Bachelorarbeit, 2018
51 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Abgrenzung
1.2 Fragestellung und Ziel der Arbeit
1.3 Vorgehensweise
2 Begriffsklärungen und Erläuterungen
2.1 Reformen
2.2 Renten und Staatsbürokratie
2.3 Extraktive Institutionen
2.4 Das Strukturanpassungsprogramm des IWF
2.5 Der Pariser Club
3 Die Instrumentalisierung staatlicher Interventionen
3.1 Liberalisierung vs. Demokratisierung
3.2 Staatseingriffe in den Finanzsektor
3.3 Politische Einflussnahme über den Unternehmenssektor
4 Politische Reformen und wirtschaftliche Situation Ägyptens seit 1952
4.1 1952 bis 1970 - Revolution und Sozialismus unter Gamal Nasser
4.2 1970 bis 1981 - Liberalisierung und Kapitalismus unter Anwar as-Sadat
4.3 1981 bis 2011 - Phase der extremen Liberalisierung und Oligarchie unter Hosni Mubarak
4.4 Das Strukturanpassungsprogramm des IWF und die Schuldenkrise der 1990er Jahre
5 Der arabische Frühling – Auslöser und Ursachen der ägyptischen Revolte
5.1 Auslöser und Ablauf der Revolte im Jahr 2011
5.2 Demographische Entwicklungen in Ägypten
5.3 Studie des Weltwirtschaftsforums: Strukturelle Probleme belasten Ägyptens Wirtschaft
6 Post-Mubarak Ära – eine unvollendete Revolution
6.1 2012 bis 2013 - Realpolitik der Muslimbruderschaft unter Mohammed Mursi
6.2 Seit 2013 – Erweiterung der Militärwirtschaft unter Abd al-Fattah as-Sisi
7 Wirtschaftliche Entwicklung
7.1 Analyse der wichtigsten Indikatoren seit 1990
7.2 Wichtige Faktoren für die Entwicklung der jeweiligen Indikatoren
8 Eine Analyse - Ägypten 7 Jahre nach dem Arabischen Frühling
9 Fazit
Ziel der Arbeit ist die Untersuchung, warum in Ägypten trotz zahlreicher Reformprogramme und struktureller Anpassungsmaßnahmen armutserzeugende Verhältnisse bestehen bleiben. Es soll analysiert werden, warum fiskalpolitische Ansätze allein nicht ausreichen, um grundlegende strukturelle Probleme zu lösen, und welche Rolle staatliche Machtstrukturen sowie der Einfluss des Militärs auf die Wirtschaft spielen.
4.1 1952 bis 1970 - Revolution und Sozialismus unter Gamal Nasser
Ägypten wurde seit 1882 von britischen Truppen besetzt und erklärte seine politische Unabhängigkeit offiziell im Jahr 1922. Trotz der Unabhängigkeitserklärung standen weiterhin britische Truppen am Suezkanal. Dem König Faruk (Thronbesitz: 1939-1952) und der mit ihm herrschenden Elite, warf die Bevölkerung Korruption und Verschwendung vor. Vor dem Hintergrund der Niederlage des arabisch-israelischen Kriegs im Jahr 1949, welche die Bevölkerung der politischen Führung anlastete, erfasste die Regierung eine Legitimationskrise, die schließlich auch das Parlament sowie die Parteien betraf.
Überbevölkerung, Arbeitslosigkeit, Massenarmut und die extrem ungleiche Verteilung führten zu sozialen Spannungen, die sich immer häufiger in Streiks, Demonstrationen und Gewaltakten entluden. Nur eine kleine und privilegierte Oberschicht war demnach im Besitz jeglicher Güter. Demgegenüber wurde der Arbeiterschicht und der verarmten Mehrheit der Zugang zu sämtlichen Privilegien, wie etwa Bildungseinrichtungen, nicht gewährt. Am 26. Januar 1952 setzten Demonstranten ausländische Einrichtungen in Kairo in Brand und die, in den folgenden Monaten einander in rascher Folge ablösenden Regierungen, waren nicht imstande die Krise zu bewältigen. Daraufhin übernahm am 23. Juli 1952 eine Gruppe junger Offiziere mit einem unblutigen Staatsstreich die Macht und verabschiedeten den König ins Exil. Das Ziel der jungen Offiziere, einen machtvollen arabischen Nationalismus zu verwirklichen, erforderte ihrerseits den Sturz der Monarchie. Gamal Abdel Nasser wurde im Jahr 1956 zum Staatspräsidenten gewählt. Das klare Ziel Nassers war nach der erfolgreichen politischen Revolution, die mit dem Putsch vollbracht wurde, war eine „soziale Revolution“. Er begann diese mit einer umfassenden Agrarreform, mit der die Offiziere bereits 1952 begonnen hatten, bei der tausende Acker konfisziert und an kleine Landwirte verteilt wurden.
