Masterarbeit, 2019
145 Seiten, Note: 2,0
Vorwort
1. Einleitung
1.1 Problemlage und Fragestellung
1. 2 Forschungsstand
1.3 Geschlechtergeschichtliche Perspektive der Untersuchung
2. Theoretische Aspekte zu Männlichkeit und Jungenpädagogik
2.1 Männliche Sozialisation und der Zwang der anscheinenden Überlegenheit gegenüber Frauen und Mädchen
2.2 Historische Annäherung an eine Jungenpädagogik bis 1985: Geschlechtererziehung, Koedukation und Jugendarbeit
3. Zur methodologischen Umsetzung der Fragestellung
3.1 Zum wissensgeschichtlichen Forschungsansatz
3.1.1 Wissensgeschichte - Was ist die Geschichte des Wissens und welcher Wissensbegriff liegt ihr zu Grunde?
3.1.2 Wissensgeschichte und diskurstheoretische Elemente
3.1.3 Die vier Untersuchungselemente des wissensgeschichtlichen Forschungsansatzes
3.2 Grenzen des wissensgeschichtlichen Forschungsansatzes
4. Das Dispositiv als Bezugssystem von sozialen, kulturellen und politischen Wissensordnungen
4.1 Theoretische Annäherung
4.2 Eine Zeit des Umdenkens: Sozialgeschichtliche Dynamiken der 1960er-, 1970er- und 1980er-Jahre als Bedingungen der Entstehungsmöglichkeiten einer modernen Jungenpädagogik
4.2.1 Die Hippie-Bewegung als Beginn eines globalen Umdenkungsprozess
4.2.2 Die 68er-Bewegung(en) als Beginn eines deutschen Umdenkungsprozesses
4.2.3 Die Zweite Frauenbewegung als Bezugspunkt eines männlichen Umdenkungsprozesses
4.2.4 Die Schwulenbewegungen als Umdenkungsprozess der tradiert-maskulinen Lebensweisen in Westdeutschland
4.2.5 Männer in Bewegung und die Krise des Mannes als Resultat eines Umdenkungsprozesses der Gesellschaft und Geschlechter
4.3 Soziokulturelle Dynamiken der Kulturgesellschaft der 1970er- und 1980er-Jahre in Deutschland: Interdependenz der sozialen Bewegungen und der Kulturgesellschaften Theater, Film und Musik
4.3.1 Theater
4.3.2 Film
4.3.3 Musik
4.4 Einfluss der sozialgeschichtlichen und -kulturellen Dynamiken auf politische Entscheidungen
4.5 Zwischenfazit (1)
5. Geschlechtsbezogene Ansätze der modernen Jungenpädagogik
5.1 Der Ansatz „Antisexistische Jungenarbeit“
5.1.1 Der Beginn der Alten Molkerei Frille
5.1.2 Antisexistische Jungenarbeit
5.1.2.1 Antisexistische Jungenarbeit bei der Heimvolkshochschule Alte Molkerei Frille (1988)
5.1.2.2 Der Ansatz „Antisexistische Jungenarbeit“ nach Holger Karl (1994)
5.1.2.3 Infomaterial für Fortbildungen zu geschlechtsbezogener Pädagogik in der Alten Molkerei Frille (1990 - 1994)
5.2 Der Ansatz „Kritische Jungenarbeit“
5.2.1 Der Ansatz „Kritische Jungenarbeit“ nach Lothar Böhnisch (1987)
5.2.2 Der Ansatz „Kritische Jungenarbeit“ nach Reinhard Winter (1991)
5.3 Der Ansatz „Emanzipatorische Jungenarbeit“ nach Michael Schenk (1991)
5.4 Der Ansatz „Reflektierte Jungenarbeit“ nach Uwe Sielert (1989)
5.5 Zwischenfazit (2)
6. Analyse der dargestellten Ansätze einer Jungenarbeit im Verhältnis zum entwickelten Dispositiv
6.1 Herausgearbeitete Wissensfelder und Wissensordnungen
6.2 Die Produktion und Zirkulation von geschlechtsbezogenem pädagogischem Wissen im Zusammenhang mit Umdenkungsprozessen der Gesellschaft
6.3 Versuch einer Beantwortung der Fragestellung
7. Fazit
Diese Arbeit zielt darauf ab, die Wissensgeschichte der Jungenpädagogik im Zeitraum von 1985 bis 1995 zu rekonstruieren, indem sie die Produktion und Zirkulation geschlechtsbezogener Wissensaspekte untersucht und dabei die Einflüsse sozialgeschichtlicher Dynamiken und gesellschaftlicher Diskurse herausarbeitet.
