Bachelorarbeit, 2018
37 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Ankunft im zweiten Paradies
2.1. Das zweite Paradies als Erzählraum
2.1.1. Die Verortung des irdischen Paradieses zwischen Diesseits und Jenseits
2.1.2. Das zweite Paradies als irdisches Paradies
2.1.3. Die Burg der Walscheranden: Parallelen zum himmlischen Jerusalem
2.1.4. Das unbewohnte Paradies
2.1.5. Das zweite Paradies als heterogener Erzählraum
2.2. Positionierung des zweiten Paradieses innerhalb der „Reise“
2.2.1. Brandans Reise: Verwurzelung im Imram
2.2.2. Ein Paradies an den Rändern der mittelalterlichen Welt
2.2.3. Einordnung der Walscheranden innerhalb der Reise als Moment der Veränderung
3. Begegnung mit dem Fremden: Die neutralen Engel
3.1. Monster im Paradies
3.1.1. Die Hybridität der Walscheranden
3.1.2. Wundervölker im Rahmen des mittelalterlichen Weltbildes
3.1.3. Genealogische Erklärungsmodelle für die Existenz der Antipoden
3.1.4. Antipoden zwischen Mensch und Tier
3.1.5. Die Walscheranden als Geschöpfe Gottes
3.2. Die Walscheranden als Neutrale Engel
3.2.1. Was sind neutrale Engel?
3.2.2. Engel in der christlichen Vorstellungswelt
3.2.3. Die Wurzeln der neutralen Engel in der christlichen Vorstellungswelt
3.2.4. Die Rolle der neutralen Engel im himmlischen Krieg
3.2.5. Neutrale Engel in der mittelalterlichen Literatur
3.2.6. Neutrale Engel im Paradies bei Brandan
3.3. Die Walscheranden: Ein kriegerisches Volk
3.3.1. Engel als Bewacher des Garten Eden
3.3.2. Kampf mit Drachen, Gog und Magog
3.3.3. Neutrale Engel als Hüter des heiligen Gral
3.3.4. Im Kampf mit dem Unbekannten
4. Konklusion: Das Paradies als Lebensraum der neutralen Engel in der „Reise“
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht das Wesen und die Funktion der sogenannten „Walscheranden“ in der mittelalterlichen „Reisefassung“ der Brandanlegende. Das zentrale Forschungsziel ist es zu klären, warum diese hybriden, als neutrale Engel konzipierten Wesen in einem irdischen Paradies leben und welche Rolle ihre Positionierung für die Entwicklung des Protagonisten Brandan spielt.
3.1.1. Die Hybridität der Walscheranden
Die Bewohner des zweiten Paradieses zeigen sich, als die Reisenden bereits dabei sind, von der Insel aufzubrechen. Sie kommen gerade von einer Schlacht zurück und tragen deshalb Hornbögen als Waffen bei sich und machen insgesamt einen grimmigen Eindruck. Dabei sind sie reich gekleidet, aber Hybride, welche Attribute verschiedener Tiere aufweisen. Sie besitzen Schweinsköpfe, Kranichhälse, Hundebeine, Bärenhände, aber eine menschliche Brust, wie in der Reisefassung nachlesbar ist (Vv. 1249- 1253):
Köpfen wi e ein Schwein, Händen wi e Bären, Füßen wi e Hunden, Hälsen wi e Kraniche und einer Brust wi e von Men sehen: ir houbte waren als der swin, / ir hende berin und vuze hundin, / cranches helse, menschliche brüst. / sie hatten richtum nach irre lust: / sidin was ir gewete.
Mit dieser monströsen, äußeren Erscheinung stehen die Bewohner des zweiten Paradieses des Brandan in der Tradition der sogenannten Antipoden Diese Wundervölker mit außergewöhnlichen Eigenschaften und Erscheinungsformen, die an den Rändern der bekannten Welt in allen Himmelsrichtungen leben, gehen auf die Antike zurück und sind im Mittelalter weit verbreitet. Der Name Antipoden bezieht sich dabei eigentlich auf ein spezielles Wundervolk, dessen Füße falsch herum ausgerichtet sind, sodass die Fersen nach vorne zeigen. Die Bezeichnung hat sich jedoch im Lauf der Zeit für als Überbegriff für alle Wundervölker etabliert. Unter den Wundervölkern, die man am Rande der bekannten Welt vermutet, befinden sich auch Hybridwesen mit menschlichen und tierischen Attributen, wie die Walscheranden aus der Reisefassung des Brandan. Die Hybridität in der Reise nimmt dabei extreme Ausmaße an, da die Walscheranden neben menschlichen, Züge verschiedener Tiere aufweisen. Die verschiedenen Deformationen und Eigenschaften von Wundervölkern werden im Mittelalter in Form von Katalogen aufgelistet.
1. Einleitung: Einführung in die Brandanlegende, die Entstehung der Reisefassung und die wissenschaftliche Relevanz der Untersuchung neutraler Engel.
2. Ankunft im zweiten Paradies: Untersuchung der räumlichen und zeitlichen Verortung des Paradieses sowie der Bedeutung der Reise als literarisches Motiv.
3. Begegnung mit dem Fremden: Die neutralen Engel: Zentrale Analyse der Walscheranden hinsichtlich ihrer Hybridität, ihrer theologischen Einordnung als neutrale Engel und ihrer kriegerischen Rollen.
4. Konklusion: Das Paradies als Lebensraum der neutralen Engel in der „Reise“: Zusammenführung der Ergebnisse, die das Paradies als heterotopen Lebensraum und Spiegel für Brandans Glaubensprüfung bestätigen.
Brandanlegende, Reisefassung, neutrale Engel, Walscheranden, irdisches Paradies, Hybridität, Antipoden, Mittelalter, christliche Theologie, himmlischer Krieg, Glaubensprüfung, Erzählraum, Wunder, Monster, Exotik
Die Arbeit analysiert die Darstellung der „Walscheranden“ in der „Reisefassung“ der Brandanlegende und deren Rolle als neutrale Engel in einem irdischen Paradies.
Die Arbeit verbindet mittelalterliche Literaturwissenschaft mit theologischen Fragestellungen zur Engellehre, der Konzeption von Wundervölkern (Antipoden) und der Bedeutung von Glaubensprüfungen.
Das Ziel ist zu ergründen, warum die hybriden Walscheranden in einem irdischen Paradies leben und welche Funktion diese Begegnung für die Entwicklung des Protagonisten Brandan hat.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext (die Reisefassung) auf Basis theologischer Traditionen und zeitgenössischer Vorstellungen zum Mittelalter kontextualisiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des zweiten Paradieses als Erzählraum und die detaillierte Charakterisierung der Walscheranden als hybride Wesen und neutrale Engel.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Brandanlegende, neutrale Engel, Hybridität, irdisches Paradies und mittelalterliche Weltbilder definiert.
Im Gegensatz zu Dantes Engeln in der Vorhölle oder den Engeln bei Wolfram von Eschenbach sind die Walscheranden in der Brandanlegende als hybride, tierähnliche Wesen konzipiert, deren Schicksal im Jenseits unbestimmt bleibt.
Es fungiert als Ort der Begegnung mit dem Fremden, an dem Brandan lernen muss, seine Vorurteile und sein blindes Vertrauen in die eigene Wahrnehmung zu überwinden und stattdessen Gott zu vertrauen.
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