Bachelorarbeit, 2017
258 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Theorien, Begriffe und Konzepte
2.1 Sozialkonstruktivismus
2.2 Heteronormativität und Queer Theory
2.3 Sex und gender
2.4 Interaktionistischer Konstruktivismus
2.5 Doing Gender
2.6 Transsexualität, Transidentität oder Transgender?
3. Methodischer Zugang und die Bedeutung von Spielfilmanalysen in der Soziologie
4. Die interaktionistische Konstruktion von Geschlecht in ‚Mein Leben in Rosarot‘ und ‚Tomboy‘ (Analyse)
5. Fazit
6. Quellen- und Literaturverzeichnis
6.1 Quellenverzeichnis
6.2 Literaturverzeichnis
7. Anhang
7.1 Einstellungsprotokoll ‚Mein Leben in Rosarot‘
7.2 Einstellungsprotokoll ‚Tomboy‘
Die vorliegende Arbeit untersucht die interaktionistische Konstruktion von Geschlecht („Doing Gender“) bei Transgender-Kindern am Beispiel der Spielfilme ‚Mein Leben in Rosarot‘ und ‚Tomboy‘. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das als „natürlich“ wahrgenommene binäre Geschlechtersystem durch soziale Interaktionen und die „Alltagstheorie der Zweigeschlechtlichkeit“ beständig reproduziert wird und wie die Hauptcharaktere versuchen, diese Normen zu unterlaufen.
Die interaktionistische Konstruktion von Geschlecht in ‚Mein Leben in Rosarot‘ und ‚Tomboy‘ (Analyse)
‚Mein Leben in Rosarot‘ ist dem Genre des Dramedys zuzurechnen. Er ist 1997 in Frankreich unter dem Originaltitel ‚Ma vie en rose‘ und später in 25 weiteren Ländern erschienen. Drehbuch und Regie des 88-minütigen 35-Milimeter-Farbfilms stammen von Alain Berliner. Der Film wurde in seinem Erscheinungsjahr auf zahlreichen Festspielen präsentiert – unter anderem auf dem New York Filmfestival, was zu einer, für einen französischen Independentfilm, vergleichsweise breiten Rezeption und hohen Popularität in den USA führte (Einnahmen in den USA 1998: 2,3 Mio. USD) Er wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Golden Globe 1998 in der Kategorie ‚Bester fremdsprachiger Film‘ und gilt als „first cinematic exploration of gender identity in young children“ (Stone 1998).
‚Mein Leben in Rosarot‘ handelt vom siebenjährigen Transmädchen Ludovic Fabre, der gerade mit seinen Eltern Hanna und Pierre und seinen Geschwistern Zoé, Thom und Jean neu in eine Vorortsiedlung gezogen ist. Die Eltern richten eine Gartenparty für die gesamte Nachbarschaft aus, um sich bekannt zu machen. Ludovic präsentiert sich den Gästen geschminkt in einem Prinzessinnenkleid und wird von den Anwesenden irrtümlich für Zoé und somit für ein Mädchen gehalten. Als sich herausstellt, dass Ludovic nicht Zoé und ein Junge ist, ist die Nachbarschaft zunächst über den ‚Auftritt‘ vom „Meister der Überraschungen“, wie Pierre ihn charakterisiert, amüsiert.
Doch Ludovic ist kein Junge, der sich ab und an und nur zum Spaß als Mädchen ‚verkleidet‘, wie Hanna und Ludovics Großmutter Élisabeth glauben, sondern überzeugt davon, noch ein Mädchen zu werden.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz des Geschlechts als soziales Konstrukt ein und stellt die Alltagsdominanz der Zweigeschlechtlichkeit sowie das Paradigma der Geschlechterforschung vor.
2. Theorien, Begriffe und Konzepte: Dieses Kapitel erläutert grundlegende Theorien wie den Sozialkonstruktivismus, die Queer Theory und das Konzept des „Doing Gender“ als Basis der Analyse.
3. Methodischer Zugang und die Bedeutung von Spielfilmanalysen in der Soziologie: Hier wird die Eignung der systematischen Filmanalyse nach Helmut Korte für die soziologische Gesellschaftsanalyse begründet und das methodische Vorgehen dargelegt.
4. Die interaktionistische Konstruktion von Geschlecht in ‚Mein Leben in Rosarot‘ und ‚Tomboy‘ (Analyse): Dieses Hauptkapitel analysiert vergleichend die beiden Filme hinsichtlich ihrer Darstellung von Transgender-Kindern und der gesellschaftlichen Attribution von Geschlecht.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Filmanalyse zusammen und bestätigt, dass Geschlecht ein durch intersubjektive Kollaboration beständig gemachter Prozess ist.
6. Quellen- und Literaturverzeichnis: Umfasst alle genutzten Primär- und Sekundärquellen.
7. Anhang: Enthält die detaillierten Einstellungsprotokolle für beide analysierten Spielfilme.
Sozialkonstruktivismus, Doing Gender, Transgender, Zweigeschlechtlichkeit, Heteronormativität, Filmanalyse, Geschlechtsidentität, Attribution, Queer Theory, Passing, Soziale Konstruktion, Spielfilm, Geschlechterforschung, Identität, Interaktion.
Die Arbeit untersucht soziologisch, wie Geschlecht als soziales Konstrukt durch interaktive Prozesse und den gesellschaftlichen Wissensbestand in Spielfilmen hergestellt und aufrechterhalten wird.
Die zentralen Themen umfassen die Konstruktion von Geschlecht (Doing Gender), die Queer Theory, die Problematik der Heteronormativität und die Anwendung systematischer Filmanalyse in der Soziologie.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Transgender-Kinder in einer heteronormativ organisierten Gesellschaft agieren und wie ihre Identität durch die „Alltagstheorie der Zweigeschlechtlichkeit“ ihrer Umwelt bewertet oder sanktioniert wird.
Die Arbeit nutzt die „systematische Filmanalyse“ nach Helmut Korte, ergänzt durch die Erstellung detaillierter Einstellungsprotokolle, um die interaktionistische Konstruktion von Geschlecht filmisch nachzuweisen.
Der Hauptteil widmet sich der vergleichenden, mehrdimensionalen Analyse der beiden Filme ‚Mein Leben in Rosarot‘ und ‚Tomboy‘ in Bezug auf Entstehungskontext, Rezeption und filmische Narration.
Begriffe wie Doing Gender, Sozialkonstruktivismus, Heteronormativität und Transgender-Identität sind die prägenden theoretischen Konzepte der Untersuchung.
Da der interaktionistisch-konstruktivistische Ansatz eine pathologisierende Sichtweise vermeiden möchte, wird der Begriff Transgender gegenüber Begriffen wie Transsexualität bevorzugt.
Die Analyse verdeutlicht, dass das „Passing“ als Junge oder Mädchen stark von äußeren „kulturellen Genitalien“ und der Bereitschaft der Umwelt abhängt, diese in ein binäres Schema einzuordnen.
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