1.1 Problemlage und Fragestellung
Die Geschlechterstrukturen der postmodernen Welt und ihre historischen Entwicklungen mögen paradox anmuten. So scheint heutzutage naiv, Virginia Woolfs (1987/1938: 25) Zitat „Obwohl wir die selbe Welt erblicken wie ihr, sehen wir sie mit anderen Augen“, auf eine rein weibliche Perspektive zu reduzieren. Viel eher gilt doch, dass jeder Mensch die selbe Welt mit wechselseitigen Augenlicht und Schattenspielen und differenten Perspektiven erblickt. Manchmal ist man sich nicht mal sicher, ob man tatsächlich dieselbe Welt erblickt. Die familiäre und schulische Erziehung sowie soziokulturelle Einflüsse formen den Menschen und seinen Charakter im Laufe seiner Sozialisation zu einer unikalen Einzelpersönlichkeit. Und kaum ein Individuum würde sagen: „Ja, ich fühle und denke, schmecke und rieche genau wie du. Wenn ich von der Farbe Grün spreche oder den Duft einer Tulpe beschreibe, ist es dasselbe Grün und derselbe Geruch, welchen du vor deinem geistigen Auge siehst und wahrnimmst“. Ich weiß oder meine zu wissen, was du meinst, bekommt in dieser Betrachtung unlogische Eigenarten.
Das Paradoxe der Geschlechterstrukturen liegt an ihrer Unvollkommenheit, genauer gesagt an ihrer Dekonstruktion. Judith Butler (1995) hat Geschlechtlichkeit aus ihrer biologischen Determiniertheit herausgebrochen und mit diversen Sozialkonstruktivisten der postmodernen Zeit in den Raum des Paradoxen gestellt. Das auf immer Geltende, die natürliche Geschlechterhierarchie, die Determiniertheit der Chromosomenpaare und der ewige Kampf der Sexualhormone Testosteron und Östrogen wurden wider den Erwartungen neu strukturiert und geordnet, aufgelöst und zerbrochen. Gefestigtes Wissen, anscheinender Einklang über die Weiblichkeit und die Männlichkeit des binären Geschlechtersystems, wurden radikal in Frage gestellt und ermöglichte gleichzeitig eine Revision und Modifikation des bestehenden Geschlechterwissens.
1. Einleitung: Vorstellung der Problemlage, der Forschungsrelevanz und der geschlechtergeschichtlichen Perspektive der Arbeit.
2. Theoretische Aspekte zu Männlichkeit und Jungenpädagogik: Untersuchung der männlichen Sozialisation und historischer Ansätze zur Jungenpädagogik vor 1985.
3. Zur methodologischen Umsetzung der Fragestellung: Erläuterung des wissensgeschichtlichen Forschungsansatzes nach Sarasin und Foucault sowie dessen Grenzen.
4. Das Dispositiv als Bezugssystem von sozialen, kulturellen und politischen Wissensordnungen: Analyse des Dispositiv-Begriffs und der soziokulturellen Dynamiken (Bewegungen, Theater, Film, Musik) in den 1960er bis 1980er Jahren.
5. Geschlechtsbezogene Ansätze der modernen Jungenpädagogik: Detailanalyse spezifischer Ansätze wie Antisexistische, Kritische, Emanzipatorische und Reflektierte Jungenarbeit.
6. Analyse der dargestellten Ansätze einer Jungenarbeit im Verhältnis zum entwickelten Dispositiv: Synthese der Ergebnisse hinsichtlich der Wissensproduktion und Zirkulation im untersuchten Zeitraum.
7. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Ausblick auf die Bedeutung der Wissensgeschichte für die pädagogische Praxis.
Jungenpädagogik, Wissensgeschichte, Männliche Sozialisation, Dispositiv, Geschlechterwissen, 68er-Bewegung, Antisexistische Jungenarbeit, Kritische Jungenarbeit, Emanzipatorische Jungenarbeit, Reflektierte Jungenarbeit, Sozialisation, Machtverhältnisse, Geschlechterstrukturen, Wissensordnungen, Pädagogische Identität
Die Arbeit untersucht die Wissensgeschichte der Jungenpädagogik im Zeitraum von 1985 bis 1995 unter Berücksichtigung sozialgeschichtlicher Einflüsse.
Im Zentrum stehen die Entwicklung des Wissens über Männlichkeit, die Auswirkungen sozialer Bewegungen auf die Pädagogik und die Analyse spezifischer Ansätze der Jungenarbeit.
Ziel ist es, zu eruieren, inwieweit sich ein spezifisches pädagogisches Geschlechterwissen (insbesondere Männer- und Jungenwissen) in der Dekade 1985–1995 etabliert und verändert hat.
Der Autor nutzt einen wissensgeschichtlichen Forschungsansatz, der sich stark an Phillip Sarasin und Michel Foucault orientiert, um Wissensordnungen und Diskurse zu analysieren.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die methodologische Erläuterung, die Analyse des Dispositivs als Bezugssystem sowie die detaillierte Untersuchung vier verschiedener Ansätze der Jungenarbeit.
Wichtige Begriffe sind Wissensgeschichte, Männliche Sozialisation, Dispositiv, Jungenpädagogik und Geschlechterwissen.
Das Dispositiv fungiert als theoretisches Bezugssystem, das hilft, die Interdependenz zwischen sozialen Bewegungen, kulturellen Einflüssen und der pädagogischen Wissensproduktion zu verstehen.
Die 68er-Bewegung wird als ein zentraler Ausgangspunkt für Umdenkungsprozesse gesehen, der gesellschaftliche Strukturen und binäre Geschlechternormen radikal in Frage stellte und damit den Boden für neue Ansätze in der Jungenarbeit bereitete.
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