Bachelorarbeit, 2019
44 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Theoretische Verortung
2.1 Identitätsbegriff nach Tajfel / Turner 1986
2.2 Soziale Identität und Ausländerfeindlichkeit
2.3 Rassifizierung und Rassismus
2.3.1 Definition und Entstehung
2.3.2 Beschaffenheit von Rassifizierung
2.3.3 Rassismus und Weiße Hegemonie
2.3.4 Postmoderner Rassismus: Leugnung und Dethematisierung
2.4 Kinder und Differenz
2.5 Kindliche Wahrnehmung sozialer Macht: Power-Consciosness bei Kindern
2.6 Soziale Identität und Zugehörigkeitskonzeption von Kindern im Kontext rassifizierter Machtdifferenzen
3 Forschungsstand
3.1 Differenzforschung
3.2 Differenzforschung im pädagogischen und erziehungswissenschaftlichen Kontext
4 Exkurs: Vermittlung von positiven Konstruktionen des Weißseins und negativen Konstruktionen des Schwarzseins in Kinderliteratur
5 Pädagogisches Handeln im Kontext rassifizierter Machtdifferenzen
5.1 Anti-Bias-Ansatz
5.1.1 Definition
5.1.2 Chancen und Risiken
5.1.3 Zwischenfazit
5.2 Konkrete Handlungsempfehlungen
5.2.1 Alltagserfahrungen von Kindern
5.2.2 Das Selbstbild in Beziehung zur Bezugsgruppen-Identität
5.2.3 Schulung des einfühlsamen Umgangs miteinander
5.2.4 Förderung des kritischen Reflektierens
5.2.5 Befähigen, für sich oder andere einzutreten
6 Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Kinder unter den Bedingungen rassifizierter Machtverhältnisse ihre soziale Identität entwickeln und inwiefern sie rassistische Strukturen wahrnehmen oder selbst übernehmen. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie pädagogische Fachkräfte im Elementarbereich diesen Prozessen durch eine bewusste Auseinandersetzung entgegenwirken können, um eine vorurteilsbewusste Identitätsbildung zu fördern.
Postmoderner Rassismus: Leugnung und Dethematisierung
Typisch für den heutigen Rassismus ist die Leugnung desselben, die sich z.B. in Formeln wie „Ich habe nichts gegen Schwarze, aber...“ äußert. Diese Leugnung findet in allen Bereichen des alltäglichen Lebens statt: Alltagskommunikation, wissenschaftlicher Diskurs, Mediendiskurs und politischer Diskurs. Problematisch ist, dass widersprüchlicher Weise gerade dieser Umgang mit Rassismus zu einer Neukonstruktion bzw. Festigung desselben führt.
Grundlage dieser Entwicklung ist, nach Estel, eine Veränderung des sozialen Anteil in der personalen Identität. Tatsächlich finden Prozesse statt, die einerseits eine Annäherung verschiedener Gruppen ermöglicht, zum anderen aber von einer hochgradigen Individualisierung und Subjektivierung geprägt sind.
In der westlichen Gesellschaft hat sich eine Art „Gleichheitsethos“ durchgesetzt. Vorurteile zu haben gilt als unerwünscht und anstößig. „[K]aum jemand [möchte] das Risiko eingehen[...], als vorurteilsbehaftet bezeichnet oder gebrandmarkt zu werden.“ Die Aufnahme von Vorurteilen oder gar die Kommunikation derselben kann in unserer heutigen westlichen Gesellschaft durchaus zu einer Ausgrenzung der äußernden Person führen. Vorurteile zu besitzen oder gar zu schüren gilt als sozial inakzeptabel und wird dementsprechend geahndet.
1 Einleitung: Die Arbeit thematisiert Identitätsentwicklung im Kindesalter unter dem Einfluss von Machtverhältnissen und setzt den Rahmen für die Analyse von Rassismus und pädagogischen Interventionsmöglichkeiten.
2 Theoretische Verortung: Dieses Kapitel erläutert zentrale Identitätsmodelle und definiert die Prozesse von Rassifizierung, Rassismus und deren Ausprägung als postmoderner Rassismus.
