Examensarbeit, 1990
140 Seiten, Note: 1,8
1. Einleitung
2. Der Problemkreis der Theodizee in der gegenwärtigen Diskussion
2.1. Der Begriff Theodizee als neuzeitliche Wortprägung
2.2. Thesenhafter Überblick
2.2.1 These 1: Die Verneinung bzw. die Nichtigkeit des Bösen
2.2.2 These 2: Gut und Böse als voneinander unabhängige Urprinzipien
2.2.3. These 3: Gott will das Böse, schafft es oder lässt es zu
2.2.4 These 4: Die Ursache des Bösen liegt in Gott selbst
2.2.5 These 5: Das Böse entsteht durch Abfall geistiger Wesen von Gott
2.2.6 These 6: Das Böse erscheint infolge der Unvollkommenheit der Schöpfung (Natur und Materie)
2.2.7 These 7: Das Böse kommt vor allem oder allein durch den Menschen
2.3 Zusammenfassung und kritische Würdigung
3. Schellings philosophische Entwicklung - ein skizzenhafter Überblick
3.1 Der Begriff des Bösen in der frühen Schaffensperiode
3.2 Der Begriff des Bösen in der Naturphilosophie
3.3 Der Begriff des Bösen in dem System des transzendentalen Idealismus
3.4 Das Problem des Bösen in der Epoche der Identitätsphilosophie
3.5 Zusammenfassung
3.6 Ergebnis
4. Versuch einer Interpretation der Freiheitsschrift
4.1 Einleitung
4.2 Formale Gliederung der Schrift
4.3 Der Problemkreis der Freiheit
4.3.1 Die Umgrenzung des Freiheitsbegriffs
4.3.2 Die Einfügung des Begriffs in ein System
4.3.3 Die Pantheismusfrage als Frage nach der Systembildung
4.3.4 Das Problem einer Einordnung des Bösen in das System des Pantheismus
4.3.5 Der Problemkreis des Bösen
4.3.6 Der Gottesbegriff als Grundlage einer Möglichkeit des Bösen (7,357-7,373)
4.3.7 Indifferenz als Seinsweise des Urgrundes
4.3.8 Die Scheidung von Grund und Existenz, als Dialektik des Seins
4.3.9 Die Möglichkeit des Bösen
4.3.10 Die allgemeine Wirklichkeit des Bösen
4.3.11 Schellings Lösungsversuch des Theodizeeproblems
4.3.12 Abschließende Beurteilung
4.4 Kritische Betrachtung
5. Der Problemkreis des Bösen und der Freiheit in der Spätphilosophie Schellings
5.1 Allgemeiner Charakter der Philosophie der Mythologie und Offenbarung
5.2 Der Mythosbegriff bei Schelling
5.3 Monotheismus als Grundlage des Polytheismus
5.4 Die Entwicklung des religiösen Bewusstseins
5.5 Die Stellung Gottes zur Schöpfung
5.6 Gott als absolutes Sein
5.7 Die Schöpfung als Verwirklichung Gottes
5.8 Der Trinitarische Gottesbegriff
5.9 Der Sündenfall in Schellings Spätphilosophie
5.10 Besprechung des Sündenfalltheorems
5.11 Die Auswirkung des Sündenfalls auf den Sohn
5.12 Der Problemkreis des Bösen in der Spätphilosophie
5.13 Etymologie des Begriffs 'Satan'
5.14 'Satan' als allgemeiner Begriff
5.16 Die Wirklichkeit des Bösen
5.17 Satans Verhältnis zum Vater als dialektisches Prinzip
5.18 Satans Verhältnis zum Sohn als Widersacher
5.19 Satan, als Versucher, in seinem Verhältnis zum idealen Menschen
5.20 Satan als böse Macht, in seinem Verhältnis zum einzelnen Menschen
5.21 Die Sünde als verkehrte Verselbständigung
5.22 Das Gute als Bindung an Gottes Willen
6. Schellings Lösungsversuch des Theodizeeproblems als abschließende Betrachtung der Philosophie der Mythologie und Offenbarung
6.1 Die Notwendigkeit des Falls für die Gottheit
6.2 Die Notwendigkeit des Falls für den Menschen
6.3 Mögliche Lösung des Theodizeeproblems bei Schelling
6.4 Abschließende kritische Fragen an Schelling
6.5 Das Problem des Leidens bei Schelling
6.6 Die Idee des leidenden Gottes
7. Zum Religionsbegriff Schellings
7.1 Zum Gottesbegriff Schellings
7.2 Zur Frage nach der 'wahren' und 'unwahren Wiedergeburt'
8. Abschließende Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht die philosophische Problematik der Theodizee, insbesondere im Kontext von Friedrich Wilhelm Joseph Schellings Denken, und fragt danach, wie das Böse in ein philosophisches System integriert werden kann, ohne die Vorstellung Gottes als gütiges und allmächtiges Wesen vollständig aufzugeben. Der Autor analysiert hierbei kritisch, inwieweit klassische Lösungsstrategien und insbesondere Schellings Ansätze zur Freiheit und zum Bösen tragfähig sind oder ob sie letztlich zur Depotenzierung Gottes führen.
