Fachbuch, 2020
59 Seiten
1 Einleitung
2 Methodisches Vorgehen
3 Hirntod und Organentnahme
3.1 Hirntod
3.2 Transplantationsgesetz
3.3 Wie kommt es zur Organspende?
3.4 Ablauf der Organspende
3.5 Statistik
4 Trauerprozess
4.1 Krisenverarbeitung
4.2 Pathologische Trauer
4.3 Besonderheiten beim Hirntod und der Organspende
4.4 Todes- oder Trauerschleuse
5 Entscheidungen durch Angehörige
5.1 Stellvertretende Einwilligung
5.2 Erleben der Angehörigen bei der Frage nach der Organspende
5.3 Entscheidungsgründe der Angehörigen
5.4 Angehörigenbetreuung
5.5 Stabilität der Entscheidung
6 Diskussion
7 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychodynamischen Prozesse von Angehörigen, die stellvertretend für hirntote Patienten über eine Organspende entscheiden müssen, wobei das Hauptziel darin besteht, die Entscheidungsgründe und Auswirkungen auf den Trauerprozess zu analysieren.
4.4 Todes- oder Trauerschleuse
Um genauer die Besonderheiten während des Prozesses der Organ-spende und die Rolle des Krankenhauspersonals zu verdeutlichen, wird im Folgenden das Modell der „Todes- oder Trauerschleuse“, das von Ruthmarijke Smeding entwickelt und von Erhard Weiher und Karl-Heinz Feldmann überarbeitet wurde, erläutert (vgl. Weiher/Feldmann 2010: 60). Das Originalmodell bezieht sich auf die allgemeine Trauerzeit naher Angehöriger und wurde von deren Emotionen abgeleitet (vgl. Burgheim 2005b: 5). Im Trauerphasen-Modell von Smeding werden vier Phasen unterschieden. Das Modell der Trauerschleuse befindet sich in der ersten Phase, der Schleusenphase, die sich auf die Zeit zwischen dem Tod des Menschen und dessen Beerdigung bezieht. Die folgenden Phasen, Phase des Januskopfes, Zeit im Labyrinth und die Regenbogenzeit werden hier nicht näher erläutert, da sie sich nicht auf die Akutphase im Krankenhaus beziehen und die Neufassung des Modells der Trauerschleuse sich ebenfalls nur auf die Schleusenphase bezieht.
Die Modernisierung des Modells der Trauerschleuse wurde speziell für Angehörige von Organspendern durch eine weitere Schleuse in der Schleuse verändert, und besteht nun aus 10 Stadien (vgl. Weiher/Feldmann 2010: 60).
1 Einleitung: Die Arbeit beleuchtet den Trauerprozess und die Entscheidungssituation von Angehörigen bei Organspenden nach dem Hirntod.
2 Methodisches Vorgehen: Es wird die Literaturrecherche in verschiedenen Datenbanken sowie die Auswahl der für das Thema relevanten Studien beschrieben.
3 Hirntod und Organentnahme: Das Kapitel definiert den Hirntod, erläutert die rechtlichen Grundlagen des Transplantationsgesetzes und beschreibt den Ablauf der Organspende sowie die aktuelle statistische Ausgangslage.
4 Trauerprozess: Der Abschnitt analysiert Krisenverarbeitung, pathologische Trauer und die spezifischen Besonderheiten des Trauerns bei Hirntod und Organspende mittels des Modells der Trauerschleuse.
5 Entscheidungen durch Angehörige: Hier werden die Problematik der stellvertretenden Einwilligung, das Erleben der Angehörigen, ihre Entscheidungsgründe sowie Betreuungsangebote und die Stabilität der Entscheidungen untersucht.
6 Diskussion: Die Autorin diskutiert die Forschungsergebnisse, identifiziert einen Mangel an nationalen Studien und reflektiert über die ethischen Aspekte und die notwendige Verbesserung der Betreuung.
7 Fazit: Die Arbeit resümiert, dass der Fokus der Forschung zu stark auf der Organakquise liegt, während die psychische Stabilität und Betreuung der Angehörigen unterrepräsentiert bleibt.
Organspende, Hirntod, Angehörige, stellvertretende Einwilligung, Trauerprozess, Krisenverarbeitung, Todes- oder Trauerschleuse, Transplantationsgesetz, Organspendeausweis, psychische Belastung, Angehörigenbetreuung, Entscheidungsfindung, Ethik, Transplantation, Trauerarbeit.
Die Arbeit befasst sich mit der Psychodynamik von Angehörigen, die bei der Entscheidung über eine Organspende nach dem Hirntod eines geliebten Menschen involviert sind.
Zentrale Themen sind der Trauerprozess bei plötzlichem Tod, die ethischen und rechtlichen Aspekte der stellvertretenden Einwilligung zur Organspende sowie die Möglichkeiten der professionellen Angehörigenbetreuung im Krankenhaus.
Das Ziel ist es, die Entscheidungsgründe von Angehörigen zu analysieren, die Auswirkungen auf deren Trauerbewältigung zu verstehen und Ansätze für eine stabilere Entscheidungsfindung und bessere Betreuung aufzuzeigen.
Die Autorin nutzt eine umfangreiche Literaturrecherche und wertet nationale sowie internationale Studien aus, um den aktuellen Forschungsstand qualitativ zu bewerten.
Der Hauptteil umfasst Definitionen zum Hirntod, die gesetzlichen Rahmenbedingungen, Modelle der Trauerverarbeitung (wie die Trauerschleuse), eine Analyse der Entscheidungsprozesse und eine Untersuchung der Stabilität dieser Entscheidungen.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Organspende, Hirntod, Angehörigenbetreuung, Trauerprozess, stellvertretende Einwilligung und Entscheidungsstabilität charakterisiert.
Das Modell beschreibt den Sterbeprozess nicht als abruptes Ereignis, sondern als einen prozesshaften "Zerdehnung" des Todes, um die Phasen zu verdeutlichen, in denen Angehörige besondere Unterstützung benötigen.
Die Entscheidung findet in einer akuten Ausnahmesituation statt, in der Angehörige oft den Hirntod mental noch nicht erfassen können und gleichzeitig unter dem Druck stehen, einen (vermuteten) Willen des Verstorbenen zu interpretieren.
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