Bachelorarbeit, 2017
60 Seiten, Note: 1,3
I.Einleitung
II.Die museale Repräsentation des Bronze Davids
2.1.Der erste Eindruck
2.2.Der Saal des hohen Rats im Museum Bargello
III.Erster Versuch einer Datierung durch einen Stilvergleich
3.1.Der Paukenschlag der Frührenaissance und des Humanismus
3.2.Der Bronze David als Gipfel von Donatellos Können?
IV.Zweiter Versuch einer Datierung durch die Untersuchung der politischen Dimension des Bronze Davids
4.1.Der Bronze David und der Marmor David im Vergleich zur Bibelgeschichte
4.2.Der Bronze David und der Marmor David als politische Wahrzeichen
4.3.Der Bronze David im Medicipalast und im Palazzo Vecchio
V.Der Bronze David als Symbol für Homoerotik
5.1.Homosexualität und Päderastie in der italienischen Renaissance
5.2.Platons Liebestheorie als Vorbild für das humanistische Bildungsbürgertum
5.3.Der Bronze David und der Amor Atys als Lustknaben
VI.Fazit
Die Arbeit untersucht Donatellos Bronze David als komplexes Kunstobjekt, das sowohl ikonografische, politische als auch homoerotische Dimensionen vereint. Ziel ist es, durch die Analyse von Entstehungsgeschichte, Stilentwicklung und Auftragslage eine fundierte Einordnung sowie eine eigenständige Deutung des Werkes im Kontext des Renaissance-Humanismus zu formulieren.
2.1.Der erste Eindruck
Im Museum Bargello in Florenz tritt der Bronze David wie ein jugendlicher Cupido in Erscheinung, welcher nach vollbrachter Tat, in sich gekehrt wirkt. Er ist fast nackt, erhöht auf einer Marmorsäule aufgestellt. Dunkel, glänzend und glatt poliert - je nach Lichteinfall changiert seine Farbe von Scharlachrot zu Schwarz oder zu goldenem Braun. Auf Augenhöhe des Museumsbesuchers findet sich sein Geschlecht ein. Schaut dieser nach oben, späht er zu ihm empor in seinen ruhigen, ins Unendliche führenden Blick. Dicke, lange Locken fallen ihm über seine Schultern und umrahmen mitsamt Hirtenhut sein zartes Gesicht. Die Hutspitze ist geformt wie der Stiel einer Frucht und mit Blättern verziert. Eine weitere Blätterranke dient als Hutband. Die Krempe sitzt tief und verschattet aus bestimmten Blickwinkeln Davids Gesicht. Sein Hals ist angespannt, denn die Sehnen treten deutlich hervor. Brust und Arme sind drahtig und noch nicht vollständig zu einem männlichen Körper herangewachsen. Unter seiner Brust sind erste Andeutungen von weichen Muskeln zu erkennen, welche jedoch durch die Wölbung des Unterbauches unterbrochen werden. Diese Wölbung sowie die gesamte Plastik sind poliert und betonen somit Davids weiblich anmutende Rundungen.
Das männliche Geschlecht ist klein, aber in seiner vollen Pracht und unverdeckt zur Schau gestellt. Die Davidfüße tragen hohe, kunstvoll verarbeitete Stiefel, welche die Zehen frei lassen. Mit leichtem Druck presst er seinen linken Fuß auf das Haupt von Goliath. Ein Bein ist angewinkelt, um die Balance zu halten. Seine linke Hand ist als Ausgleich zu seiner Pose auf die Hüfte gestützt und hält das Wurfgeschoss versteckt, bereit noch einmal eingesetzt zu werden. Die andere Hand bohrt mithilfe eines langen Schwertes in den Helm von Goliath hinein. Goliaths Kopf ruht friedlich auf einem großen Kranz aus Blättern, welcher auch gleichzeitig die Basis der Figurengruppe bildet. Goliath trägt einen langen Bart, dessen Haare sich in den Zehen Davids verfangen sowie einen prachtvollen Flügelhelm. Dieser ist mit zwei Reliefs verziert. In den Reliefs ist ein Triumphwagen zu erkennen, welcher von Putten bemannt und gezogen wird. Rückseitig betrachtet ist einer der Flügel des Helms zu sehen, der zwischen Davids Beinen hinaufragt und beinahe seinen Schambereich berührt. Darüber glänzt Davids kleines Gesäß.
I.Einleitung: Einführung in das Thema, Vorstellung des Bronze Davids, Relevanz des Themas sowie Methodik der Arbeit.
II.Die museale Repräsentation des Bronze Davids: Beschreibung der ästhetischen Erscheinung der Statue und des Aufstellungsortes im Bargello.
III.Erster Versuch einer Datierung durch einen Stilvergleich: Analyse der künstlerischen Entwicklung Donatellos im Kontrast zu Zeitgenossen zur Eingrenzung der Entstehungszeit.
IV.Zweiter Versuch einer Datierung durch die Untersuchung der politischen Dimension des Bronze Davids: Erörterung der politischen Symbolik der Plastik im Vergleich zum Marmor David und der Auftragslage durch die Medici.
V.Der Bronze David als Symbol für Homoerotik: Untersuchung der androgynen Formgebung, homoerotischer Anspielungen und ihrer Deutung im humanistischen Kontext.
VI.Fazit: Zusammenführung der Ergebnisse zu einer schlüssigen Einordnung des Kunstwerks.
Donatello, Bronze David, Renaissance, Humanismus, Florenz, Medici, Homoerotik, Päderastie, Stilvergleich, Marmor David, Politische Symbolik, Kunstgeschichte, Skulptur, Antike, Goliath.
Die Arbeit behandelt die Interpretation und Datierung des von Donatello geschaffenen Bronze Davids in seinem historischen, politischen und gesellschaftlichen Kontext der italienischen Renaissance.
Zentrale Themen sind die stilistische Einordnung der Plastik, ihre politische Funktion als Wahrzeichen der Familie Medici und die Analyse der homoerotischen bzw. päderastischen Symbolik.
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, wie sich die scheinbar widersprüchlichen Aspekte eines politischen Machtsymbols und homoerotischer Darstellungen in einer gemeinsamen Interpretation vereinen lassen.
Die Untersuchung basiert auf einer Kombination aus Stilanalysen, dem Vergleich mit zeitgenössischen Werken und der Auswertung kunsthistorischer Quellen sowie soziokultureller Studien zur Renaissance.
Im Hauptteil erfolgen eine stilgeschichtliche Datierung, eine Untersuchung der politischen Dimension (insbesondere im Vergleich zum Marmor David) und eine tiefgehende Analyse der homoerotischen Bildsprache.
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Donatello, Bronze David, Humanismus, Medici, Homoerotik und politische Macht definieren.
Er wird als usurpierte Symbolfigur gedeutet, mit der die Medici nach ihrem Aufstieg und der Konsolidierung ihrer Macht ihren Status als Schutzherren von Florenz und als moralische Instanz propagierten.
Der Humanismus liefert den ideologischen Rahmen, in dem antike Tugenden, philosophische Konzepte wie Platons Liebestheorie und eine stilisierte Darstellung des menschlichen Körpers miteinander verknüpft wurden, um Bildung und Tugendhaftigkeit zu legitimieren.
Es fehlen eindeutige schriftliche Belege zur Auftragslage, weshalb sich die Forschung auf stilistische Vergleiche und die Interpretation politischer Ereignisse stützen muss, was zu unterschiedlichen Datierungsvorschlägen führt.
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