Diplomarbeit, 2002
82 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung
3. Geschichte der Aussiedler
3.1 Russland wendet sich nach Westen
3.1.1 Die zweite Aussiedlerwelle erreicht den Osten
3.1.2 Russifizierungspolitik unter Alexander II.
3.2 Leben in den Kolonien
3.3 Verdrängung der Deutschen und der Erste Weltkrieg
3.3.1 Zwischen den Kriegen
3.3.2 Auswirkungen der Machtübernahme der NSDAP auf die Russlanddeutschen
3.3.3 Zwischen den Fronten im Zweiten Weltkrieg
3.4 Normalisierung der Lage in der Nachkriegszeit
3.5 Autonomie und Ausreisebewegungen
3.6 Glasnost und Perestroika
3.6.1 Die Gesellschaft „Wiedergeburt“
4. Rechtliche Grundlagen für eine Integration
4.1 Das Zuwanderungsgesetz – kurzer geschichtlicher Abriss
4.2 Der Aufnahmeprozess
4.2.1 Wie wird die deutsche Volkszugehörigkeit bestimmt?
4.2.2 Sprachtest
4.3 Das Aufnahme- und Registrierverfahren
4.3.1 Was geschieht nach der Ankunft in Friedland?
4.4 Kritiken an den gesetzlichen Regelungen
4.5 Eingliederungshilfen
4.5.1 Eingliederungshilfen für jugendliche Aussiedler
5. Zuwanderung und Integration in der Bundesrepublik Deutschland
5.1 Zuwanderungsentwicklungen
5.2 Das Deutschlandbild
5.3 Aussiedlungsmotive
5.3.1 „Als Deutscher unter Deutschen leben“
5.3.2. Wunsch nach Familienzusammenführung
5.3.3. Hoffnung auf ein besseres Leben
5.3.4 Aussiedlungsmotive der Jugendlichen?
5.4 Die Aussiedlungserfahrungen
5.4.1 Die Ausreiseerfahrungen von Jugendlichen
6. Sozialraum Weißwasser
6.1 Brennpunkt Weißwasser Süd
6.2 Ansätze zur Integration in Weißwasser
7. Russlanddeutsche Jugendliche im bundesdeutschen Alltag
7.1 Die Sprache
7.2 Familie und Erziehung
7.3 Schule und Ausbildung
7.4 Die nationale Identität
7.5 Kirchliches Leben
7.6 Soziale Beziehungen und Freizeitgestaltung
7.7 Das Phänomen der Abschottung
7.8 Gewalt und Drogen
8. Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht die Lebenssituation von jugendlichen Spätaussiedlern in Deutschland am Beispiel der Stadt Weißwasser. Ziel ist es, Hintergründe, Integrationsprobleme und soziale Herausforderungen dieser spezifischen Bevölkerungsgruppe aufzuzeigen, um Ansätze zur Unterstützung im Alltag zu formulieren.
3.1.2 Russifizierungspolitik unter Alexander II.
Der Nachfolger von Alexander I., Alexander II. (1855 – 1881) führte umfangreiche Reformen ein. Im Jahre 1871 nahm er die alten Vorrechte der deutschen Ansiedler zurück. Dies geschah aus mehreren Gründen. Zum einen hatten sich die deutschen Kolonien aufgrund der Privilegien erfolgreich entwickelt, zum anderen hatten sich aber alarmierende Unterschiede zwischen der Produktivität der deutschen Siedler und der russischen Bevölkerung aufgetan. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert hatten die Deutschen bereits 3.000 Kolonien im gesamten Gebiet Russlands gegründet. Die berufliche und soziale Differenz zwischen Einheimischen und Neusiedlern nahm zu.
Das zog natürlich Spannungen nach sich. Um diesen Ungleichheiten entgegenzusteuern, hob Alexander II. unter anderem die Sonderstellung der Kolonien auf und unterstellte sie der allgemeinen Staatsverwaltung; 1874 wurden die Deutschen zum Militärdienst verpflichtet. Diese deutschfeindliche Stimmung veranlasste wiederum einen großen Teil der Siedler dazu auszuwandern.
