Examensarbeit, 2006
72 Seiten, Note: 2,0
Einleitung
Teil 1 Thomas Mann und die Umbrüche um 1919
Kapitel 1: Kriegspropaganda
Kapitel 2: Betrachtungen eines Unpolitischen
2.1 Entstehung Besonderheiten und Überblick über die Betrachtungen eines Unpolitischen
2.1.1 Entstehung, Aufbau und Besonderheiten
2.1.2 Überblick
2.2 Ästhetik und Politik
2.3 Der Bruderkrieg
Kapitel 3: Thomas Mann und die Revolution von 1918/19
Kapitel 4: Thomas Mann und die Juden
Kapitel 5: Zusammenfassung Teil 1
Teil 2 Thomas Mann und die Umbrüche um 1945
Kapitel 1: Propaganda
Kapitel 2: Eine politische Theorie um 1945?
Kapitel 3: Im Exil
3.1 Sonderrolle im Exil
3.2 Thomas Mann und die Auseinandersetzung mit der „Inneren Emigration“
3.3 Verhältnis zu den USA
Kapitel 4: Juden
Kapitel 5: 1+1=1
5.1. Gutes und böses Deutschland?
5.2. Vorstellungen für ein Nachkriegsdeutschland
5.3. BRD und DDR
Kapitel 6: Zusammenfassung Teil 2
Teil 3 Veränderungen und Konstanten
Kapitel 1: Zivilisation und Kultur
Kapitel 2: Nation und Patriotismus
Kapitel 3: Kunst und Politik
Kapitel 4: Politikbegriff und Politikzugang
Kapitel 5: Einordnung der politischen Äußerungen Thomas Manns
Fazit
Die Arbeit untersucht das politische Denken von Thomas Mann an zwei historischen Fixpunkten, 1918/19 und 1945, um sowohl Kontinuitäten als auch fundamentale Brüche in seinem Verhältnis zur Politik, zum deutschen Vaterland und zur Demokratie aufzuzeigen.
Kapitel 3: Thomas Mann und die Revolution von 1918/19
Im Herbst 1918 war die Niederlage des Kaiserreichs im Ersten Weltkrieg abzusehen. Zwar fanden die Kriegshandlungen noch nicht in Deutschland statt, doch mit dem Zusammenbruch von Bulgarien, Österreich-Ungarn, der Türkei und der fortlaufenden Offensive der Alliierten war ein Ende des Krieges abzusehen auch unter dem Eindruck, dass seit 1917 Stimmen in Deutschland laut wurden, die nach einem Verständigungsfrieden riefen. Thomas Mann unterstützt den Reichskanzler Prinz Max von Baden in seiner politischen Haltung und bezeichnet „die Hetze der Demokratie gegen ihn [als] abscheulich.“ Manns Hoffung beruhten auf einem gerechten und fairen Frieden, da unmäßige Forderungen der Alliierten nach Reparationen oder Gebietsabtretungen wohl in einem neuen Krieg wieder geklärt werden würden, wie er ganz nüchtern am 15.10.1918 in seinem Tagebuch darlegt.
Im November beschleunigten sich die Ereignisse. Nachdem auch die Heeresleitung offen einen Friedensschluss fordert, kommt es in Bayern am 8.11. zur Revolution. Mann nimmt die Vorgänge nicht direkt selbst wahr, sondern mehr durch Hörensagen, durch Bekannte und Familie. Auch hier überwiegt im Tagebuch eine eher sachlich distanzierte Schilderung der Geschehnisse, wenn auch mit einer Bewertung. „München, wie Bayern regiert von jüdischen Literaten“, schreibt er und die Zustände seien schlimmer als in einer Militärdiktatur. Am folgenden Tag kapituliert Deutschland und in Berlin ruft Scheidemann die Republik aus und die Reichsführung wird ganz offiziell an die Sozialdemokratie übergeben, während Willhelm ins holländische Exil fährt. Die Revolution, wenn man sie so nennen kann, verläuft in München ruhig. Thomas Mann fühlt sich in seiner Existenz anscheinend nicht bedroht und geht seinen alltäglichen Geschäften nach. Die Revolution ist für ihn nichts Gefährdendes, er hofft auf einen reinigenden Effekt der politischen Atmosphäre durch dieselbige.
Kapitel 1: Kriegspropaganda: Untersuchung der anfänglichen Kriegsbegeisterung Manns und der Nutzung des Essays als Propagandainstrument während des Ersten Weltkriegs.
Kapitel 2: Betrachtungen eines Unpolitischen: Analyse von Thomas Manns umfangreichem Essay als persönliches Kampfwerk mit sich selbst und der europäischen politischen Lage um 1919.
Kapitel 3: Thomas Mann und die Revolution von 1918/19: Beleuchtung von Manns distanzierter Haltung zur Novemberrevolution und seinem langsamen politischen Lernprozess.
Kapitel 4: Thomas Mann und die Juden: Untersuchung der jüdisch-deutschen Thematik in Manns Denken unter Berücksichtigung von Assimilation und dem Aufkommen des Nationalsozialismus.
