Examensarbeit, 1989
26 Seiten, Note: 1,0
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
1. Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit
2. Bedingungsanalyse
2.1 Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler
2.2 Fachwissenschaftliche Vorgaben und Problematik der Stunde
2.3 Handlungsspielräume der Lehrkraft
3. Didaktische Strukturierung der Stunde
3.1 Lernziele der Stunde
3.2 Handlungsmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler im Unterricht
3.3 Der Begründungszusammenhang von Ziel-, Inhalts- und Methodenwahl
3.4 Vorüberlegungen zur Auswertung und Ergebnissicherung
4. Geplanter Verlauf der Stunde
Die vorliegende Prüfungslehrprobe verfolgt das Ziel, einen professionellen Umgang mit ausländerfeindlichen Vorurteilen im Politikunterricht einer Berufsschulklasse zu erproben und zu reflektieren. Im Zentrum steht die Frage, wie durch fallorientierte Methoden die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Konflikten gefördert werden kann.
3.1 Lernziele der Stunde
Als Lehrkraft kommt es mir im vorliegenden Fall des straffällig gewordenen Fußballers Joe Sehic besonders darauf an, dass sich die Schülerinnen und Schüler mit ausländerfeindlichen Ressentiments auseinandersetzen und Vorurteile erkennen und abbauen lernen.
Die Schülerinnen und Schüler sollen
* sich anhand des Falles einen jungen Jugoslawen, der in Deutschland Fußball-Profi werden wollte, illegal einwanderte und einen Raubmord beging, mit der Problematik der Abschiebepraxis und der Resozialisierung auseinandersetzen (insbesondere nach dem JGG) und die Gründe für seine Einreise in die Bundesrepublik, seine Tat und seine Haft - und seinen Wunsch nach verbüßter Haftstrafe hier zu bleiben - nachvollziehen;
Die Schülerinnen und Schüler sollen
* erkennen, dass der Bildzeitungsartikel „Klinsmann kämpft für Mörder“ im Gegensatz zum Fernsehbeitrag aus „Sport unter der Lupe“ unvollständig über den Fall Joe Sehic berichtet;
* untersuchen, welche Gründe aus dem Blickwinkel von Jürgen Klinsmann, von Carsten und Michael und aus der Sicht der Öffentlichkeit dafür bzw. dagegen sprechen, dass Sehic eine Chance zur Resozialisierung in der Bundesrepublik bekommt;
* sich in die Rolle des jugoslawischen Jugendlichen versetzen und überlegen, dass er nur dann ein Bleiberecht hätte, wenn es ein stimmiges soziales Umfeld gibt;
* feststellen, dass Migranten, genau wie sie selbst auch, für dieselbe Sache nicht zweimal bestraft werden dürfen (Gefängnisstrafe und Abschiebung);
* beurteilen, ob sie sich als Klasse für Joe Sehic einsetzen können (erwa in Form eines Briefes an den Ministerpräsidenten Lothar Späth, der demnächst über ein Gnadengesuch entscheiden wird).
1. Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit: Die Stunde wird im Kontext aktueller politischer Ereignisse und rechtspopulistischer Tendenzen verortet, um als Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit Fremdenfeindlichkeit zu dienen.
2. Bedingungsanalyse: Dieses Kapitel beleuchtet die soziokulturellen Lernvoraussetzungen der Klasse, analysiert die Genese von Vorurteilen aus sozialwissenschaftlicher Perspektive und definiert die Handlungsspielräume der Lehrkraft.
3. Didaktische Strukturierung der Stunde: Hier werden die Lernziele, die methodische Begründung der Fallstudie sowie der pädagogische Begründungszusammenhang für das Unterrichtsdesign detailliert dargelegt.
4. Geplanter Verlauf der Stunde: Die konkrete methodische Umsetzung wird beschrieben, wobei der Fokus auf dem Übergang von der Gruppenarbeit in ein moderiertes Kreisgespräch zur Ergebnissicherung liegt.
Politikunterricht, Vorurteile, Migranten, Fallmethode, Resozialisierung, Rechtspopulismus, Berufsschule, Lehrerrolle, Demokratieerziehung, Urteilsbildung, Fremdenfeindlichkeit, Sozialisation, Schülerorientierung, Diskussionskultur, Joe Sehic.
Die Arbeit behandelt die methodische Planung und Durchführung einer Prüfungslehrprobe im Fach Politik, in der es um den Umgang mit ausländerfeindlichen Vorurteilen bei Schülern an beruflichen Schulen geht.
Die zentralen Themen sind Migration, die Genese und Funktion von Vorurteilen, der Umgang mit Rechtspopulismus im Unterricht sowie Fragen der Resozialisierung straffällig gewordener Jugendlicher.
Das primäre Ziel ist es, den Schülern durch die Fallmethode eine kritische Auseinandersetzung mit ihren eigenen Vorurteilen zu ermöglichen und sie zu einer multiperspektivischen Urteilsbildung zu befähigen.
Es wird das kasuistische Vorgehen, also die Fallstudie (Case Study), angewandt, ergänzt durch handlungsorientierte Methoden wie Gruppenarbeit und moderierte Kreisgespräche.
Der Hauptteil umfasst die Bedingungsanalyse der Lerngruppe, die theoretische Herleitung der Fallmethode, die didaktische Begründung des gewählten Fallbeispiels sowie die detaillierte Verlaufsplanung der Unterrichtsstunde.
Wichtige Begriffe sind Politikunterricht, Vorurteile, Fallmethode, Resozialisierung, Migranten und Lehrerrolle.
Der Fall dient als kontroverses Beispiel, das sowohl Unterstützer als auch Gegner auf den Plan ruft und somit die Diskussion über Opfer-Täter-Rollen, Rache und Vergebung in einer greifbaren, emotionalen Form ermöglicht.
Der Lehrer agiert als Organisator des Lernprozesses, der jedoch nicht neutral bleibt, sondern Impulse gibt und steuernd eingreift, um antidemokratischen Äußerungen entgegenzuwirken.
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