Masterarbeit, 2017
114 Seiten, Note: 1,0
Teil 0: Die Einleitung
Teil I: Der Theorieteil
1. Sprache als Kommunikationsmittel zur Entstehung und Aufrechterhaltung zwischenmenschlicher Beziehungen
1.1 Ein eigenes Kommunikationsmodell in Anlehnung an Jakobson und Watzlawick
1.2 Das Organonmodell nach Bühler
2. Höflichkeit in der deutschen Sprache
2.1 Das Kooperationsprinzip nach Grice
2.2 Die Höflichkeitsregeln nach Lakoff
2.3 Das Höflichkeitsprinzip nach Leech
2.4 Das face-- - Konzept nach Brown und Levinson
3. Anrede und Anredeverhalten
3.1 Forschungsstand
3.2 Die geschichtliche Veränderung des pronominalen Anredeverhaltens bis zum heutigen binären Anredesystem
3.3 Das heutige binäre System mit seinen Vermeidungsstrategien
3.4 Funktionen von Anrede
3.5 Kriterien zur Wahl der Anrede und deren Wirkung
4. Zwischenfazit
Teil II: Der Praxisteil
1. Untersuchungsziele und Fragestellungen
2. Die Hypothesen
3. Das Untersuchungsdesign
4. Das Untersuchungsmaterial
4.1 Vorüberlegungen zur Auswahl des Untersuchungsmaterials
4.2 Der Pretest
4.3 Das endgültige Untersuchungsmaterial
4.4 Gütekriterien des Untersuchungsmaterials
4.5 Durchführung
5. Erläuterungen zu den angewandten Berechnungsmöglichkeiten
6. Die Stichprobe
7. Die Darstellung der deskriptiven Daten
8. Die Ergebnisdiskussion
9. Kritischer Rückblick und Reflexion
10. Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht das pronominale Anredeverhalten in der deutschen Sprache, um zu verstehen, welche Faktoren die Wahl zwischen der "Du"- und der "Sie"-Anrede beeinflussen und inwiefern sich das binäre Anredesystem im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen und individueller Unsicherheiten (Grauzonen) darstellt.
3.3 Das heutige binäre System mit seinen Vermeidungsstrategien
Nachdem die Sprachgeschichte grob skizziert und inhaltlich dargelegt wurde, ist nun das heutige binäre Anredesystem erreicht. Wie grundsätzlich bekannt ist, stehen die Mitglieder der deutschen Sprechergemeinschaft tagtäglich im menschlichen Miteinander vor der Entscheidung, wie sie ihr Gegenüber ansprechen. Die 2. Person Singular du und die 3. Person Plural Sie sind dabei die beiden regulären Anredeformate. Somit haben die äußeren Formen bezogen auf die oben angebrachte Tabelle dem Wandel getrotzt. Zu einem Wechsel zwischen den Formen kommt es generell erst nach einer veränderten Sozialbeziehung und ist zumeist irreversibel. Eine asymmetrische Verteilung der Anrede ist untypisch und findet normalerweise nur noch im Gespräch zwischen Kind und Erwachsenen im unbekannten Verhältnis statt.
Unter dem Punkt 3.5 wird hierzu Stellung bezogen. Das heutige binäre System scheint auf den ersten Blick recht strukturiert, klar und geregelt in Hinblick auf das Binärsystem zu sein. Sobald man jedoch den standardsprachlichen Bereich verlässt und dialektal geprägte Bereiche untersucht, stößt man auf ein deutlich vielseitigeres Bild von Anredevariationen. Nach Simon (2003: 127) wird man in Berlin/Brandenburg bei der direkten Anrede häufig Formulierungen wie „Hat sie noch ´nen [Fünfer], bitte?“ oder „Ja, da hat er Recht.“ vorfinden. Der Sprecher muss sich hierbei nicht für eine Variante des dualen Systems entscheiden, sondern nutzt die 3. Person Singular und richtet die Anrede schlichtweg nach dem Geschlecht aus. So umgeht man der Gefahr, sich fälschlich auszudrücken und dem Adressaten unhöflich gegenüberzutreten.
Ob diese Formulierungen allerdings dialektal begründet sind oder es sich um eine Art von Vermeidungsstrategie handelt, muss im Einzelfall geklärt werden. Allerdings ist diese Form ein Indiz dafür, dass das heutige binäre Anredesystem vielleicht nur geregelter erscheint, als es unsere Sprachgesellschaft tatsächlich empfindet. Die sich ständig verändernden Konventionen, der Drang nach Gleichstellung, aber auch nach Respekt und Höflichkeit im menschlichen Miteinander verwirren uns und zwingen uns situativ zu immer neuen Überlegungen.
1. Sprache als Kommunikationsmittel zur Entstehung und Aufrechterhaltung zwischenmenschlicher Beziehungen: Dieses Kapitel legt die theoretische Basis, indem es Kommunikation als interaktiven Prozess definiert und ein eigenes Kommunikationsmodell in Anlehnung an Jakobson und Watzlawick einführt.
2. Höflichkeit in der deutschen Sprache: Hier werden zentrale Höflichkeitskonzepte vorgestellt, darunter Grice, Lakoff, Leech sowie Brown und Levinson, um den Zusammenhang zwischen Höflichkeit und der Wahl der Anrede zu verdeutlichen.
