Magisterarbeit, 2002
109 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Der Holocaust und seine Darstellbarkeit: Von Adorno bis Tabori
2.1 Das Unsagbare sagen: Ein Darstellungsverbot und seine Folgen
2.1.1 Literatur und Holocaust
2.1.2 Drama und Holocaust
2.2 Das deutschsprachige Bewältigungsdrama ab1945
2.2.1 Melodramatik im Drama von 1945 bis 1960
2.2.2 Parabelstück und Dokumentarisches Theater im Drama der 60er Jahre
2.2.3 Das Ende der Bewältigung im Drama der 70er und 80er Jahre
2.3 George Tabori
2.3.1 Biographisches
2.3.2 Theaterarbeit
3. Groteske und Witz in George Taboris Holocaust-Dramen
3.1 Zur Theorie
3.1.1 Groteske
3.1.2 Witz
3.2 Die Stücke
3.2.1 Die Kannibalen
3.2.1.1 Handlung, Einordnung und Rezeption
3.2.1.2 Groteske
3.2.1.3 Witz
3.2.2 Jubiläum
3.2.2.1 Handlung, Einordnung und Rezeption
3.2.2.2 Groteske
3.2.2.3 Witz
3.2.3 Mein Kampf
3.2.3.1 Handlung, Einordnung und Rezeption
3.2.3.2 Groteske
3.2.3.3 Witz
4. Auswertung
4.1 Zusammenfassung Groteske
4.2 Zusammenfassung Witz
4.3 Schlusswort
Ziel dieser Arbeit ist es, anhand einer tiefergehenden Analyse der grotesken und komischen Elemente in drei ausgewählten Holocaust-Dramen von George Tabori (Die Kannibalen, Jubiläum, Mein Kampf) aufzuzeigen, wie diese Stilmittel als neue theatrale Formen für die Auseinandersetzung mit dem Holocaust genutzt werden, um eine tabubrüchige und therapeutische Form der Erinnerungsarbeit zu leisten.
3.2.1.1 Handlung, Einordnung und Rezeption
Die Grundsituation des Dramas erschließt sich aus der ersten, noch vor der Widmung und dem Personenregister abgedruckten Bemerkung:
„Dies ist die ungewöhnliche Geschichte einer Tischgesellschaft, mitgeteilt von den Nachgeborenen derer, die an dem Festmahl teilnahmen, sowie von den beiden Überlebenden, denen wir die Kenntnis der Fakten verdanken.“
Die Spielzeit ist demnach deutlich nach den hier zur Disposition stehenden Ereignissen im Vernichtungslager Auschwitz angesiedelt. Das für das folgende Stück charakteristische Springen zwischen unterschiedlichen Zeitebenen wird in der einleitenden Bemerkung ebenfalls vorweggenommen. Die „Nachgeborenen“ meint hier die Söhne der in Auschwitz ermordeten Väter, könnte sich aber auch auf deren Söhne, also die dritte Generation beziehen.
In diesem Bühnenbild wird die Lagersituation mit den Pritschen bereits angedeutet. Ansonsten ermöglichen der leere Raum und die wenigen Requisiten die gleichzeitige Darstellung mehrerer Spielplätze. Am Anfang des ersten Aktes betritt die Figur Onkel die Bühne und zieht sich weiße Handschuhe an. Onkel verweist in der Ebene der Väter auf Cornelius Tabori, George Taboris Vater, der in Auschwitz umgekommen ist, und in der Ebene der Söhne auf George Tabori selbst. Es kommen elf weitere Personen auf die Bühne.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Debatte um die fiktionale Darstellung des Holocausts und führt in das Werk von George Tabori als einen Autor ein, der mit Mitteln der Groteske und des Witzes einen neuen, tabubrüchigen Weg der Erinnerung beschreitet.
2. Der Holocaust und seine Darstellbarkeit: Von Adorno bis Tabori: Dieses Kapitel skizziert die theoretischen Debatten um das vermeintliche Darstellungsverbot nach Auschwitz und bettet Taboris Werk in die Geschichte des deutschsprachigen Bewältigungsdramas ein.
3. Groteske und Witz in George Taboris Holocaust-Dramen: Dieser Hauptteil analysiert die drei ausgewählten Dramen hinsichtlich ihrer grotesken und komischen Elemente sowie deren Funktion im Kontext von Vernichtung und Erinnerung.
4. Auswertung: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und verortet Taboris Theater als einen therapeutischen Ansatz, der sich bewusst vom Dokumentartheater abgrenzt und die Subjektivität der Erinnerung in den Vordergrund stellt.
Holocaust, George Tabori, Bewältigungsdrama, Groteske, Witz, Shoa, Theater der Peinlichkeit, Theater gegen das Vergessen, Kannibalismus, NS-Opfer, Erinnerungsarbeit, Psychoanalyse, Dokumentarisches Theater, Fiktionalisierung, Auschwitz.
Die Arbeit untersucht das theatrale Werk des Autors George Tabori, insbesondere seinen Umgang mit dem Holocaust in ausgewählten Dramen, unter Verwendung grotesker und komischer Stilmittel.
Zu den zentralen Themen gehören die theoretischen Debatten zur Darstellbarkeit des Holocausts, die Abgrenzung von klassischen Bewältigungsdramen und die Analyse von spezifischen ästhetischen Mitteln wie Groteske und Witz.
Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, dass Tabori durch den Einsatz von Groteske und Witz eine völlig neue, therapeutische Form der Auseinandersetzung mit dem Holocaust im deutschsprachigen Theater geschaffen hat.
Die Arbeit nutzt eine beschreibend-analytische Methode, um anhand von Textbeispielen die grotesken und komischen Elemente in den Dramen zu identifizieren und ihre Funktion im Sprechen über den Holocaust zu interpretieren.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse der Dramen "Die Kannibalen", "Jubiläum" und "Mein Kampf" hinsichtlich ihrer grotesken Gestaltung und ihres Einsatzes von Witz.
Die Arbeit lässt sich vor allem mit Begriffen wie Holocaust-Drama, Groteske, jüdischer Witz, Erinnerungsarbeit und Tabubruch charakterisieren.
Im Gegensatz zum Dokumentarischen Theater, das oft vorgibt, objektiv oder didaktisch zu sein, zielt Tabori auf eine subjektive, therapeutische Aufarbeitung und verzichtet auf den Anspruch, die Geschichte als bloße Faktenansammlung zu vermitteln.
Der Kannibalismus dient als zentrales groteskes Motiv, um das Schuldigwerden von Opfern in einer ausweglosen Extremsituation darzustellen und die moralische Integrität der Figuren in Frage zu stellen.
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