Masterarbeit, 2019
196 Seiten, Note: 3
1 Einleitung
2 Forschungsstand
2.1 Forschungsstand und Erkenntnissinteresse im Kinderschutz
2.2 Armut
2.3 Die Transformation des Wohlfahrtsstaat
2.4 Krisenfamilien und Kinder in Armut im Wohlfahrtsstaat
2.5 Bild vom Kind und seine Rechte
2.6 Eingriffsschwellen bei Risiko- und Gefährdung des Kindes
2.7 Kinderschutz im Studium Soziale Arbeit und der Rechtswissenschaft
3 Methodik
4 Wandel der Familie
4.1 Definition von Familie
4.2 Historische Transformation von Familie
4.2.1 Familie vor der Industrialisierung
4.2.2 Historische Transformation der Kernfamilie zum Ideal ab 1945
4.2.3 Erschütterung der Kernfamilie als Erschütterung der Elternrolle
4.2.4 Diversität von Partnerschaften
4.3 Rechtliche Veränderungen für Familien in der Bundesrepublik
4.3.1 Finanzielle Leistungen für Familien
4.3.2 Rechte von biologischen und sozialen Eltern
4.3.3 Rechte von Kindern und Jugendlichen
4.4 Bewältigung und Konflikte des Familienalltages
4.5 Bewältigung krisenhafter Veränderungsphasen in Familien
5 Vulnerable Lebenslagen von Familien und Kinderarmut
5.1 Der Armutsbegriff
5.1.1 Absolute Armut
5.1.2 Relative Armut
5.1.3 Armutskonstruktionen
5.2 Risikofaktoren und Ursachen von Armut
5.3 Krisen und Gewalt in Familien
5.3.1 Studien aus den USA: Verhaftungen erhöhen Gewaltbereitschaft
5.3.2 Opfer häuslicher Gewalt in allen sozialen Schichten
5.3.3 Sexuelle Gewalt und soziale Herkunft
5.4 Lebenslagen von Ein-Eltern-Familien
5.4.1 Lebensumfeld- und Wohnbedingungen
5.4.2 Erwerbslosigkeit, Bedürfnisse, Erziehung und Armut
5.4.3 Regelbedarfe für junge Menschen und Familien
5.5 Kindheit zwischen Bedürfnissen und Zukunftserwartungen
5.5.1 Gegenwärtige Interessen und Bedürfnisse
5.5.2 Sozialinvestive Defamilialisierung
5.5.3 Schulische und berufliche Determination von Zukunft
5.6 Langzeitfolgen und Resilienz von erlebter Armut in der Kindheit
6 Sozialpädagogische Intervention in Familien
6.1 Wohlergehen von Kindern und Gefährdungen
6.1.1 Zum Begriff der Kindeswohlgefährdung
6.1.2 Gesetze und Reformen zum Kinderschutz
6.2 Soziale Arbeit und Kinderschutz
6.2.1 Familienbezogene Leistungen nach dem SGB VIII
6.2.2 Inobhutnahme und Heimerziehung
6.3 Effizienter konstruktivistischer Fallverlauf der HzE
7 Ergebnisse
7.1 Demografische Veränderungen
7.2 Haushaltstypen
7.3 Armutsschwelle, Einkommensverteilung und Armutsquote
7.4 Arbeit, Steuern, Finanzreserven und Risiko von Alleinerziehenden
7.5 Familienleistungen
7.6 Arme Familien und Kinderarmut
7.7 Kindeswohlgefährdung
7.8 Leistungen für junge Menschen nach dem SGB VIII
7.9 Leistungen für junge Menschen im SGB II-Bezug
7.10 Leistungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf
7.11 Inobhutnahmen
7.12 Häusliche Gewalt
8 Wohl von Kindern zwischen Investitionen und Interventionen
9 Zusammenfassung und Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht die Zusammenhänge zwischen Familien- und Kinderarmut sowie dem Anstieg von Inobhutnahmen und Fremdunterbringungen in der Jugendhilfe. Ziel ist es, zu klären, ob prekäre Lebenslagen durch gesetzgeberische Maßnahmen entstehen und wie sich diese auf das Kindeswohl sowie die Interventionspraxis der Sozialen Arbeit auswirken.
