Examensarbeit, 2005
145 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Das Orchesterlied um 1900
3 Einflüsse auf Schönberg durch Strauss und Mahler
3.1 Richard Strauss
3.1.1 Das Verhältnis Schönberg – Strauss
3.1.2 Die Orchesterlieder Richard Strauss'
3.2 Gustav Mahler
3.2.1 Das Verhältnis Schönberg – Mahler
3.2.2 Die Orchesterlieder Gustav Mahlers
3.3 Mahler – Strauss
3.3.1 Das Verhältnis Mahler – Strauss
3.3.2 Gegenüberstellung des Orchesterliedschaffens Mahlers und Strauss'
4 Arnold Schönberg
4.1 Schönbergs Orchesterlieder op. 8
4.2 Vergleichende Analysen
4.2.1 Natur op. 8 Nr. 1
4.2.2 Das Wappenschild op. 8 Nr. 2
4.2.3 Nie ward ich, Herrin, müd' op. 8 Nr. 4
4.2.4 Voll jener Süße op. 8 Nr. 5
4.2.5 Wenn Vöglein klagen op. 8 Nr. 6
4.2.6 Sehnsucht op. 8 Nr. 3
4.3 Zusammenfassung
5 Ausblick – Die weitere Entwicklung des Orchesterliedes
6 Schlussbetrachtung
7 Literaturverzeichnis
Die vorliegende Arbeit untersucht Arnold Schönbergs Sechs Orchesterlieder op. 8 vor dem Hintergrund seiner biographischen und musikalischen Umorientierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ziel ist es, die ästhetische Wandlung des Komponisten von einer anfänglichen Bewunderung für Richard Strauss hin zu einer tiefen künstlerischen Verbundenheit mit Gustav Mahler anhand der Orchesterlieder nachzuzeichnen und zu analysieren.
3.1.1 Das Verhältnis Schönberg – Strauss
Zwischen den Persönlichkeiten Arnold Schönberg, dem „junge[n] Musiker aus der Anonymität des Wiener Kleinbürgertums“ und Richard Strauss, dem „erfolgsgewohnten, souverän sich gebenden bayrischen Großbürger“36, bestand ein großer biographischer Gegensatz. Strauss kam aus einer reichen, anerkannten Musikerfamilie. Sein Vater Franz Joseph war erster Hornist an der Münchener Hofoper und Professor an der Königlichen Akademie; seine Mutter Josephine stammte aus einer vermögenden Bauernfamilie. Das musikalische Talent Richards wurde früh durch Unterricht in verschiedenen Instrumenten gefördert und fundiert ausgebildet. Er begann mit sechs Jahren zu komponieren und konnte seine Stücke auch erfolgreich aufführen.37
Schönbergs Jugend unterschied sich davon im großen Maße. Er war zehn Jahre jünger als Strauss und kam zunächst aus mittelständigem Haus. Der Vater Samuel war ein Kaufmann aus Preßburg. Der Unterschied zu Strauss' familiärer Herkunft zeigt sich deutlich in Schönbergs Aufsatz Rückblick von 1949: „Aber im Gegensatz zu vielen Familien, die Wunderkinder hervorbrachten, fand sich in der meinigen kein Musik-Enthusiast, der sich für mich verwendet hätte. [...] [D]ie Zeichen von musikalischem Talent, die bei mir erschienen, [wurden] nicht ernstlich beachtet.“38
1 Einleitung: Einführung in die Fragestellung und den biographischen Kontext von Schönbergs Wandlung zwischen den Einflussbereichen von Richard Strauss und Gustav Mahler.
2 Das Orchesterlied um 1900: Untersuchung der gattungsspezifischen Herausforderungen des Orchesterliedes im Fin de siècle, insbesondere das Spannungsfeld zwischen Intimität und Monumentalität.
3 Einflüsse auf Schönberg durch Strauss und Mahler: Detaillierte Analyse des Verhältnisses zu beiden Komponisten sowie ihrer jeweiligen liedästhetischen Konzepte.
4 Arnold Schönberg: Umfangreiches Kapitel zur Entstehungsgeschichte von op. 8, gefolgt von tiefgehenden analytischen Betrachtungen der einzelnen Lieder im Kontext der Vorbilder.
5 Ausblick – Die weitere Entwicklung des Orchesterliedes: Reflexion über die Nachwirkung von op. 8 auf die Komponisten der Zweiten Wiener Schule und die weitere Gattungsgeschichte.
6 Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse hinsichtlich der Bedeutung von op. 8 für Schönbergs Weg vom Strauss-Bewunderer zum Mahler-Anhänger.
Arnold Schönberg, Richard Strauss, Gustav Mahler, Orchesterlied, op. 8, Gattungsgeschichte, Fin de siècle, Musikästhetik, Liedanalyse, Kompositionsstil, Saulus, Paulus, Zweite Wiener Schule, musikalische Umorientierung.
Die Arbeit analysiert, wie sich Arnold Schönbergs kompositorische Haltung zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter dem wechselnden Einfluss seiner Mentoren Richard Strauss und Gustav Mahler veränderte.
Untersucht werden die Sechs Orchesterlieder op. 8 von Arnold Schönberg, die zwischen 1903 und 1905 entstanden sind.
Es soll geklärt werden, ob und wie Schönbergs persönliche Umkehr – von ihm selbst als Wandlung vom "Saulus" zum "Paulus" bezeichnet – in seinen Kompositionen und in der spezifischen Gestaltung seiner Orchesterlieder fassbar wird.
Die Arbeit nutzt musikwissenschaftliche Analysen der Lieder, ergänzt durch biographische Quellen, Briefwechsel und Schönbergs eigene Schriften, um die musikalischen Einflüsse nachzuvollziehen.
Die Frage lautet, ob sich die Wandlung Schönbergs von Strauss zu Mahler in der Faktur und Konzeption der Lieder op. 8 widerspiegelt und wie diese Stücke das Orchesterlied als Gattung beeinflusst haben.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Gattung Orchesterlied, eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Vorbildern Strauss und Mahler sowie eine umfassende musikalische Analyse der sechs Lieder von op. 8.
Dieser aus der Forschung stammende Begriff bezeichnet ein ästhetisches Paradigma der Jahrhundertwende, bei dem die Singstimme und das Orchester zu einer neuen, kammermusikalisch durchhörbaren Einheit verschmelzen.
Schönberg nutzte dieses biblische Bild selbst, um zu verdeutlichen, dass er Mahlers Musik anfänglich als banal ablehnte, bevor er dessen Qualität erkannte und zu seinem glühenden Anhänger wurde.
Die Instrumentierung in op. 8 ist von Lied zu Lied sehr verschieden und spiegelt Schönbergs "Studien" wider, in denen er verschiedene Verfahrensweisen von der Strauss'schen Monumentalität bis zur Mahler'schen kammermusikalischen Differenzierung ausprobierte.
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