1 Einleitung: Einführung in die Problematik der wirtschaftlichen Lage Ägyptens und Darlegung des Forschungsziels.
2 Begriffsklärungen und Erläuterungen: Definition theoretischer Konzepte wie Reformen, Renten, Rentierstaaten und extraktive Institutionen sowie Erläuterung von IWF-Strukturanpassungsprogrammen.
3 Die Instrumentalisierung staatlicher Interventionen: Analyse, wie autoritäre Regime wirtschaftliche Instrumente zur Herrschaftssicherung und politischen Kontrolle einsetzen.
4 Politische Reformen und wirtschaftliche Situation Ägyptens seit 1952: Historische Aufarbeitung der wirtschaftlichen Entwicklung Ägyptens von der Revolution unter Nasser bis zu den Auswirkungen des Strukturanpassungsprogramms in der Mubarak-Ära.
5 Der arabische Frühling – Auslöser und Ursachen der ägyptischen Revolte: Untersuchung der sozioökonomischen Gründe und demografischen Faktoren, die zum Aufstand im Jahr 2011 führten.
6 Post-Mubarak Ära – eine unvollendete Revolution: Betrachtung der politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen unter der Muslimbruderschaft und der anschließenden Militärregierung unter as-Sisi.
7 Wirtschaftliche Entwicklung: Analyse der makroökonomischen Indikatoren seit 1990 und deren Einflussfaktoren.
8 Eine Analyse - Ägypten 7 Jahre nach dem Arabischen Frühling: Bewertung der politischen und wirtschaftlichen Bilanz sieben Jahre nach den Umbrüchen.
9 Fazit: Zusammenfassende Einschätzung des ägyptischen Reformprozesses im Spannungsfeld zwischen ökonomischer Liberalisierung und autoritärer Herrschaftssicherung.
Ägypten, Wirtschaftsreformen, Strukturanpassung, IWF, Militärwirtschaft, Rentierstaat, Arabischer Frühling, Hosni Mubarak, Demokratisierung, Liberalisierung, extraktive Institutionen, soziale Gerechtigkeit, Staatsbürokratie, politische Stabilität, Korruption
Die Bachelorarbeit untersucht die Entwicklung der ägyptischen Reformprogramme seit 1952 und analysiert, warum trotz wirtschaftspolitischer Maßnahmen strukturelle Probleme wie Armut und soziale Ungleichheit fortbestehen.
Die Arbeit behandelt die Zusammenhänge zwischen Wirtschaftspolitik, staatlicher Machtausübung, der Rolle von Renten sowie den Einfluss internationaler Finanzinstitutionen auf die ägyptische Volkswirtschaft.
Ziel ist es zu ergründen, warum rein fiskalpolitische oder marktorientierte Reformen in Ägypten bisher nicht zu einer nachhaltigen Verbesserung der Lebensverhältnisse der Bevölkerung geführt haben.
Die Arbeit stützt sich auf eine politikwissenschaftliche und ökonomische Analyse unter Verwendung von Studien, Umfragen, Indikatoren internationaler Organisationen sowie einer Untersuchung historischer Regierungsphasen seit 1952.
Im Hauptteil werden die historischen Phasen von der Revolution unter Nasser über die Ära Mubarak bis zur Militärführung unter as-Sisi detailliert analysiert, sowie die Instrumentalisierung des Staates für ökonomische Interessen beleuchtet.
Wichtige Begriffe sind Ägypten, Strukturanpassungsprogramm, Rentierstaat, Militärwirtschaft, extraktive Institutionen und soziale Ungerechtigkeit.
Das Militär kontrolliert Schätzungen zufolge einen bedeutenden Teil der ägyptischen Wirtschaft (ca. 40%) und nutzt Privilegien, Steuervorteile sowie die Vergabe öffentlicher Aufträge zur Absicherung seiner wirtschaftlichen Machtbasis.
Der Regimewechsel nach 2011 führte laut der Analyse nicht zu einem strukturellen Wandel, da die politischen Eliten weiterhin Eigeninteressen verfolgten und keine gesamtwohlfahrtssteigernden Maßnahmen umsetzten.
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