Magisterarbeit, 2005
149 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1.Sprachliche Höflichkeit: eine Annäherung
1.1.1.Höflichkeit als positive Beziehungsgestaltung
1.1.2.Höflichkeit als Konfliktvermeidung
1.1.3.Normen, Wertstrukturen und interkulturelle Differenzen
1.2.Methode, Gegenstand und Zielsetzung der vorliegenden Arbeit
2.Theoretische Grundlagen
2.1.Grundlagen der Höflichkeitsforschung
2.1.1.Die Sprechakttheorie
2.1.2.Grice und das Kooperationsprinzip
2.1.3.Goffmans soziologische Betrachtungen
2.2.Die klassischen Höflichkeitsmodelle
2.2.1.Lakoff
2.2.2.Leech
2.2.3.Brown & Levinson
2.2.3.1.Der ‘face’ Begriff bei Brown & Levinson
2.2.3.2.‚Negative’ und ‚positive politeness’
2.2.3.3.Das Konzept der ‚face threatening acts’ (FTA)
2.2.3.4.Sprachliche Strategien zur Reduzierung des Konfliktpotentials
2.2.3.5.Kalkulation des Konfliktpotentials
2.2.3.6.Kritische Betrachtung
2.3.Interkulturelle Ansätze
2.3.1.Sprechakte interkulturell
2.3.2.‚Face’ und ‚face-work’ interkulturell
2.3.2.1.Gruppenorientierte ‚face’-Bedürfnisse
2.3.2.2.Soziale Nähe
2.3.2.3.Betonung von Gegenseitigkeit und Interdependenz
2.3.2.4.Herzlichkeit und Emotionalität
2.3.3.Höflichkeit, Soziale Harmonie und Konfliktvermeidung
2.3.4.Zusammenfassung und Ausblick
3.Auswertung der Antworten
3.1. Schwerpunkte der Analyse
3.1.1.‚Negative politeness’ vs. ‚positive politeness’
3.1.2.Struktur- und Handlungsebene
3.1.3.Einbettung
3.1.4.Interne Modalisierung
3.1.5.Analyse des Direktheitsgrades
3.1.6.Der Satzmodus
3.2.Direktheitsskala
3.2.1 Vergleich und Interpretation der Antworten
3.2.2. Perspektive: Vergleich und Interpretation
3.3.Strategien der ‚negative politeness’
3.3.1. Abschwächung auf der Struktur- und Handlungsebene
3.3.1.1.Vorbereitende Phase
3.3.1.2.Argumentation und Hauptsprechhandlung
3.3.1.3.Nachbereitende Phase
3.3.2. Interne Modalisierung: Minimalisierung
3.3.2.1. Herabsetzung der Verantwortung
3.3.2.3. Entaktualisierung
3.3.2.2.1.Das Modalverbsystem
3.3.2.2.2.Tempus- und Modusverschiebung
3.3.2.2.3.Einschränkung der Gültigkeit
3.3.2.2.3.Präsequenzen
3.3.2.2.4.Vergleich und Interpretation
3.3.2.3.Kostensenkende und modifizierende Handlungsdarstellung
3.4.Strategien der ‚positive politeness’
3.4.1. Maximalisierungstechniken
3.4.1.1.Temporale Angaben, Adverbien und Adjektive
3.4.1.2.Quantitative Adverbien und Gradpartikel Qualifizierung
3.4.1.3.Deontische Modalverben
3.4.1.4.Die Negation
3.4.1.5.Verpflichtung zur Gültigkeit der Äußerung
3.4.2.Verstärkung auf der Struktur- und Handlungsebene
3.4.2.1.Vorbereitende Phasen
3.4.2.2.Hauptsprechhandlung
3.4.2.3.Illokutionsindizierende Gesprächswörter
3.4.2.4.Argumentation
3.4.2.4.1.Notwendigkeit
3.4.2.4.2.Appell an das Gewissen
3.4.2.4.3.Wünsche und Pläne des Sprechers
3.4.2.4.5.Beziehungsdefinition
3.4.2.4.5.Vergleich und Interpretation der Antworten
3.4.3.Explizite Beziehungsgestaltung
3.4.3.1.Zuwendungsstrategien
3.4.3.1.1. Anredesystem
3.4.3.1.2. Nominale Anrede
3.4.3.1.3. Pronomina
3.4.3.2. Direkte Einbeziehung des Partners
3.4.3.2.1. Der Einsatz von ‚cajolern’
3.4.3.2.2. Der Einsatz von ‚appealern’
3.4.3.2.3. Evokation von geteiltem Wissen
3.4.3.2.4. Emotionalisierung
3.4.3.2.5. Vergleich und Interpretation der Ergebnisse
3.4.3.3. Beziehungsorientierte Nebensprechhandlungen
3.4.3.3.1. Entwaffnende Sprechhandlungen
3.4.3.3.2. Darlegung der beziehungsstärkenden Konsequenzen
3.4.3.4. Zusammenfassung und vergleichende Interpretation
4. Zusammenfassung, Interpretation und Ausblick
4.1. ‚Negative politeness’ oder ‚positive politeness’
4.2. Das ‚face’-Konzept
4.3. Die Sprechhandlung
4.4. Abschließende Bemerkungen
Die vorliegende Arbeit untersucht kontrastiv die sprachlichen Realisierungsformen von Bitten im Deutschen und Spanischen. Dabei wird analysiert, wie Sprecher in beiden Kulturen ihre Sprechhandlungen strategisch anpassen, um zwischen dem Bedürfnis nach effizienter Kommunikation und der Notwendigkeit zur Höflichkeit sowie Konfliktvermeidung zu balancieren.
