Bachelorarbeit, 2019
49 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Probleme der Definition
3. Die bisherige Untersuchung des Phänomens – ein interdisziplinärer Überblick
3.1 Die anthropologische Konstante
3.2 Verschwörungserklärungen als moralische Selbstvergewisserung.
3.3 Verschwörungstheorien als Komplexitätsreduktion
3.4 "Verschwörungstheorie" als Paranoia
3.5 „Verschwörungstheorien“ als demokratiepolitisches Problem
3.6 „Verschwörungstheorien“ als Wissensorganisationsform
4 Verschwörung und Ideologie
4.1 Hypothese oder Ideologie?
4.2 Versuch einer Bildung des Begriffs der Ideologie
4.3 Stalinismus und Strukturalismus
4.4 Bürgerliche Wissenssoziologie
4.5 Verdinglichung
5 Verschwörungsideologie: Ein modernes, heterodoxes Glaubenssystem
5.1 Modernität
5.2 Irrationalität
5.3 Heterodoxie
6 Verschwörungstheorien auf Youtube
6.1 Die Verschwörung gegen den freien Markt: Oliver Janich
6.2 Die Verschwörung gegen die freien Nationen
7 Fazit
Die Arbeit verfolgt das Ziel, eine ideologiekritische Inhaltsanalyse von Verschwörungstheorien durchzuführen und diesen Themenbereich theoretisch zu konkretisieren. Dabei wird untersucht, wie diese als heterodoxe, irrationale Glaubenssysteme innerhalb der modernen Gesellschaft fungieren, indem sie komplexe politische und ökonomische Zusammenhänge in eine manichäische Weltsicht überführen.
Die Verschwörung gegen den freien Markt: Oliver Janich
Da Janich auch in diversen Debatten und Vorträgen in den sozialen Netzwerken regelmäßig auf seine Bücher "Das Kapitalismus-Komplott" (Janich 2010) und "Die Vereinigte Staaten von Europa" (Janich 2014) verweist, und in der Sichtung des Videomaterials kein inhaltlicher Widerspruch zu den zentralen Thesen dieser Bücher gefunden werden konnte, soll die Vorstellung der von Janich vertretenen gegen den freien Markt gerichteten Verschwörung anhand dieser zwei Bücher skizziert werden.
Janich selbst ist Anhänger des Libertarismus, der politisch-ökonomische Ausdruck der Österreichischen Schule der Nationalökonomie und der darauf aufbauenden moralischen Staatskritik Murray Rothbards. Auf eine Auseinandersetzung mit der Österreichischen Schule, die zu den heterodoxen Theorien der Volkswirtschaftslehre zählt, aber nicht als Pseudowissenschaft bezeichnet werden kann, kann in dieser Arbeit deshalb nicht eingegangen werden. Die Kombinationsmöglichkeit mit Verschwörungsideologien ebenso wie das Lob von Seiten auch etablierter "Austrians" wie Hans-Hermann Hoppe und Thorsten Polleit über Janichs Bücher spricht aber für den Befund der Kombinationsmöglichkeiten (scheinbar) heterodoxer Vorstellungen.
Relevant als Vorannahme Janichs ist die auf Hans-Hermann Hoppe rekurrierende Vorstellung des exklusiven Selbst- und Privateigentums als Naturrecht, dessen Verletzung (insbesondere durch den Staat) unmoralisch sei (ibid. p. 137). Eine Gesellschaft mit Staat bezeichnet Janich als "inhärent bösartig [...], weil ihr grundsätzliches Organisationsprinzip auf der Erstanwendung von Gewalt beruht. Eine libertäre Gesellschaft, die initiierte Gewalt ablehnt, ist im Gegensatz dazu inhärent gut. (ibid. p. 98)". Als Ursache dessen macht Janich die Lobotomisierung der Gesellschaft durch Psychopathen aus, die, nach einer einfachen Übertragung wirtschaftspsychologischer Untersuchungen, nach denen überproportional viele Top-Manager psychopathisch veranlagt seien (ibid. p. 91), auf den Staatsapparat, eine "pathologische Plutokratie (ibid. p. 97)" errichtet hätten.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende gesellschaftliche Relevanz von Verschwörungstheorien und formuliert das Ziel der Arbeit: eine ideologiekritische Inhaltsanalyse.