3 Forschungsstand: Hier wird der Überblick über die Differenzforschung gegeben und aufgezeigt, dass der wissenschaftliche Diskurs zur Rassismuswahrnehmung bei Kindern im deutschsprachigen Raum noch unterentwickelt ist.
4 Exkurs: Vermittlung von positiven Konstruktionen des Weißseins und negativen Konstruktionen des Schwarzseins in Kinderliteratur: Der Exkurs analysiert, wie in klassischen und aktuellen Kinderbüchern durch Sprache und Rollenbilder rassistische Stereotype und Machtverhältnisse vermittelt werden.
5 Pädagogisches Handeln im Kontext rassifizierter Machtdifferenzen: Dieses Kapitel führt den Anti-Bias-Ansatz als Methode ein und gibt konkrete Handlungsempfehlungen zur Förderung eines vorurteilsbewussten, empathischen und kritisch reflektierenden Umgangs in der pädagogischen Praxis.
6 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit, Rassismus nicht durch „Farbenblindheit“ zu dethematisieren, sondern aktiv in der pädagogischen Arbeit aufzugreifen.
Soziale Identität, Rassifizierung, Rassismus, Weiße Hegemonie, Power-Consciousness, Anti-Bias-Ansatz, Differenzforschung, Kinderliteratur, Vorurteilsbewusste Pädagogik, Empowerment, Diskriminierung, Machtverhältnisse, Kindesentwicklung, Identitätsbildung, Soziale Zugehörigkeit
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der sozialen Identität von Kindern in einer Gesellschaft, die von rassifizierten Machtverhältnissen geprägt ist, und wie pädagogische Einrichtungen darauf reagieren können.
Die zentralen Themen sind Identitätstheorie, Rassismusforschung, die Auswirkungen von Medien und Kinderliteratur auf die kindliche Weltsicht sowie die praktische Anwendung des Anti-Bias-Ansatzes.
Die Arbeit untersucht, ob und wie Kinder rassifizierte Machtverhältnisse wahrnehmen, und welche pädagogischen Konzepte erforderlich sind, um dieser Wahrnehmung vorurteilsbewusst und empowernd zu begegnen.
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit identitätstheoretischen Ansätzen, der aktuellen Rassismusforschung und der Analyse pädagogischer Handlungsempfehlungen, insbesondere des Anti-Bias-Konzepts.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Verortung (inkl. Rassismusbegriff), einen Forschungsüberblick, einen Exkurs zur Kinderliteratur sowie ein umfangreiches Kapitel zu praktischen pädagogischen Handlungsempfehlungen.
Die wichtigsten Begriffe sind soziale Identität, Rassifizierung, Anti-Bias-Ansatz, Vorurteilsbewusste Pädagogik, Machtverhältnisse und kindliche Identitätsentwicklung.
Der Ansatz wird hervorgehoben, weil er beschuldigungsfreie Räume schafft, in denen sowohl Kinder als auch Fachkräfte eigene Erfahrungen reflektieren und Empathie sowie Widerstandskräfte gegen Diskriminierung entwickeln können.
Die Arbeit kritisiert „Farbenblindheit“ als kontraproduktiv, da sie bestehende rassistische Strukturen im Alltag ignoriert, diese damit unkommentiert lässt und somit zur Festigung von Vorurteilen bei Kindern beiträgt.
Kinder nehmen Unterschiede bereits ab einem sehr frühen Alter wahr, bilden eigene Theorien dazu und sind durch ihr direktes Umfeld (Familie, Erzieher, Medien) ständig Lernprozessen ausgesetzt, in denen sie gesellschaftliche Machtstrukturen in ihr Selbstbild integrieren.
Es wird gefordert, dass Fachkräfte sich ihrer eigenen Haltung bewusst werden, „Farbenblindheit“ überwinden, rassistische Inhalte (auch in Büchern) kritisch mit Kindern reflektieren und die Kinder in ihrer Fähigkeit stärken, Diskriminierung entgegenzutreten.
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