Das Klima und die Stimmung gegen die Deutschen verstärkten sich mit einer Denkrichtung – die der Slawophilen – die in der Besiedlung der russischen Gebiete durch Deutsche eine Gefahr der Germanisierung sahen. Sie befürchteten eine Behinderung der von ihnen angestrebten Russifizierung (vgl. Eisfeld 2000, S. 19) und forderten eine Verdrängung der deutschen Bauern. So verursachte das Fremdengesetz von 1887 eine große Auswanderungswelle nach Übersee. Diese Entwicklung wurde durch die Russifizierung des in den Kolonien bestehenden Schulwesens weiter bestärkt.
1. Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, der Motivation und der angewandten Untersuchungsmethode (narrative Interviews).
2. Begriffsbestimmung: Definition der unterschiedlichen Migrantengruppen wie Vertriebene, Flüchtlinge und Spätaussiedler.
3. Geschichte der Aussiedler: Detaillierte Betrachtung der Ansiedlung und Lebensumstände der deutschen Minderheiten in Russland von Iwan III. bis zum Ende der Sowjetunion.
4. Rechtliche Grundlagen für eine Integration: Erläuterung der Gesetzesgrundlagen, des Aufnahmeverfahrens und der Eingliederungshilfen.
5. Zuwanderung und Integration in der Bundesrepublik Deutschland: Analyse der Zuwanderungsentwicklungen nach 1991 und der verschiedenen Ausreisemotive.
6. Sozialraum Weißwasser: Porträt der Stadt Weißwasser als sozialer Brennpunkt und Darstellung lokaler Integrationsansätze.
7. Russlanddeutsche Jugendliche im bundesdeutschen Alltag: Untersuchung der Lebensbereiche von Jugendlichen, inklusive Sprache, Identität und sozialen Problemen wie Gewalt.
8. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse und Fazit zur Situation der Aussiedlerjugendlichen in Weißwasser.
Spätaussiedler, Russlanddeutsche, Integration, Weißwasser, Sozialraum, Jugendhilfe, Identität, Zuwanderung, Migration, Diskriminierung, Integrationsarbeit, Gewaltbereitschaft, Kultur, Sprachförderung.
Die Arbeit analysiert die Lebenssituation von russlanddeutschen Jugendlichen in der Stadt Weißwasser, ihre Integrationshürden und die Herausforderungen, mit denen sie im Alltag konfrontiert sind.
Schwerpunkte sind die Geschichte der Aussiedler, die rechtlichen Voraussetzungen ihrer Aufnahme, die Beweggründe für die Ausreise sowie ihre Integration in Bezug auf Schule, Familie, Sprache und gesellschaftliche Teilhabe.
Das Ziel ist es, die spezifischen Integrationsprobleme dieser Jugendlichen zu verstehen und aufzuzeigen, wie sie sich in einem sozialen Brennpunkt wie Weißwasser behaupten.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung sowie auf praktischen Erkenntnissen durch Gespräche mit Sozialarbeitern und die Auswertung narrativer Interviews mit Jugendlichen.
Im Hauptteil werden sowohl die geschichtlichen Hintergründe der Russlanddeutschen als auch die aktuelle Integrationssituation vor Ort, insbesondere die Probleme in den Bereichen Identität, Schule, Sprache und Gewalt, detailliert behandelt.
Schlüsselbegriffe sind Spätaussiedler, Integration, Bikulturalität, Sozialraum Weißwasser und Identitätsentwicklung.
Die Familie fungiert als wichtigster emotionaler Bezugspunkt und Schutzraum in einem für die Jugendlichen oftmals fremden und als abweisend empfundenen neuen Umfeld.
Sie differenzieren zwischen grundloser Gewalt und dem Verteidigen ihrer Ehre. Während sie Gewalt oft als Mittel zur Konfliktlösung sehen, lehnen sie illegale Drogen in den Interviews weitgehend ab.
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