Fachbuch, 2020
95 Seiten
1 Einleitung
1.1 Thematische Einführung
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Der Weg in den Jugendstrafvollzug
2.1 Soziokulturelle/familiäre Hintergründe
2.2 Psychische Hintergründe
2.3 Juristische Hintergründe
3 Der Jugendstrafvollzug
3.1 Grundlagen
3.1.1 Rechtliche Grundlagen
3.1.2 Gestaltungsgrundsätze
3.2 Alltag: Möglichkeiten, Aufgaben und Pflichten
3.2.1 Alltag der Jugendlichen
3.2.2 Aufgaben der sozialen Arbeit
3.3 Resozialisierung als Ziel des Jugendstrafvollzugs
3.3.1 Resozialisierungsgedanke
3.3.2 Resozialisierungsmaßnahmen
3.4 Kritik: Jugendstrafvollzug und Resozialisierungsmaßnahmen
4 Dimensionen von Körper und Leib
4.1 Körper und Leib
4.2 Neue Phänomenologie – Hermann Schmitz
4.3 Der Dackelblick
5 Tiergestützte Intervention
5.1 Hintergründe
5.1.1 Mensch-Tier-Beziehung
5.1.2 Mensch-Tier-Kommunikation
5.1.3 Wirkung der Tiere auf den Menschen
5.2 Formen
5.3 Voraussetzungen
5.3.1 Fachpersonal
5.3.2 Empfänger*in
5.3.3 Auswahl des Tieres
5.3.4 Tierschutz und Hygiene
5.4 Wirkung der TGI
6 Konzept: Leiborientierte Intervention durch Hunde im Jugendstrafvollzug
6.1 Aktueller Forschungsstand
6.2 Projekte im Strafvollzug
6.2.1 Vechta: Jugendstrafvollzug
6.2.2 Neustrelitz: Jugendstrafvollzug
6.2.3 Gig Harbor: Washington Correction Center for Women
6.2.4 Norco: Männerstrafvollzug
6.2.5 Woodburn: McLaren Juvenile Corretional Facility
6.3 Konzeptentwicklung
6.3.1 Beweggründe
6.3.2 Idee
6.3.3 Voraussetzung
6.3.4 Umsetzung
6.4 Kritischer Diskurs
7 Fazit
7.1 Schlussbetrachtung
7.2 Persönliche Schlussbotschaft – Aufruf zum Handeln
Die Arbeit entwickelt ein innovatives Konzept der tiergestützten Intervention (TGI) durch Hunde im Jugendstrafvollzug, um die hohe Rückfallquote durch einen leiborientierten Ansatz zur Resozialisierung zu senken und inhaftierten Jugendlichen neue Lebensperspektiven zu eröffnen.
Der Dackelblick
Robert Gugutzer und Natascha Holtermann zeigen unter der Überschrift „Phänomenologie einer besonderen Hund-Mensch-Vergemeinschaftung“ die soziale Bedeutung des Hundeblicks für die Interaktion zwischen Mensch und Hund auf. Der Dackel scheint eine besondere Fähigkeit zu haben, seinen Blick einzusetzen. Es gibt im Deutschen sogar den Ausdruck ‚Dackelblick‘, welcher für keine andere Hunderasse existiert. Auch beim Menschen findet dieser Begriff Anwendung. Männern bspw. wird nachgesagt, dass diese bei der Partnersuche oder in der partnerschaftlichen Interaktion einen ‚Dackelblick‘ aufsetzen, um das Gegenüber günstig zu beeinflussen. Die Kommunikation zwischen Dackel und Mensch findet nonverbal statt, wobei der Blick hier eine wesentliche Bedeutung hat. Misslingt die Kommunikation, so ist dies in der unzureichenden Beobachtungsgenauigkeit dem Tier gegenüber begründet. Die soziale Beziehung und Verständigung zwischen beiden Individuen wird durch den Blickkontakt aufgebaut.
Gugutzer und Holtermann stellen die These auf: „Am Dackelblick zeigt sich exemplarisch, dass in den Grenzen des Sozialen nicht allein menschliche Akteure wohnen, sondern ebenso Hunde oder andere (Haus-)Tiere. Hunde gilt es deshalb als dem Menschen formal gleichwertige soziale Akteure anzuerkennen und Soziologie dementsprechend als transhumane Soziologie zu entwerfen“. Wenn davon ausgegangen wird, dass das Soziale durch das sprachliche und symbolische Zusammenspiel von Menschen entsteht, fragt sich, welche Bedeutung nonverbale Phänomene, Tiere und Dinge in der Soziologie haben.
