Bachelorarbeit, 2019
47 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Begriffserklärung
2.1. Räumlichkeit und performativer Raum
2.2. Inszenierung: Körperlichkeit, Licht, Wahrnehmung
3. Räumlichkeit im Heilig-Blut-Altar
3.1. Szenenaufbau und Darstellung des Altars
3.2. Performativer Raum und Bedeutung der Abendmahlszene
4. Rituelle Figureninszenierung im Altar
4.1. Formale Beschreibung der Holzfiguren
4.2. Christliche Motive und ihre Semiotik
4.3. Inszenierung der Holzfiguren im Abendmahl
5. Zusammenspiel der Räumlichkeit und der Inszenierung im Abendmahl
6. Fazit
Diese Bachelorarbeit untersucht die kunsthistorische und performative Dimension des Heilig-Blut-Altars in der Jakobskirche zu Rothenburg ob der Tauber. Die zentrale Fragestellung konzentriert sich darauf, wie Räumlichkeit und Inszenierung gezielt eingesetzt werden, um die Abendmahlszene als lebendiges, performatives Ereignis für den Betrachter erfahrbar zu machen und in einen theologischen Kontext zur Heilig-Blut-Reliquie zu setzen.
3.1. Szenenaufbau und Darstellung des Altars
Der Heilig-Blut-Altar wurde speziell für die Heilige Blutreliquie zwischen 1499 und 1501 angefertigt. Der Vertrag wurde zwischen dem Rothenburger Stadtrat und dem Schreiner Erhart Harschner sowie dem Bildschnitzer Tilman Riemenschneider über das Altargehäuse der Retabelarchitektur und skulpturelle Figurenausstattung abgeschlossen. Der Standort des Schnitzaltars, der über der geweihten Heilig-Blut-Kapelle gebaut war, befindet sich im hellen Westchor der Stadtpfarrkirche St. Jakob. Die Höhe des gesamten Retabels ist 970 cm und die dargestellten Corpusfiguren 116-134 cm hoch.
Die Darstellung des Heilig-Blut-Altars ist in viele Szenen gegliedert, die die Lebensgeschichte von Christus erzählen. Die vorgestellten Lebensgeschichten werden von links nach rechts und von unten nach oben gelesen. Die erste Altarszene befindet sich im linken Flügel und die Geschichte fängt mit dem Einzug Jesus in Jerusalem an. Im Vordergrund des Bildes wird der auf einem Esel sitzende Jesus dargestellt, der in die Stadt Jerusalem reitet. Ein gebückter Mann, ein Bewohner aus Jerusalem, hat seinen Mantel auf dem Boden gelegt, um Jesus zu begrüßen. Im Raum stehen zwei Gruppen von Menschen: Im Hintergrund sind die Jünger von Jesus dargestellt, unter denen der Jünger Jakobus mit einem Pilgerhut hinten und der junge Johannes ohne Bart vorne erkennbar sind. Es wird vermutet, dass die ernsten Gesichter der Jünger die zukünftigen Leiden Christi reflektieren.
1. Einleitung: Einführung in die Entstehungsgeschichte des Heilig-Blut-Altars und Formulierung der zentralen Fragestellung zur Rolle von Räumlichkeit und Inszenierung.
2. Begriffserklärung: Theoretische Herleitung der Begriffe „Raum“, „performativer Raum“ sowie „Inszenierung“ unter Einbezug theaterwissenschaftlicher Perspektiven.
3. Räumlichkeit im Heilig-Blut-Altar: Untersuchung des szenischen Aufbaus und Analyse des Einflusses des Lichts und der architektonischen Gestaltung auf die Wahrnehmung des Altars.
4. Rituelle Figureninszenierung im Altar: Detaillierte formale Analyse der Holzfiguren sowie Untersuchung der christlichen Motive und ihrer symbolischen Bedeutung (Semiotik).
5. Zusammenspiel der Räumlichkeit und der Inszenierung im Abendmahl: Synthese der Analyseergebnisse zur Wechselwirkung von Licht, Raum und Körperlichkeit bei der Darstellung des Letzten Abendmahls.
6. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Bestätigung der Bedeutung des Altars als performatives Gesamtkunstwerk.
Heilig-Blut-Altar, Tilman Riemenschneider, Rothenburg ob der Tauber, Abendmahl, Performativität, Räumlichkeit, Inszenierung, Lichtführung, Holzskulptur, Eucharistie, sakraler Raum, kunsthistorische Analyse, christliche Ikonographie, Materialität, Theaterwissenschaft.
Die Arbeit analysiert den Heilig-Blut-Altar in Rothenburg ob der Tauber unter besonderer Berücksichtigung der performativen Inszenierung und der Raumgestaltung durch den Bildschnitzer Tilman Riemenschneider.
Die Schwerpunkte liegen auf der theatralischen Raumtheorie, der Analyse der Holzfiguren-Gestaltung und der theologischen Semiotik, die den Altar mit der Reliquienverehrung verknüpft.
Ziel ist es zu ergründen, wie Räumlichkeit und Inszenierung eingesetzt werden, um die Abendmahlszene als lebendige Darstellung zu konzipieren, die den Betrachter aktiv einbindet.
Die Autorin nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der theaterwissenschaftliche Begriffe (z.B. nach Fischer-Lichte) mit kunsthistorischen Analysen der spätgotischen Bildhauerei verbindet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, eine Untersuchung des szenischen Aufbaus, eine detaillierte formale Figurenanalyse und eine Betrachtung der Lichtwirkung auf die Inszenierung.
Neben dem historischen Objekt selbst sind Begriffe wie „Performativität“, „Räumlichkeit“, „Inszenierung“ und „Eucharistie“ die zentralen Säulen der Untersuchung.
Judas wird von Riemenschneider bewusst als Mittelpunkt und Verräter in den Vordergrund gerückt, um eine Abweichung von der traditionellen Bildtradition zu erzielen und die menschliche Unsicherheit sowie die Schwere des Verrats zu verdeutlichen.
Das Licht fungiert als aktives Gestaltungselement, das durch den natürlichen Verlauf des Tages unterschiedliche Licht- und Schattenwirkungen erzeugt und die Holzfiguren somit in eine dynamische, „lebendige“ Beziehung zum Betrachter setzt.
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