskriminierung", "kommunale Steuerung" und "Daseinsvorsorge" stehen im Fokus.
Die Arbeit verdeutlicht, dass Angehörige massiv durch das sogenannte "spillover-stigma" belastet sind, was zu einer Überlastung führt und die Versorgungssituation insgesamt prekär macht.
Ländliche Räume sind durch Abwanderung junger Menschen, geringe Beschäftigungsdichte und den Mangel an Infrastruktur besonders anfällig für eine schleichende Unterversorgung.
Die Arbeit zeigt, dass durch eine proaktive kommunale Strategie, den Einbezug der Zivilgesellschaft und eine positive mediale Berichterstattung stigmatisierende Muster wirkungsvoll unterbrochen werden können.
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