1 Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die Kritik am Jugendstrafvollzug, stellt die Forschungsfrage nach einer leiborientierten Intervention vor und gibt einen Überblick über den Aufbau der Arbeit.
2 Der Weg in den Jugendstrafvollzug: Dieses Kapitel analysiert die soziokulturellen, psychischen und juristischen Hintergründe, die Jugendliche in die Straffälligkeit und schließlich in den Freiheitsentzug führen.
3 Der Jugendstrafvollzug: Hier werden die rechtlichen Grundlagen, der Alltag und die bestehenden Resozialisierungsmaßnahmen des Jugendstrafvollzugs kritisch untersucht.
4 Dimensionen von Körper und Leib: In diesem Teil werden die Begriffe Körper und Leib theoretisch differenziert und die Bedeutung der Neuen Phänomenologie nach Hermann Schmitz für die leibliche Selbsterfahrung dargelegt.
5 Tiergestützte Intervention: Dieses Kapitel erarbeitet die Hintergründe der Mensch-Tier-Beziehung, verschiedene Formen der TGI sowie die notwendigen Voraussetzungen für Fachpersonal und Empfänger.
6 Konzept: Leiborientierte Intervention durch Hunde im Jugendstrafvollzug: Hier wird das Kernkonzept der Arbeit entwickelt, bestehende Projekte analysiert und die praktische Umsetzung sowie der kritische Diskurs zur Integration von Hunden im Strafvollzug diskutiert.
7 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen, reflektiert die Notwendigkeit eines Systemwechsels im Jugendstrafvollzug und endet mit einem persönlichen Aufruf zum Handeln.
Jugendstrafvollzug, Resozialisierung, Tiergestützte Intervention, TGI, Leib, Körper, Neue Phänomenologie, Hermann Schmitz, Hund-Mensch-Beziehung, Soziale Arbeit, Kriminalprävention, Rückfallquote, Soziale Kompetenz, Empathie, Persönlichkeitsentwicklung.
Die Arbeit untersucht, wie tiergestützte Interventionen (TGI), speziell der Einsatz von Hunden, als leiborientierte Maßnahme die Resozialisierung jugendlicher Straftäter fördern und deren Persönlichkeitsentwicklung positiv beeinflussen kann.
Zentrale Themen sind der Jugendstrafvollzug, die phänomenologische Betrachtung von Leib und Körper, die Theorie der Mensch-Tier-Beziehung sowie die praktische Konzeptentwicklung für ein TGI-Projekt in Haftanstalten.
Das Hauptziel ist die Entwicklung eines innovativen, leiborientierten Konzeptes für den Jugendstrafvollzug, um durch die Arbeit mit Hunden Empathie, Verantwortungsbewusstsein und soziale Kompetenzen der Jugendlichen zu stärken.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, der Einbeziehung existierender nationaler und internationaler Projekte sowie der theoretischen Herleitung durch die Neue Phänomenologie von Hermann Schmitz und soziologische Erkenntnisse über Leiblichkeit.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Hintergründe von Straffälligkeit, die Untersuchung des aktuellen Vollzugssystems, die theoretische Fundierung von Körper und Leib sowie die detaillierte Darstellung und Planung des Konzepts der Hunde-gestützten Intervention.
Die wichtigsten Schlagworte sind Resozialisierung, TGI (Tiergestützte Intervention), Leiblichkeit, Zwangskontext im Strafvollzug, soziale Kompetenz und die Beziehung zwischen Mensch und Tier.
Die Autorin argumentiert, dass der Vollzug primär kognitiv ansetzt, während die Ursachen für Delinquenz oft in leiblichen Ohnmachtserfahrungen liegen. Eine leiborientierte Intervention kann diese Blockaden lösen und eine nachhaltigere Persönlichkeitsentwicklung fördern.
Der Dackelblick dient als Beispiel für eine leiblich-affektive Kommunikation zwischen Mensch und Tier, die ohne Sprache eine soziale Wirkung erzielt und so als Katalysator für Empathie und emotionale Öffnung bei den Jugendlichen fungiert.
Das Konzept sieht vor, dass inhaftierte Jugendliche Hunde aus Tierheimen zu Begleithunden ausbilden. Dies fördert durch tägliche Pflege und Training Verantwortung, soziale Bindung und bietet durch eine Zertifizierung eine berufliche Perspektive für die Zeit nach der Haft.
Die Autorin betont die Notwendigkeit strikter Regeln und intensiver Aufsicht. Sie verweist darauf, dass die Tiere oft als einzige soziale Bezugspersonen fungieren und das Risiko bei korrekter Anbindung und Anleitung durch Fachpersonal minimiert werden kann.
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