3. Anrede und Anredeverhalten: Dieses Kapitel behandelt den aktuellen Forschungsstand, die diachrone Entwicklung des Anredesystems vom Germanischen bis heute und die Funktionen der Anrede.
4. Zwischenfazit: Das Kapitel fasst die theoretischen Erkenntnisse über die Vielschichtigkeit der Kommunikation und die Bedeutung von Konventionen und Beziehungen bei der Anredewahl zusammen.
5. Untersuchungsziele und Fragestellungen: Hier werden die Ziele der empirischen Arbeit dargelegt, die insbesondere darauf abzielen, die Beweggründe für Anredewahlen und die Rolle von Grauzonen zu beleuchten.
6. Die Hypothesen: Es werden neun aufgestellte Hypothesen präsentiert, die den Zusammenhang zwischen Alter, Bildung, Dialekt, Persönlichkeit und dem Anredeverhalten thematisieren.
7. Das Untersuchungsdesign: Dieses Kapitel erläutert die methodische Herangehensweise, insbesondere die Verwendung einer quantitativen Studie und die Gestaltung des Fragebogens.
8. Das Untersuchungsmaterial: Hier wird der Prozess der Materialerstellung, inklusive Pretest und der inhaltlichen Struktur des Fragebogens, detailliert beschrieben.
9. Erläuterungen zu den angewandten Berechnungsmöglichkeiten: Dieses Kapitel definiert statistische Grundlagen wie das arithmetische Mittel, den Modalwert, den Median und Korrelationen, die für die Datenauswertung entscheidend sind.
10. Die Stichprobe: Eine detaillierte demografische Beschreibung der 235 befragten Personen wird hier mittels Diagrammen visualisiert.
11. Die Darstellung der deskriptiven Daten: Hier werden die erhobenen Daten der einzelnen Subskalen (Charakter, Unsicherheit, Verhalten etc.) deskriptiv vorgestellt.
12. Die Ergebnisdiskussion: Die Resultate der Studie werden im Hinblick auf die Hypothesen diskutiert, wobei insbesondere die Bedeutung des Alters und der Bekanntschaft hervorgehoben wird.
13. Kritischer Rückblick und Reflexion: Dieses Kapitel reflektiert den Forschungsprozess kritisch, diskutiert die methodischen Entscheidungen und benennt Grenzen der Untersuchung.
14. Fazit und Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, einer Bestätigung bzw. Widerlegung der Hypothesen und gibt Anregungen für zukünftige Forschungen.
Anredeverhalten, Pronominale Anrede, Höflichkeit, Du-Anrede, Sie-Anrede, Soziolinguistik, Statussemantik, Solidaritätssemantik, Grauzonen, Kommunikationsmodell, empirische Studie, Sprachgeschichte, Anredepronomen, Sprachkontakt, Vermeidungsstrategien.
Die Arbeit befasst sich mit dem pronominalen Anredeverhalten in der deutschen Sprache, insbesondere mit der Wahl zwischen „Du“ und „Sie“ im alltäglichen Miteinander.
Zentrale Felder sind die Höflichkeitsforschung, die historische Entwicklung des Anredesystems, der Einfluss persönlicher Faktoren wie Alter oder Herkunft sowie der Umgang mit Unsicherheiten in Kommunikationssituationen.
Das Hauptziel ist es, die Beweggründe für die Anredewahl zu erforschen, den Einfluss persönlicher Eigenschaften (Sprecher/Empfänger) zu identifizieren und sogenannte Grauzonen zu untersuchen, in denen sich Sprecher bei der Wahl der Anrede unsicher fühlen.
Die Autorin verwendet einen empirischen, primär quantitativen Ansatz. Grundlage ist eine eigens entwickelte Stichprobenstudie, die mittels eines standardisierten Paper-Pencil-Fragebogens durchgeführt und statistisch (SPSS) ausgewertet wurde.
Der Hauptteil ist zweigeteilt: Ein Theorieteil schafft die wissenschaftliche Basis über Kommunikation und Höflichkeit, während der Praxisteil die Durchführung der empirischen Studie, die deskriptive Darstellung der Daten und die Diskussion der Hypothesen abdeckt.
Wichtige Begriffe sind Anredeverhalten, Pronominale Anrede, Höflichkeit, Statussemantik, Solidaritätssemantik und Grauzonen.
Die Studie zeigt, dass das Alter als Indikator für den sozialen Status und die Gruppenzugehörigkeit dient. Die ältere Generation bevorzugt oft das „Sie“ zur Gesichtswahrung, während die jüngere Generation das „Du“ eher als Symbol für Vertrautheit und Gleichheit nutzt.
Laut der Arbeit ist eine solche Auflösung des binären Systems in absehbarer Zeit nicht zu erwarten, da das "Sie" in vielen gesellschaftlichen Kontexten weiterhin als sicherere und respektvollere Variante verankert ist.
Grauzonen beschreiben Situationen, in denen sich der Sprecher unsicher ist, welche Anredeform angemessen ist. Dies tritt häufig dann ein, wenn Faktoren wie das Alter unbekannt sind oder ein Konflikt zwischen dem Wunsch nach Nähe und dem gesellschaftlichen Gebot der Höflichkeit besteht.
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