Bachelorarbeit, 2019
52 Seiten, Note: 1,0
1. Von Bismarck bis Riester
2. Systemtheoretische Grundlagen
2.1 Grundlagen des Umlageverfahrens
2.2 Grundlagen des Kapitaldeckungsverfahrens
2.3 Mackenroth-Diese
2.4 Wesentliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Verfahren
3. Herausforderungen des Kapitaldeckungsverfahrens
3.1 Niedrigzinspolitik der Zentralbanken
3.2 Regulatorische Eingriffe
3.2.1 Zinszusatzreserve
3.2.2 Solvency II
4. Umlageverfahren im demographischen Wandel
5. Momentane Situation in Deutschland
5.1 Gestaltung der Rentenversicherung seit 2001
5.2 Duales System der Krankenversicherung
6. Chancen und Risiken des Kapitaldeckungsverfahrens in der Niedrigzinspolitik
6.1 Rendite im Fokus
6.2 Reaktion der Versicherer - Anlagepolitik und Produktgestaltung
6.2.1 Abbau von Garantien
6.2.2 Ausbau von Fonds und Aktien
6.3 Sensibilität für Kapitalanlage und Altersvorsorge
6.3.1 Kapitalanlage
6.3.2 Altersvorsorge
7. Schweden als Vorbild?
8. Fazit und abschließende Bewertung
Diese Arbeit analysiert die Herausforderungen, Chancen und Risiken des Kapitaldeckungsverfahrens im Vergleich zum Umlageverfahren, insbesondere unter dem Einfluss des aktuellen Niedrigzinsumfelds und regulatorischer Anforderungen wie Solvency II und der Zinszusatzreserve.
3.1 Niedrigzinspolitik der Zentralbanken
„Within our mandate, the ECB [European Central Bank] is ready to do whatever it takes to preserve the Euro. And believe me, it will be enough“, sagte EZB-Präsident Mario Draghi im Juli 2012 auf der Global Investment Conference in London. Mit diesen Worten bekräftigte Draghi den geldpolitischen Kurs der Europäischen Zentralbank, die den Leitzins bereits nach der Finanzkrise im Jahr 2008 schrittweise senkte. Seit März 2016 liegt dieser bei null Prozent (siehe Anhang 1).
Die insbesondere in Deutschland umstrittene Geldpolitik der EZB soll durch günstige Kredite die Konjunktur beleben und die Wirtschaft stärken. Wirtschaftspolitische Zielkonflikte und nationale Strukturprobleme konnten allerdings nicht wie erhofft gelöst werden. Jedoch sehen sich Millionen von Sparern in Europa und der Welt mit Umverteilungseffekten und Wohlfahrtseinbußen konfrontiert, die aus dem extrem niedrigen Zinsniveau resultieren. Berechnungen zufolge gehen alleine den deutschen Sparern durch die repressive Niedrigzinspolitik der EZB jährlich etwa 70 Milliarden Euro an Zinserträgen verloren.
1 Von Bismarck bis Riester: Diese Einleitung skizziert die historische Entwicklung des deutschen Sozialversicherungssystems von den Anfängen unter Bismarck bis zur Einführung der Riester-Rente im Jahr 2001.
2 Systemtheoretische Grundlagen: Das Kapitel erläutert die theoretischen Unterschiede zwischen dem Umlage- und dem Kapitaldeckungsverfahren sowie die Mackenroth-These als Basis für die aktuelle Rentendebatte.
3 Herausforderungen des Kapitaldeckungsverfahrens: Hier werden die negativen Auswirkungen der Niedrigzinspolitik der EZB sowie regulatorische Eingriffe wie die Zinszusatzreserve und Solvency II auf die Finanzbranche analysiert.
4 Umlageverfahren im demographischen Wandel: Dieses Kapitel thematisiert die Belastungsgrenzen des umlagefinanzierten Rentensystems durch den Anstieg des Altenquotienten und die zunehmende Lebenserwartung.
5 Momentane Situation in Deutschland: Es erfolgt eine Bestandsaufnahme der deutschen Renten- und Krankenversicherung unter Berücksichtigung jüngster Reformen wie der doppelten Haltelinie.
6 Chancen und Risiken des Kapitaldeckungsverfahrens in der Niedrigzinspolitik: Der Schwerpunkt liegt auf den Anpassungsstrategien der Versicherer bei der Anlagepolitik und der veränderten Sensibilität der Anleger gegenüber Aktien und Fonds.
7 Schweden als Vorbild?: Das Kapitel vergleicht das deutsche System mit dem schwedischen Mehrsäulenmodell, wobei insbesondere die Zentralisierung und die obligatorische Prämienrente hervorgehoben werden.
8 Fazit und abschließende Bewertung: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung beider Systeme und plädiert für ein diversifiziertes Mischsystem zur Absicherung im Alter.
Kapitaldeckungsverfahren, Umlageverfahren, Niedrigzinspolitik, EZB, Altersvorsorge, Riester-Rente, Solvency II, Zinszusatzreserve, demographischer Wandel, Rentenversicherung, Rendite, Versicherer, Kapitalanlage, Aktien, Generationenvertrag
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und dem Vergleich des Umlage- und des Kapitaldeckungsverfahrens zur Finanzierung sozialer Sicherungssysteme in Deutschland.
Die zentralen Felder sind die Auswirkungen der Niedrigzinspolitik, der demographische Wandel, regulatorische Anforderungen an Versicherer sowie die Gestaltung der privaten und betrieblichen Altersvorsorge.
Das Ziel ist es, die Chancen und Risiken kapitalgedeckter Finanzierungsmodelle im aktuellen Umfeld anhaltend niedriger Zinsen objektiv gegenüberzustellen.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse der Finanzierungsverfahren sowie einer empirischen Betrachtung der aktuellen Situation in Deutschland im Vergleich zu internationalen Modellen wie in Schweden.
Im Hauptteil werden die ökonomischen Herausforderungen durch die Geldpolitik, regulatorische Eingriffe wie Solvency II sowie die Reaktion der Versicherungsbranche auf das Niedrigzinsumfeld detailliert erörtert.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Kapitaldeckungsverfahren, Niedrigzinspolitik, Rentenversicherung, Altersvorsorge und Risikodiversifikation geprägt.
Sie zwingt Versicherer dazu, hohe Beträge in ihre Reserven einzustellen, um garantierte Leistungen für Verträge mit hohen Zinszusagen in Zeiten niedriger Marktzinsen sicherzustellen, was ihre Bilanzen belastet.
Im Gegensatz zum deutschen, dezentralen und freiwilligen Riester-System setzt Schweden auf ein zentralisiertes, obligatorisches Prämienrenten-Modell mit geringeren Kosten und höherer Transparenz.
Aufgrund der entgangenen Erträge durch die Niedrigzinspolitik bei klassischen Rentenpapieren sind Aktien und Fonds für Versicherer und Anleger notwendig geworden, um langfristig angemessene Renditen zu erzielen.
Sie dient Verfechtern der Umlagefinanzierung als Argument, dass jeder Sozialaufwand immer aus dem laufenden Volkseinkommen gedeckt werden muss, und wird in der Arbeit kritisch hinterfragt.
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