Masterarbeit, 2016
84 Seiten, Note: 1,70
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund: Erläuterungen und Definitionen
2.1 Existenzphilosophie: Grenzsituationen und Schwellenerfahrung
2.1.1 Die Existenz
2.1.2 Das Gehäuse
2.1.3 Grenzsituationen und Schwellenerfahrungen
2.2 Neo-noir
2.3 Figurentypologie: Der männliche Ermittler
2.4 Grenzsituationen im Film
2.5 Die Reise des Helden
3. Analyse der Untersuchungsgegenstände: der männliche Ermittler
3.1 Hannibal: Will Graham
3.1.1 Profectio – Der Aufbruch
3.1.2 Limes – Der Grenzgang
3.1.3 Metamorphosis – Die Rückkehr
3.2 True Detective: Rustin Cohle
3.2.1 Amissus – Der Verlust und seine Folgen
3.2.2 Existentia – Auf dem Weg zum Selbst
4. Fazit
Die Masterarbeit untersucht die Identitäten und existentiellen Spannungszustände männlicher Ermittler in den amerikanischen TV-Serien „Hannibal“ und „True Detective“ unter Anwendung existenzphilosophischer Konzepte. Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie die Protagonisten existenzielle Notsituationen, sogenannte Grenzsituationen, bewältigen und welche Einflüsse diese Erfahrungen auf ihre Handlungen, Motive und psychische Verfassung haben.
3.1.1 PROFECTIO – DER AUFBRUCH
Eine weißvertäfelte Hauswand hinter der hölzernen Veranda mit den antikischen Säulen; dunkel gekleidete Polizeibeamte kontrastieren vor dem beleuchteten Innenraum, der durch die offene Tür im Zentrum des Bildbereichs sichtbar ist. Rotblaue Lichtblitze von den Sirenen der Einsatzfahrzeuge werden sichtbar, als die Kamera in einer ablativen Rückwärtsbewegung eine größere Fläche des Gebäudes sichtbar macht. Schnelle deskriptive Schnitte verdeutlichen nun das Ausmaß des Vorfalls, zu dem die Polizeizisten gerufen wurden: eine Blutlache auf dem Boden, Blutspritzer an der Wand des Wohnzimmers, der Abtransport eines männlichen Opfers, ein lebloser weiblicher Körper auf dem Holzparkett. Die Einstellung wechselt nun von der Darstellung des äußeren Geschehens auf einen amerikanischen Shot einer männlichen Person. Die Ranfahrt der Kamera auf eben diese Person, die direkt in die Kamera schaut und sich durch ihre Alltagskleidung von den Uniformierten abgrenzt, verschreibt dem Mann kontextuelle Bedeutung – von Orientierung zu Fokussierung (E1.01 00:00:26-00:00:52). Die Öffnungssequenz des Piloten Apéritif von Hannibal könnte aufgrund der gängigen und stereotypen Darstellung einer Tatortuntersuchung der Einstieg eines beliebigen filmischen Kriminalnarrativs sein. Was dem Zuschauer jedoch „einen Zugang zum Geschehen [bietet][...] [und] das Fenster zur Geschichte [öffnet][...]“, ist die folgende Identifikationsmöglichkeit für das Publikum mit dem Helden Will Graham, welche als Binnenerzählung eine Vorausdeutung liefert.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der existentiellen Spannungszustände von Filmfiguren ein und legt den theoretischen Rahmen sowie die Zielsetzung der Untersuchung dar.
2. Theoretischer Hintergrund: Erläuterungen und Definitionen: In diesem Kapitel werden die existenzphilosophischen Grundlagen nach Karl Jaspers sowie die Gattungsmerkmale des Neo-Noir und die Figurentypologie des männlichen Ermittlers definiert.
3. Analyse der Untersuchungsgegenstände: der männliche Ermittler: Dieser Hauptteil analysiert die Serien „Hannibal“ und „True Detective“ detailliert anhand der Figuren Will Graham und Rustin Cohle im Kontext ihrer Grenzsituationen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und reflektiert die Rolle der männlichen Ermittlerfiguren im Kontext der aktuellen Serienforschung und populärkulturellen Nihilismus-Diskurse.
Grenzsituation, Existenzphilosophie, Karl Jaspers, Neo-Noir, Männlicher Ermittler, Hannibal, Will Graham, True Detective, Rustin Cohle, Heldenreise, Existenzielle Krise, Serienforschung, Identität, Psychologie, Narratologie
Die Arbeit untersucht die psychologischen und existentiellen Grenzsituationen von männlichen Ermittlern in den modernen TV-Serien „Hannibal“ und „True Detective“.
Die Schwerpunkte liegen auf der Existenzphilosophie (nach Karl Jaspers), der Genre-Definition des Neo-Noir und der narratologischen Figurenanalyse.
Das Ziel ist der Gewinn neuer Erkenntnisse über die Entwicklung von Serienfiguren durch die Analyse und Deutung des philosophischen Begriffs der Grenzsituation.
Es wird eine filmwissenschaftliche Figurenanalyse vorgenommen, die durch existenzphilosophische Theorien sowie Konzepte der Heldenreise strukturiert und fundiert wird.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse von Will Graham („Hannibal“) und Rustin Cohle („True Detective“) in ihren jeweiligen narrativen Stadien wie Aufbruch, Grenzgängen und Rückkehr/Wandlung.
Wesentliche Begriffe sind Grenzsituation, Existenzphilosophie, Neo-Noir, männlicher Ermittler und Heldenreise.
Die Theorie dient als theoretisches Fundament, um die existenziellen Notsituationen, in die die Ermittler geraten, und ihren Versuch, ihre Identität oder ihr „Gehäuse“ neu zu definieren, wissenschaftlich greifbar zu machen.
Diese Serien bieten komplexe, populärkulturelle Fallbeispiele für aktuelle Entwicklungen in der Serienforschung, in denen die klassischen Rollenbilder des Ermittlers aufgebrochen und durch psychische Instabilitäten und existenzielle Krisen ergänzt werden.
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