Kapitel 5: Zusammenfassung Teil 1: Resümee über Manns Rolle als politisch interessierter, aber nicht aktiv publizierender Künstler in der frühen Weimarer Zeit.
Kapitel 1: Propaganda: Analyse von Manns Radioreden für die BBC im Zweiten Weltkrieg als Dienst an der Humanität gegen den Faschismus.
Kapitel 2: Eine politische Theorie um 1945?: Untersuchung neuer politischer Denkschulen in Manns Werk, die weg von der Ästhetik hin zu klassisch politischen Konzepten führen.
Kapitel 3: Im Exil: Darstellung der schwierigen Situation des Exilanten und der Distanzierung von anderen Emigranten.
Kapitel 4: Juden: Vertiefung der Auseinandersetzung mit der Judenvernichtung und dem Zusammenbruch des deutschen Bürgertums als moralische Instanz.
Kapitel 5: 1+1=1: Analyse von Manns Ringen um ein moralisches Verhältnis zu den zwei "Deutschlands" und die Vision für ein Nachkriegsdeutschland.
Kapitel 6: Zusammenfassung Teil 2: Zusammenfassung der intensiven politischen Aktivität Manns um 1945.
Kapitel 1: Zivilisation und Kultur: Gegenüberstellung der begrifflichen Veränderung und Synthese von Kultur und Zivilisation zwischen 1919 und 1945.
Kapitel 2: Nation und Patriotismus: Untersuchung der Entwicklung vom national geprägten Weltbild hin zur Lösung der Nation von der Kunst.
Kapitel 3: Kunst und Politik: Analyse der ironischen Trennung versus notwendigen Verbindung von Kunst und Politik in Thomas Manns Schaffen.
Kapitel 4: Politikbegriff und Politikzugang: Resümee über Manns privat-geistigen Zugang zur Politik, der trotz Wandels eine ständige persönliche Auseinandersetzung blieb.
Kapitel 5: Einordnung der politischen Äußerungen Thomas Manns: Einordnender Schlussgedanke über die Rolle Manns als politischer Künstler und die bleibende Ambivalenz seines Werks.
Thomas Mann, Politik, Ästhetik, Kriegspropaganda, Betrachtungen eines Unpolitischen, Revolution 1918/19, Nationalsozialismus, Exil, Deutsche Hörer!, Judenfrage, Kultur, Zivilisation, Demokratie, Patriotismus, Humanität
Die Arbeit untersucht das politische Denken von Thomas Mann an zwei entscheidenden historischen Wegmarken – um 1919 und um 1945 – und analysiert, wie er sein Rollenverständnis als Dichter und politischer Zeitgenosse über die Jahrzehnte hinweg verändert hat.
Im Zentrum stehen das Verhältnis von Kultur und Zivilisation, die Rolle des Autors als politischer Akteur, die Auseinandersetzung mit Deutschland im Exil sowie die moralische Bewertung von politischen Systemen wie Demokratie, Sozialismus und Faschismus.
Ziel ist es, Kontinuitäten und Veränderungen in Manns politischem Denken aufzuzeigen und ein fundiertes Bild von ihm als politischem Künstler zu gewinnen, das über die gängige, oft plakative Einordnung als "unpolitischer" oder "später Republikaner" hinausgeht.
Die Untersuchung erfolgt primär durch eine historisch-analytische Auseinandersetzung mit Thomas Manns Essays, Tagebüchern und Rundfunkreden. Dabei werden Schlüsselbegriffe wie „Nation“, „Kultur“ oder „Bürgerlichkeit“ als Variablen genutzt, um Manns Weltsicht zu rekonstruieren.
Der Hauptteil ist chronologisch gegliedert: Teil 1 analysiert die Zeit um 1919 (Kriegsbegeisterung, Revolution), Teil 2 die Zeit um 1945 (Exil, Propaganda, Nachkriegsordnung) und Teil 3 eine vergleichende Analyse von Veränderungen und Konstanten anhand zentraler Schlagworte.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem "ästhetischer Politikbegriff", "Exil", "deutsche Identität", "Humanität", "Kultur" sowie "politische Selbstfindung".
Der Autor zeigt Thomas Mann als zwiespältige Figur: Einerseits als moralische Instanz und Hoffnungsträger, andererseits als einen Künstler, der sich schwer mit der Realpolitik tat und dessen Engagement für die USA und gegen das NS-Regime durch eine gewisse Distanz geprägt blieb.
Manns "Sozialismus" wird in der Arbeit nicht als klassisch-politisches Parteiprogramm gedeutet, sondern als humanistisch geprägtes Konzept, das primär der Sicherung von Frieden und menschlicher Freiheit dient und ein Gegenmodell zum als inhuman empfundenen Nationalsozialismus darstellt.
Der Autor stellt fest, dass Manns öffentliche Bekenntnisse – etwa zur Weimarer Republik oder zur Bundesrepublik – oft erst mit zeitlicher Verzögerung zu den tatsächlichen politischen Umbrüchen erfolgten, da er sich zunächst intensiv und zögerlich mit der Lage auseinandersetzen musste.
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