Examensarbeit, 2019
45 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Märchen
2.1. Kunstmärchen
2.2. Volksmärchen
2.3. Hexe und Stiefmutter im Märchen
3. Die Gebrüder Grimm
3.1. Die Frauenfiguren in den Märchen der Gebrüder Grimm
3.1.1. Die Frau als passiver Typ
3.1.2. Die aktive Frau
3.1.3. Die Frau zwischen Aktiv und Passiv
3.1.4. Die bösen Figuren
3.1.5. Die Frau als gute Figur
4. Schneewittchen
4.1. Inhaltsangabe
4.2. Analyse und Interpretation von Schneewittchen
4.3. Filmische Umsetzung des Märchens Schneewittchen
5. Fazit
Diese Arbeit untersucht die Darstellung und Typisierung weiblicher Figuren in den Märchen der Gebrüder Grimm, insbesondere am Beispiel von Schneewittchen. Dabei wird analysiert, wie sich das Frauenbild zwischen passiven, aktiven und ambivalenteren Rollenmodellen bewegt und inwiefern diese Stereotype in literarischen und filmischen Umsetzungen reflektiert werden.
3.1.1. Die Frau als passiver Typ
Wie sich vielleicht schon anhand der Betrachtung der Biografie der Gebrüder Grimm erkennen lässt, waren sie der Ansicht, dass das Ideal der Frau eine eher passive Haltung einzunehmen und nach den Wünschen sowie Regeln des Mannes zu leben hat. Damit vertraten sie allerdings auch den damaligen Zeitgeist, der die Frau als wenig bis gar nicht emanzipiert sah. Von ihr wurde erwartet, dass sie sich brav und ruhig dem ehelichen Haushalt und der Kindererziehung hingibt, während sich der Mann durch Tapferkeit und Mut auszeichnet. Eine aus heutiger Sicht undenkbare Vorstellung. „Es ist darum kein Zufall, dass am Ende des 20. Jahrhunderts aus sozialkritischer und insbesondere aus feministischer Sicht gerade die Frauenauffassung den Grimmschen Märchen die meiste Kritik eingebracht hat.“
Insgesamt lassen sich viele weibliche Figuren in den Märchen der Gebrüder Grimm finden, die stellvertretend für den Typus der passiven Frau stehen. Dabei stellt die Figur des Dornröschens das Beispiel schlechthin dar. Zwar findet sie alleine den Weg zur für sie gefährlichen Spindel, verfällt nach dem Stich aber einen hundertjährigen Schlaf, in welcher Zeit sie keine aktiven Handlungen vollziehen kann und auf die Rettung durch den Prinzen angewiesen ist. Selbst die Hochzeit mit dem Prinzen nach ihrem Erwachen stellt keine aktive Handlung dar, da sie keine Wahlfreiheit besitzt. „Das exemplarische weibliche Rollenverhalten ist klar: Ein schönes Mädchen hat nicht zu agieren, sondern zu warten, bis der Richtige vorbeikommt.“ Ähnlich ergeht es den Figuren Schneewittchen und Rotkäppchen. Beide nehme eine passive Rolle ein und warten auf Hilfe von außerhalb. Während die eine im gläsernen Sarg ebenfalls auf einen Prinzen wartet, hofft die andere auf Rettung aus dem Wolfsmagen. Es wird deutlich, dass die Hauptaufgabe der weiblichen Figuren darin besteht, schön und abwartend zu agieren, um nach einer eventuellen Rettung dem Klischee des sozialen Frauenbildes zu entsprechen. Die passive Frau steht, neben ihrer Idealisierung des hilflos Schönen, für die unterdrückte Frau der damaligen Zeit.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung des Märchens als Gattung ein und umreißt die Zielsetzung, die Frauenfiguren bei den Brüdern Grimm zu analysieren.
2. Märchen: Dieses Kapitel definiert den Begriff Märchen, unterscheidet zwischen Volks- und Kunstmärchen und erläutert zentrale Merkmale wie Abstraktion und Isolation.
3. Die Gebrüder Grimm: Neben biografischen Daten der Brüder Grimm wird hier die Einordnung weiblicher Figuren in verschiedene Kategorien (passiv, aktiv, böse, gut) dargelegt.
4. Schneewittchen: Dieses Kapitel liefert eine Inhaltsangabe sowie eine detaillierte Analyse der Rollenbilder in Schneewittchen und vergleicht diese mit einer filmischen Adaption.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass in den Märchen der Gebrüder Grimm vielfältige, teils stereotype Frauenbilder existieren, die das damalige gesellschaftliche Rollenverständnis widerspiegeln.
Märchen, Gebrüder Grimm, Frauenbild, Schneewittchen, Stiefmutter, Hexe, Rollenstereotype, passive Frau, aktive Frau, Literaturanalyse, filmische Umsetzung, Volksmärchen, Geschlechterrollen, Interpretation, Weiblichkeit
Die Arbeit befasst sich mit der Darstellung von Frauenfiguren in den gesammelten Märchen der Gebrüder Grimm.
Im Zentrum stehen die Kategorisierung weiblicher Rollenmodelle, der Einfluss historischer Zeitgeister auf diese Darstellungen sowie der Vergleich zwischen literarischer Vorlage und filmischer Interpretation am Beispiel von Schneewittchen.
Das Ziel ist es, die vielfältigen und teils ambivalenten Frauenbilder in den Grimmschen Märchen zu identifizieren und zu untersuchen, wie diese zwischen Passivität und Aktivität typisiert werden.
Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Analyse und Interpretation der Märchentexte sowie auf einen vergleichenden Blick auf filmische Adaptionen unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Märchenbegriffs, die Biografie der Grimms, die Typologie weiblicher Figuren und die vertiefende Analyse des spezifischen Märchens Schneewittchen.
Schlüsselbegriffe sind Märchen, Gebrüder Grimm, Frauenbild, Stiefmutter-Motiv, Rollenstereotype und Literaturwissenschaft.
Die Stiefmutter fungiert häufig als Gegenpol zur "guten" Heldin; ihre Darstellung verdeutlicht das gesellschaftliche Bedürfnis, das Böse auf eine spezifische, oft historisch geprägte Frauenfigur zu projizieren.
Schneewittchen wird als klassisches Beispiel für eine "passive" Heldin angeführt, deren Handlungspotenzial stark durch äußere Umstände und die Hilfe männlicher oder helfender Figuren begrenzt ist.
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