Bachelorarbeit, 2017
34 Seiten, Note: 1,3
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Einleitung
1. Die Transzendentale Dialektik
2. Ontologischer Status
2.1 Die Genese des Gottesbegriffs
2.2 Das Transzendentale Ideal
2.3 Die Gottesbeweise
3. Meinen, Wissen und Glauben
4. Die erkenntnistheoretische Funktion
4.1 Gott als regulatives Prinzip
4.2 Thöles Kritik
Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die erkenntnistheoretische Funktion des Gottesbegriffs in Immanuel Kants „Kritik der reinen Vernunft“ und analysiert, inwieweit dieser Begriff – trotz der Widerlegung der klassischen Gottesbeweise – eine notwendige Rolle im systematischen Aufbau menschlicher Erkenntnis spielt.
2.2 Das Transzendentale Ideal
Da es sich beim denknotwendigen Gottesbegriff um ein Produkt der Vernunft handelt, nennt Kant ihn in Abgrenzung von den reinen Verstandesbegriffen einen reinen Vernunftbegriff (vgl. B 368). Bei der Unterscheidung zwischen reinen Verstandes- und Vernunftbegriffen greift Kant auf die antike Tradition zurück, denn in Anlehnung an Aristoteles nennt er die reinen Verstandesbegriffe Kategorien und bedient sich bei der Charakterisierung der reinen Vernunftbegriffe – in bewusster Abgrenzung zu Aristoteles, den er als „Haupt der Empiristen“ (B 883) bzw. als Vorgänger von Locke und Hume ansieht – des platonischen Terminus’ der „Idee“ (B 370), um ihren übersinnlichen Charakter hervorzuheben.
Plato bediente sich des Ausdrucks Idee so, daß man wohl sieht, er habe darunter etwas verstanden, was nicht allein niemals von Sinnen entlehnt wird, sondern welches so gar die Begriffe des Verstandes, mit denen sich Aristoteles beschäftigte, weit übersteigt, indem in der Erfahrung niemals etwas damit Kongurierendes angetroffen wird. (B 370)
Dieser Rückgriff auf die Tradition ist in Anbetracht der kopernikanischen Wende jedoch mit einer Transformation verbunden: Sowohl die Kategorien als auch die Ideen sind in der kantischen Philosophie keine transzendenten (subjektunabhängigen) Entitäten mehr, sondern werden zu subjektimmanenten Funktionselementen des oberen Erkenntnisvermögens modifiziert, sodass ihr ehemals realistischer Status zugunsten eines transzendental-idealen aufgegeben wird. Folglich kann Kant „der mystischen Deduktion dieser Ideen, oder den Übertreibungen, dadurch er [Plato] sie gleichsam hypostasierte“ (B 372) nicht mehr folgen. Um den subtilen Bedeutungsunterschied seiner und Platons Ideenkonzeption deutlich zu machen, bedient sich Kant deshalb des Ausdrucks der „transzendentalen Ideen“ (B 378). Der Zusatz „transzendental“ soll verdeutlichen, dass es sich bei den Ideen um keine vom Subjekt unabhängig existierenden Entitäten handelt.
Einleitung: Die Einleitung verortet das Interesse an der Gottesfrage im Kontext der kantischen Philosophie und legt das Ziel fest, die positive, erkenntnistheoretische Funktion des Gottesbegriffs jenseits der negativen Kritik der Gottesbeweise zu bestimmen.
1. Die Transzendentale Dialektik: Dieses Kapitel erläutert, wie Kant die Vernunft als ein Vermögen beschreibt, das bei dem Streben nach dem Unbedingten zwangsläufig in transzendentalen Schein gerät und damit zur Erforschung der Ideen von Seele, Weltganzem und Gott führt.
2. Ontologischer Status: Es wird die Entstehung des Gottesbegriffs als Produkt der Vernunft untersucht, wobei die Unterscheidung zwischen Kategorien und transzendentalen Ideen sowie die Zurückweisung der klassischen Gottesbeweise im Vordergrund stehen.
3. Meinen, Wissen und Glauben: Hier wird die notwendige epistemologische Einordnung des Gottesbegriffs vorgenommen, wobei Kant dem Gottesglauben einen festen Platz im Bereich des moralisch-praktischen Gebrauchs der Vernunft zuweist.
4. Die erkenntnistheoretische Funktion: Das Hauptkapitel analysiert die positive Bedeutung Gottes als regulatives Prinzip, das eine systematische Einheit der Erfahrung ermöglicht, ohne dabei eine theoretische Erkenntnis der Existenz Gottes zu behaupten.
Fazit: Das Fazit resümiert, dass der Gottesbegriff für Kant kein Gegenstand des Wissens ist, sondern als unerreichbares Ideal und notwendiges Postulat für die systematische Einheit der Vernunft und für moralische Orientierung fungiert.
Kant, Kritik der reinen Vernunft, Gottesbegriff, Transzendentale Dialektik, Transzendentales Ideal, Regulative Prinzipien, Metaphysik, Erkenntnistheorie, Systematische Einheit, Vernunft, Verstand, Kategorien, Postulate, Erfahrung, Philosophie
Die Arbeit untersucht die philosophische Rolle des Gottesbegriffs innerhalb von Kants „Kritik der reinen Vernunft“ und analysiert dessen Funktion für das menschliche Erkenntnisvermögen.
Zentrale Felder sind die transzendentale Dialektik, die Unterscheidung zwischen theoretischem Wissen und praktischem Glauben sowie die Funktion regulativer Prinzipien für die systematische Einheit der Erfahrung.
Die Arbeit fragt danach, welche erkenntnistheoretische Bedeutung dem Gottesbegriff bei Kant zukommt, wenn man von der Widerlegung seiner theoretischen Beweisbarkeit absieht.
Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse, die auf Kants Primärtexte sowie eine fundierte Auswahl an Sekundärliteratur zurückgreift, um die systematische Funktion des Gottesbegriffs zu rekonstruieren.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des ontologischen Status des Gottesbegriffs, dessen Einordnung in das Wissens- und Glaubenssystem sowie die Analyse Gottes als regulatives Prinzip zur Erzielung systematischer Einheit.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Transzendentale Dialektik, regulative Prinzipien, Erkenntnistheorie, Metaphysik und systematische Einheit beschreiben.
Kant lehnt sie ab, weil die Vernunft den Bereich möglicher Erfahrung verlässt, wenn sie versucht, Gott als ein theoretisch erkennbares Objekt zu beweisen, was zu unauflösbaren Widersprüchen (transzendentaler Schein) führt.
Als regulatives Prinzip dient Gott als eine Art „Kompass“ oder Zielpunkt, der die Vernunft dazu anleitet, die Gesamtheit unserer Erfahrungen unter einer einheitlichen, systematischen Perspektive zu betrachten, ohne dass Gott damit als existierendes Objekt „bewiesen“ wird.
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