Bachelorarbeit, 2019
63 Seiten, Note: 3,0
Einleitung
Hintergrundteil I
Rassismus
Institutioneller Rassismus
Hintergrundteil II
Ermittlungsverfahren nach dem Schema F der Polizei
Vernehmungen der Polizei
Hintergrundteil III
Was ist der NSU
Wie ist der NSU entstanden
1998-2011: Der NSU wütet über Deutschland
Hintergrundteil IV
NSU Prozess in München
Untersuchungsausschüsse
Theorie (Meine Familie unter Verdacht?)
Wer von rechtem Terror und NSU spricht, darf vom Rassismus nicht schweigen!
Diskussion
Untersuchungsausschuss des Bundestages
Bericht der Zivilgesellschaft
Der Fall Lawrence
Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Angehörige der Opfer der NSU-Mordserie die polizeilichen Ermittlungen erlebt haben und weiter erleben. Im Fokus steht dabei die Analyse der polizeilichen Herangehensweise und die damit verbundene Stigmatisierung der Hinterbliebenen durch eine einseitige Fokussierung auf die organisierte Kriminalität, sowie die Aufarbeitung dieses institutionellen Versagens.
Theorie (Meine Familie unter Verdacht?)
Im Buch „Schmerzliche Heimat“ schrieb Semyia Şimşek ihre Erlebnisse nieder. Zur Zeit des Anschlags wohnte sie seit einer Weile in einem Internat in Aschaffenburg. Das Internat liegt ca. 200 Kilometer von ihren Eltern in Nürnberg entfernt und dem Ort, an dem sie aufwuchs. Semyia war zu diesem Zeitpunkt 14 Jahre alt. An einem Sonntag wurde Semyia nachts von einer Betreuerin des Internats geweckt. Sie wurde gebeten ihre Sachen zu packen, auch Zahnbürste und Waschsachen. Ohne zu erfahren was los ist, wurde ihr erklärt das gleich jemand kommt, um sie abzuholen. Vor dem Haus wartete ein Cousin ihres Vaters und ein Bekannter. Sie sagten ihr, dass der Vater krank sei und in einem Krankenhaus in Nürnberg liegt. Auf der Fahrt herrschte Stille, keiner sagte etwas. Im Nachhinein berichtete Semyia, dass sie zu diesem Zeitpunkt ein starkes Unwohlsein verspürte. Als Semyia und ihre Begleiter im Krankenhaus eintrafen, warteten dort schon andere Verwandte und Bekannte ihrer Familie. Sie sagten ihr, dass auch ihr Bruder auf dem Weg zum Krankenhaus sei. Ihr Bruder Abdulkerim war auch in einem weit entfernten Internat untergebracht. Sie alle gemeinsam warteten nun in einem Flur im Krankenhaus. Nach einiger Zeit bat eine der Schwester Semyia mitzukommen. Sie wurde zur Intensivstation geführt und dort wartete ein Polizist auf sie (Simsek & Schwarz, 2013, S. 9-12).
[…] „Bist du Semyia Şimşek? Ist Enver Şimşek dein Vater? Ob mein Vater für gewöhnlich eine Waffe bei sich trage, wollte der Mann wissen? Ob er zu Hause Waffen aufbewahre? Ob wir Feinde hätten? […]“ (Simsek & Schwarz, 2013, S. 10).
Einleitung: Einführung in die Thematik der lückenlosen Aufklärung der NSU-Morde und die Darlegung der Relevanz der Opferperspektive.
Hintergrundteil I: Definition und Erläuterung der Begriffe Rassismus und institutioneller Rassismus im sozialwissenschaftlichen Kontext.
Hintergrundteil II: Erläuterung der polizeilichen Ermittlungsverfahren, Vernehmungsmethoden und der Rechtsgrundlagen bei Mordfällen.
Hintergrundteil III: Chronologische Darstellung der Entstehung des NSU und eine Übersicht der verübten Taten zwischen 1998 und 2011.
Hintergrundteil IV: Analyse des NSU-Prozesses in München sowie die Rolle der Untersuchungsausschüsse zur Aufklärung des Komplexes.
Theorie (Meine Familie unter Verdacht?): Darstellung des psychischen Erlebens der Opferangehörigen basierend auf persönlichen Berichten und Aussagen.
Wer von rechtem Terror und NSU spricht, darf vom Rassismus nicht schweigen!: Kritische Betrachtung des Verfassungsschutzes und der Fehleinschätzungen im Hinblick auf rechtsextreme Strukturen.
Diskussion: Gegenüberstellung der offiziellen Berichte der Untersuchungsausschüsse mit dem Parallelbericht der Zivilgesellschaft und der Vergleich zum Fall Lawrence.
Fazit: Beantwortung der Forschungsfragen sowie Reflexion über die Rolle der Sozialen Arbeit im gesellschaftlichen Umgang mit Rassismus.
NSU, institutioneller Rassismus, Opferperspektive, polizeiliche Ermittlung, Untersuchungsausschuss, Rechtsextremismus, Angehörige, Migrationshintergrund, Mordserie, Aufklärung, Diskriminierung, Zivilgesellschaft, Sozialarbeit, Macpherson Bericht, Erinnerungskultur.
Die Arbeit befasst sich mit der Aufarbeitung der NSU-Morde aus der Perspektive der Opferangehörigen und untersucht kritisch, wie staatliche Sicherheitsbehörden mit diesen umgegangen sind.
Zentrale Themen sind die Auswirkungen von institutionellem Rassismus auf Ermittlungsprozesse, die Stigmatisierung von Hinterbliebenen sowie der notwendige gesellschaftliche und fachliche Umgang mit Rechtsextremismus.
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie Angehörige der NSU-Opfer die Aufklärung erlebt haben, und zu analysieren, warum die Ermittlungsbehörden jahrelang einseitig Theorien über organisierte Kriminalität im Opferumfeld verfolgten.
Die Arbeit stützt sich auf eine umfassende Literaturrecherche, die Auswertung wissenschaftlicher Studien, Untersuchungsberichte sowie die Analyse persönlicher Erfahrungsberichte von Opferangehörigen.
Der Hauptteil thematisiert das psychische Erleben der Angehörigen, die diskriminierenden Vernehmungspraktiken und die Einordnung des behördlichen Versagens durch den Vergleich mit zivilgesellschaftlichen Berichten.
Wichtige Begriffe sind NSU, institutioneller Rassismus, Opferperspektive, Aufklärung, polizeiliche Ermittlungsstrategien und die Rolle der Sozialen Arbeit im Kampf gegen Diskriminierung.
Der Autor kritisiert die Arbeit des Verfassungsschutzes scharf, da dieser rechtsextremistische Strukturen über Jahre hinweg nicht erkannte bzw. aus dem Blickfeld verlor, während die Opfer verdächtigt wurden.
Er dient dem Autor als wichtiges Vergleichsbeispiel für die Bewältigung von institutionellem Rassismus, da in Großbritannien nach diesem Bericht tiefgreifende Reformen der Strafjustiz und Polizei eingeleitet wurden.
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