4.1 Definition von Familie
Das Ehesubsystem ist nicht beständig als Voraussetzung und Grundlage von Familien zu betrachten, bspw. wenn es zu Scheidungs- und Todesfällen kommt. Familie wird bestimmt vom Unterschied der Generationen zwischen Kindern zu Vater und Mutter. Losgelöst von der Frage der biologischen oder sozialen Elternschaft oder Adoptionsverhältnis, ist die Generationsdifferenz das entscheidende Kriterium für eine Definition von Familie. Denn nur nach dieser Klarstellung über das eheliche Subsystem, welches nicht immer die Grundlage für eine Familie darstellt, ist es erst möglich, dass alleinerziehende Mütter und Väter, wie auch nichteheliche Lebenspartnerschaften, als Familie definiert werden können, wenn diese mit Kindern zusammenleben. Familien sind eine Kooperations- und Solidargemeinschaft, die einzigartige Strukturen von Rollen aufweisen, wie bspw. Mutter, Vater, Bruder, Schwester u.v.m. Falls in der Familie Großeltern oder sehr selten Urgroßeltern leben sollten, so definiert man diese als Drei- oder Vier-Generationsfamilie. Die für die Soziale Arbeit relevanten Bestandteile der Definition bildet der sozialwissenschaftliche und psychologische Blickwinkel. Dieser Blick betont die Aushandlungsprozesse biologischer und sozialer Eltern hinsichtlich der Fragen zur Kindererziehung, Freizeitgestaltung und der Aufteilung der Haushaltsarbeit. Die Psychologie bezieht sich auf Aussagen der Mitglieder der Familie, die beurteilen, wer zur Familie zugehört und betrachtet die Stellung einzelner Familienmitglieder zueinander (vgl. Ecarius, Köbel, Wahl 2011, S. 14-15).
„Familien sind potenziell auf Dauer gestellte Lebensgemeinschaften, die durch mehrgenerationale Beziehungen geprägt sind und bei denen die wechselseitige informelle Sorge um das körperliche, emotionale und geistige Wohl im Zentrum steht. Familien tragen zur Erziehung und Sozialisation der Kinder wesentlich bei.“ (Uhlendorff, Euteneuer, Sabla 2013, S. 43)
1 Einleitung: Die Einleitung umreißt die Problemstellung der zunehmenden Kindeswohlgefährdung im Kontext von Armut und die Rolle der Jugendhilfe.
2 Forschungsstand: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den aktuellen Diskurs zu Kinderschutz, Armutsbegriffen und der Transformation des Sozialstaats.
3 Methodik: Es wird dargelegt, dass die Arbeit als Literaturanalyse unter Einbeziehung von Rechts-, Sozial- und Politikwissenschaften konzipiert ist.
4 Wandel der Familie: Dieses Kapitel analysiert die historischen und rechtlichen Veränderungen familiärer Strukturen und deren Auswirkungen auf die Elternrolle.
5 Vulnerable Lebenslagen von Familien und Kinderarmut: Hier stehen die verschiedenen Armutsdefinitionen sowie die spezifischen Belastungen von Ein-Eltern-Familien im Fokus.
6 Sozialpädagogische Intervention in Familien: Das Kapitel diskutiert die Rolle des Jugendamtes, rechtliche Rahmenbedingungen sowie die Praxis der SPFH.
7 Ergebnisse: Eine detaillierte Darstellung statistischer Daten zu Armut, Familienleistungen und Inobhutnahmen bildet den Kern dieses Kapitels.
8 Wohl von Kindern zwischen Investitionen und Interventionen: Es wird die Ambivalenz zwischen staatlichen Investitionen in Bildung und kontrollierenden Interventionen reflektiert.
9 Zusammenfassung und Schlussbetrachtung: Das letzte Kapitel fasst die zentralen Thesen zusammen und leitet Forderungen für eine kindzentrierte Soziale Arbeit ab.
Alleinerziehend, Arbeitslosigkeit, Armut, Armutskonzepte, Bildung, Bildungsarmut, Deprivation, Erziehungsarmut, Fremdunterbringung, Inobhutnahme, Kindeswohlgefährdung, Resilienz, Soziale Arbeit, Sozialstaat, SPFH.
Die Master-Thesis befasst sich mit den Zusammenhängen zwischen Kinder- und Familienarmut und den steigenden Inobhutnahmen durch Jugendämter in Deutschland.
Zentrale Themen sind die Lebensrealitäten von Alleinerziehenden, die ökonomischen Rahmenbedingungen von Familienarmut und die professionelle Praxis der Sozialen Arbeit.
Ziel ist es zu untersuchen, ob normative Familienbilder und sozialpädagogische Ordnungsstrategien dazu beitragen, Familien als Risikogruppen zu definieren und Eingriffsschwellen des Jugendamtes zu senken.
Der Autor führt eine tiefgehende Literaturarbeit durch, die Quellen aus Rechts-, Politik- und Sozialwissenschaften verbindet, um komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge zu analysieren.
Im Hauptteil werden der Wandel von Familien, verschiedene Armutskonstruktionen, die Rolle des Wohlfahrtsstaates und die Interventionspraxis der Kinder- und Jugendhilfe analysiert.
Wichtige Begriffe sind Armutsrisiko, Inobhutnahme, Kindeswohlgefährdung, Alleinerziehende, Sozialstaat und Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH).
Der Autor kritisiert eine zunehmende Kontrollfunktion und das Machtgefälle gegenüber armen Familien, das oft zulasten eines vertrauensvollen Hilfeverhältnisses geht.
Der Autor argumentiert, dass Kinderarmut keine isolierte individuelle Schuld ist, sondern strukturell durch den Sozialabbau und neoliberale Anforderungen mitverursacht wird.
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