1.1. Sprachliche Höflichkeit: eine Annäherung
Die linguistische Forschung hat zahlreiche Definitionsansätze hervorgebracht, die zwar in einzelnen Punkten stark konkurrieren, jedoch alle eine harmonische zwischenmenschliche Beziehung als übergeordnetes Ziel hervorheben. Dabei handelt es sich zum Einen um den Erhalt des sozialen Gleichgewichts und die Bemühung um freundliche Beziehungen, zum Anderen um die Vermeidung von Konfrontation und die Reduzierung von Konfliktpotential (vgl. Spencer-Oatey 2002: 87).
Was ist der Grund, weshalb ich mich neben einer fremden Person im Aufzug verpflichtet fühle, ein Gespräch über das Wetter anzufangen? Warum empfinde ich es als unhöflich, wenn mich eine bekannte Person nicht grüßt? Warum ist es so schwer, im Beisein anderer Personen still zu sein, obwohl man eigentlich nichts zu sagen hat?
Das liegt daran, dass der Aufbau und Erhalt zwischenmenschlicher Beziehungen primär über Sprache vollzogen wird. Wenn ich jemanden auf der Straße grüße, oder mich mit einem Bekannten auf einen kurzen ‚small talk’ einlasse, dann vermittle ich damit, dass mein Gegenüber „soziale und persönliche Wertschätzung“ (Raible 1987: 149) genießt. Menschen sind schließlich keine Computer, die nur Informationen prozessieren und dekodieren. Sie sind Teilnehmer an einem sozialen Geschehen und als ‚ens soziale’ (Raible 1987: 149) definieren sie sich immer auch in Bezug auf die Gemeinschaft, in der sie leben. Sie versuchen, durch ihr Verhalten dem universalen Bedürfnis nach sozialer Anerkennung und Akzeptanz gerecht zu werden. Diese Funktion von Höflichkeit fasst Lakoff (1973) in einer ihrer Maximen zusammen: Make A [= Alter] feel good! – Be friendly! Erst Höflichkeit als aktive Beziehungsgestaltung versichert uns der gegenseitigen Kooperationsbereitschaft und ermöglicht so eine erfolgreiche Kommunikation (vgl. Leech 1983).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die pragmatische Dimension der Höflichkeit ein und definiert das übergeordnete Ziel der Arbeit: die kontrastive Untersuchung der Bitte als Sprechhandlung im Deutschen und Spanischen.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel skizziert die wissenschaftlichen Fundamente, insbesondere die Sprechakttheorie sowie Modelle von Brown & Levinson und Goffman, auf denen die Analyse aufbaut.
3. Auswertung der Antworten: Dieser Hauptteil präsentiert die empirischen Ergebnisse der Befragung und untersucht detailliert die sprachlichen Strategien zur Realisierung von Bitten sowie deren kulturelle Einbettung.
4. Zusammenfassung, Interpretation und Ausblick: Das abschließende Kapitel synthetisiert die Ergebnisse und diskutiert die unterschiedlichen kulturellen Interpretationsschemata von Höflichkeit in Deutschland und Spanien.
Höflichkeit, Sprechhandlung, Bitte, kontrastive Pragmatik, Sprachvergleich, Konfliktvermeidung, Face-Work, soziale Distanz, interkulturelle Kommunikation, Sprechakttheorie, Modalisierung, Indirektheit, soziale Normen, Beziehungsgestaltung, Diskursanalyse.
Die Arbeit untersucht, wie Menschen in Deutschland und Spanien im Alltag höflich um einen Gefallen bitten und welche sprachlichen Strategien sie dabei anwenden.
Zentral sind die „Höflichkeitsforschung“, das „Face-Konzept“ (Gesichtswahrung) sowie die sprachliche Umsetzung von Bitten unter Berücksichtigung sozialer Faktoren wie Distanz und Macht.
Das Ziel ist es, einen kontrastiven Vergleich der deutschen und spanischen Sprache im Hinblick auf höfliche Sprachverwendung zu liefern und dabei kulturelle Unterschiede aufzudecken.
Die Autorin führt eine kontrastive Studie auf Basis von Fragebögen durch, in denen Muttersprachler aus Würzburg und Cádiz mit 8 verschiedenen Situationen konfrontiert wurden.
Der Hauptteil analysiert, wie durch verschiedene sprachliche Ebenen – etwa durch Modalisierung, Satzbau oder Anredeformen – das „Konfliktpotential“ einer Bitte abgemildert oder das „positive Gesicht“ des Partners gestärkt wird.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Höflichkeit, Sprechakttheorie, Face-Work, Indirektheit, soziale Distanz und interkulturelle Pragmatik.
Die Bitte wird als „gesichtsbedrohende Sprechhandlung“ eingestuft, da sie in die Handlungsfreiheit des Gegenübers eingreift und daher besonders feinfühlige sprachliche Beziehungsarbeit erfordert.
Spanische Teilnehmer tendieren zu direkteren Formulierungen und einer stärkeren Betonung der sozialen Nähe, während deutsche Teilnehmer häufiger indirekte Strategien zur Wahrung der individuellen Distanz einsetzen.
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