1. Einleitung
Schwerlich ist Johann Baptist Metz zu widersprechen, wenn er in seinem Vortrag ausführt, dass nach Auschwitz das Theodizee-Problem inhaltlich nicht mehr von dem Gedanken geleitet werden kann, Gott angesichts des Übels in der Welt rechtfertigen zu wollen, sondern dass es "... viel mehr - und zwar ausschließlich - um die Frage geht, wie denn überhaupt von Gott zu reden sei angesichts der abgründigen Leidensgeschichte der Welt, 'seiner Welt'" (Metz: Theologie als Theodizee, S. 104). Bei dieser radikalisierten Form der Theodizeefrage fällt besonders deutlich auf, dass bei der Suche nach Rechtfertigungs- und Entlastungsstrategien eines geglaubten Gottes wenigstens implizit die Frage nach seinem Sein oder Nichtsein immer schon mitschwingt. Gemeint ist hier nicht die metaphysische Bedeutung von Sein oder Nichtsein, sondern der schlichte Glaube an Gottes Dasein angesichts des Leidens.
Nun geht es Metz nicht darum, die Existenz Gottes anzuzweifeln; im Gegenteil, seine 'Gottesrede' ist nicht die eines Skeptikers, sondern die eines Gläubigen, der nach Auschwitz nach einer neuen Form der 'Gottesrede' sucht. Diese neue Form kennzeichnet er mit dem Titel der "Mystik des Leidens an Gott" (Metz: a.a.O., S. 114) und bezieht sich darin auf die Gebetstraditionen Israels. Doch dieses sei hier nur am Rande bemerkt, soll aber später ausführlicher diskutiert werden.
Jeder Lösungsversuch der Theodizeefrage, so könnte man zunächst als Hypothese festhalten, muss in eine Depotenzierung Gottes einmünden, will man auch nur annähernd am tradierten Gottesbegriff festhalten. Keine Lösungstrategie der Theodizeefrage ist daher geeignet, die historisch wie gegenwärtig geglaubten Attribute Gottes aufrechtzuerhalten, ohne in einen extremen Widerspruch zu geraten.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die radikalisierte Fragestellung des Theodizee-Problems nach Auschwitz und skizziert die wissenschaftliche Zielsetzung der Arbeit.
2. Der Problemkreis der Theodizee in der gegenwärtigen Diskussion: Dieses Kapitel liefert einen systematischen Überblick über historische und moderne Theodizee-Strategien in Form von sieben Thesen.
3. Schellings philosophische Entwicklung - ein skizzenhafter Überblick: Hier wird die Entwicklung des Bösen-Begriffs in den verschiedenen Epochen von Schellings Philosophie dargestellt, um eine Grundlage für die Analyse der Freiheitsschrift zu bilden.
4. Versuch einer Interpretation der Freiheitsschrift: Dieses Kapitel interpretiert Schellings Freiheitsschrift von 1809, wobei der Fokus auf dem Zusammenhang zwischen Freiheit und dem Ursprung des Bösen liegt.
5. Der Problemkreis des Bösen und der Freiheit in der Spätphilosophie Schellings: Eine Analyse der Spätphilosophie Schellings unter besonderer Berücksichtigung der Philosophie der Mythologie und Offenbarung.
6. Schellings Lösungsversuch des Theodizeeproblems als abschließende Betrachtung der Philosophie der Mythologie und Offenbarung: Eine kritische Evaluierung, ob Schellings System tatsächlich eine befriedigende Lösung des Theodizee-Problems bietet.
7. Zum Religionsbegriff Schellings: Dieses Kapitel reflektiert Schellings Verständnis von Religion im Kontext seines Systems und diskutiert die Konsequenzen für eine Philosophie des Christentums.
8. Abschließende Zusammenfassung: Abschließende Synthese der gewonnenen Erkenntnisse über die Entwicklung des Bösen-Begriffs bei Schelling und die Grenzen seiner Philosophie.
Theodizee, Böses, Freiheit, Schelling, Philosophie der Offenbarung, Gott, Schöpfung, Sündenfall, Trinität, Leid, Identitätsphilosophie, System, Anthropodizee, Religion, Transzendentalphilosophie.
Die Arbeit untersucht die philosophische Auseinandersetzung mit dem Bösen und dem Leid (Theodizee-Problem) bei Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, um zu klären, ob und wie diese Themen in sein System der Freiheit integriert werden können.
Zentrale Themen sind die menschliche Freiheit, der Ursprung des Bösen, der Gottesbegriff (besonders in der Spätphilosophie), die Schöpfungstheorie und die Frage nach der Rechtfertigung Gottes angesichts des Leidens in der Welt.
Die Forschungsfrage ist, ob ein philosophisches System, das sowohl menschliche Freiheit als auch Gottes Allmacht und Güte wahren will, das Phänomen des Bösen logisch konsistent begründen kann, ohne Gott von der Mitverantwortung zu entlasten.
Der Autor wendet eine interpretative, phänomenologische und systematisch-kritische Methode an, um die Entwicklung von Schellings Denken über seine verschiedenen Schaffensperioden hinweg nachzuzeichnen.
Der Hauptteil analysiert die Frühschriften, die Freiheitsschrift sowie die Spätphilosophie (Philosophie der Mythologie und Offenbarung) Schellings und unterzieht diese einer kritischen Beurteilung hinsichtlich ihrer theologischen und philosophischen Tragfähigkeit.
Die Arbeit ist maßgeblich geprägt durch Begriffe wie Theodizee, Freiheit, das Böse, Gottesbegriff, Sündenfall und Schellingsche Philosophie.
Schelling definiert das Böse als eine "positive Verkehrtheit" oder "Umkehrung der Prinzipien", bei der der Mensch seine Eigenwilligkeit über den göttlichen Willen stellt, womit das Böse einen ontologischen Charakter erhält.
Für den Autor ist das "ungeschuldete Leiden" der eigentliche Lackmustest jeder Theodizee; er kritisiert, dass Schelling dieses Problem in seinem System der Freiheit oft ausblendet oder durch das Erbsündentheorem moralisiert, was eine befriedigende Antwort erschwert.
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