2. Probleme der Definition: Dieses Kapitel hinterfragt, ob Verschwörungstheorien im strengen Sinne als Theorien gelten können, und thematisiert die etymologische und inhaltliche Problematik des Begriffs.
3. Die bisherige Untersuchung des Phänomens – ein interdisziplinärer Überblick: Es erfolgt eine interdisziplinäre Betrachtung durch die Anthropologie, Soziologie und Politikwissenschaft, um Ansätze wie die Komplexitätsreduktion und die Paranoia-Diagnose kritisch zu bewerten.
4. Verschwörung und Ideologie: Hier werden marxistische Ideologietheorien sowie die bürgerliche Wissenssoziologie analysiert, um eine methodische Grundlage für die Kritik des Verschwörungsdenkens zu schaffen.
5. Verschwörungsideologie: Ein modernes, heterodoxes Glaubenssystem: Dieses Kapitel definiert Verschwörungsideologien als moderne, irrationale Systeme, die sich durch spezifische Merkmale wie Modernität, Irrationalität und Heterodoxie auszeichnen.
6. Verschwörungstheorien auf Youtube: Die Theorie wird anhand der Kanäle von Oliver Janich und der Plattform "quer-denken" exemplifiziert, um zu zeigen, wie konsistente Verschwörungserzählungen konstruiert werden.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Verschwörungsideologien als Ideologien der negativen Rechtfertigung für Krisen und staatliches Handeln dienen.
Verschwörungstheorie, Ideologiekritik, Libertarismus, Neue Weltordnung, Kapitalismus, Pseudowissenschaft, Heterodoxie, Politisches Denken, Soziologie, Machtelite, Medienanalyse, Irrationalität, Rechtskonservatismus, Strukturwandel, Systemkritik.
Die Arbeit analysiert Verschwörungstheorien nicht als bloße "verrückte Vorstellungen", sondern als moderne, irrationale Ideologien, die politische und ökonomische Herrschaftsverhältnisse zu erklären versuchen.
Zu den Schwerpunkten zählen die definitorische Abgrenzung von Verschwörungshypothesen und -ideologien, die ideologiekritische Einordnung in marxistische Theorieansätze sowie die Untersuchung der Online-Propaganda.
Das primäre Ziel ist die Darlegung einer ideologiekritischen Inhaltsanalyse, um zu verstehen, warum und wie Verschwörungsideologien als "notwendig falsches Bewusstsein" in modernen Gesellschaften funktionieren.
Der Autor verwendet eine ideologiekritische Soziologie und zieht unter anderem die Werke von Georg Lukács und Armin Pfahl-Traughber heran, um die psychologischen und ökonomischen Wurzeln des Verschwörungsdenkens zu beleuchten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Ideologiebegriffe und einen empirischen Teil, der die YouTube-Kanäle von Oliver Janich und Michael Vogt ("quer-denken") analysiert.
Wichtige Begriffe sind insbesondere die Unterscheidung zwischen "Hypothese" und "Ideologie", der Fetischcharakter der Warenform sowie die Analyse der "Hyperrationalität" und "Heterodoxie" im Kontext politischer Paranoia.
Eine Hypothese bezieht sich auf ein konkret nachweisbares Ereignis, während eine Ideologie ein nicht-korrekturfähiges, dogmatisches Glaubenssystem darstellt, das Fakten zur Bestätigung einer vorab existierenden Weltverschwörung uminterpretiert.
Der Autor zeigt auf, dass Plattformen wie YouTube eine "Verdopplung der Gesellschaft" (Systemmedien vs. alternative Medien) fördern, was die Verbreitung heterodoxer Narrative und die Radikalisierung politischer Deutungsmuster unterstützt.
Die Arbeit kritisiert, dass der bloße Verweis auf eine "Paranoia" oder psychische Störung gesellschaftliche Ursachen für das Verschwörungsdenken verdeckt, anstatt deren ideologischen Gehalt und Funktion im Kapitalismus zu durchschauen.
Janich kombiniert seine libertäre Staatskritik mit einer Verschwörungsideologie, in der jeder staatliche Eingriff als Beweis für eine bösartige "Weltregierung" und "Planwirtschaft" gewertet wird, um eine moralische Überlegenheit des freien Marktes zu konstruieren.
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