Bachelorarbeit, 2016
45 Seiten, Note: 1,3
1. Erkenntnisinteresse und Fragestellung
1.1 Forschungsstand
2. Wohnbauten Mies van der Rohes
2.1 Die Häuser Esters und Lange
2.1.1 Exkurs: Backstein
2.1.2 Baubeschreibung
2.2 Villa Tugendhat
2.2.1 Baubeschreibung
3. „Villa“ vs. „Haus“
4. Vergleich von Haus Esters und Lange mit Villa Tugendhat
5. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Diskrepanz in der heutigen Wertschätzung der Wohnbauten von Mies van der Rohe in Krefeld (Haus Esters und Haus Lange) im Vergleich zur Villa Tugendhat in Brünn. Ziel ist es, die Gründe für die unterschiedliche öffentliche Wahrnehmung und museale Nutzung der Gebäude zu ergründen und die kunsthistorische Bedeutung des Krefelder Ensembles neu zu bewerten.
2.1.1 Exkurs: Backstein
Backstein ist ein künstlich hergestellter Stein aus luftgetrocknetem oder gebranntem Lehm beziehungsweise Ton. Man unterscheidet zwischen dem luftgetrockneten Ziegel, dem gebrannten Backstein und Klinker. Bei der Klinkerherstellung wird durch starkes Erhitzen des Materials die Schmelzung bestimmter Bestandteile im Ton erzeugt bis eine Sinterung einsetzt und die kennzeichnende dunkelrot bis blauviolett glänzende Färbung auf der Oberfläche entsteht. Ein gänzlich durchgesinterter Stein ist solider und haltbarer als seine beiden Brüder, weil über die versiegelte Oberfläche kein Wasser in den Stein eindringen kann und eine verklinkerte Fassade folglich den Baukörper vor Witterung schützt. Grundsätzlich ist jeder Backstein ein Ziegel und Klinker, aber nicht jeder Ziegel oder Klinker ein Backstein.
Bereits vor 15 000 Jahren wurden in Mesopotamien und im Nildelta getrocknete Lehmziegel verwendet, während erst seit ungefähr 6 000 Jahren die Technik des Brennens gebräuchlich ist. Noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Backsteine per Hand hergestellt und erst allmählich von der Maschinenpresse abgelöst. Backsteingebäude wurden zu verschiedensten Zwecken erbaut. Hauptsächlich erhielten zuerst Kirchen, Bildungsstätten, Wehranlagen und politisch bedeutende Bauten das rotbraune Kleid. Im Zuge der Industrialisierung wurden auch Fabriken in Backstein errichtet, da sie äußerlich auch ihrem inneren Zweck entsprechen sollten.
Das gewählte Material Backstein in Form von Klinkern, ist eine bewusste und geplante Entscheidung von Mies, denn als Sohn eines Steinmetzen und Maurers war er seit frühester Jugend mit diesem Handwerk wohl vertraut. Die erste Lektion des Bauens, das Platzieren von Stein auf Stein, lernte er von seinem Vater. Während der Schulzeit half der fünfzehnjährige Mies in der Steinmetzwerkstatt seines Vaters und begann dort seine Maurerlehre. Nach einer weiteren Lehre als Zeichner in zwei Aachener Architekturbüros, übersiedelte er 1905 nach Berlin.
1. Erkenntnisinteresse und Fragestellung: Das Kapitel definiert den Ausgangspunkt der Untersuchung, der in der unterschiedlichen heutigen Wertschätzung der Krefelder Wohnhäuser gegenüber der Villa Tugendhat liegt.
1.1 Forschungsstand: Hier wird ein Überblick über die bestehende Fachliteratur zu den Bauten von Mies van der Rohe gegeben und die bisherige Vernachlässigung der Krefelder Häuser in der Forschung aufgezeigt.
2. Wohnbauten Mies van der Rohes: Dieses Kapitel widmet sich der Baugeschichte und den architektonischen Besonderheiten der Krefelder Bauten sowie der Villa Tugendhat als Referenzobjekt.
2.1 Die Häuser Esters und Lange: Es werden die Hintergründe der Entstehung der Krefelder Wohnhäuser, die Bauherren und die ursprünglichen Planungsabsichten detailliert beleuchtet.
2.1.1 Exkurs: Backstein: Dieses Kapitel thematisiert die materialästhetische Bedeutung des Backsteins und dessen Rolle im Schaffensprozess von Mies van der Rohe.
2.1.2 Baubeschreibung: Eine detaillierte architektonische Analyse der Fassaden, Raumstrukturen und der Ensemblewirkung der Häuser Esters und Lange.
2.2 Villa Tugendhat: Untersuchung der Baugeschichte und der spezifischen Anforderungen der Familie Tugendhat an das Wohnhaus in Brünn.
2.2.1 Baubeschreibung: Detaillierte Beschreibung der Villa Tugendhat, ihres freien Grundrisses und ihrer besonderen räumlichen Qualitäten.
3. „Villa“ vs. „Haus“: Eine terminologische Analyse, die untersucht, ob die Bezeichnung der Krefelder Bauten als „Haus“ anstelle von „Villa“ eine Herabwürdigung darstellt.
4. Vergleich von Haus Esters und Lange mit Villa Tugendhat: Die direkte Gegenüberstellung der drei Bauwerke dient dazu, Gemeinsamkeiten in der Architektursprache und Unterschiede in der heutigen musealen Nutzung aufzuzeigen.
5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf die notwendige zukünftige Wertschätzung des Krefelder Ensembles.
Mies van der Rohe, Haus Esters, Haus Lange, Villa Tugendhat, Architekturgeschichte, Klinkerfassade, Moderne, Wohnhausarchitektur, Gesamtkunstwerk, Denkmalpflege, Krefeld, Brünn, Baugeschichte, Raumkonzept, Museale Nutzung
Die Arbeit befasst sich mit den Wohnbauten von Mies van der Rohe für die Familien Esters und Lange in Krefeld und vergleicht diese kritisch mit der Villa Tugendhat in Brünn, um die Unterschiede in deren Wahrnehmung und Nutzung zu analysieren.
Die zentralen Themen sind die architektonische Analyse dieser Bauten, die Rolle der Bauherren, die materialästhetische Bedeutung des Backsteins sowie die Entwicklung des Villenbegriffs im 20. Jahrhundert.
Das primäre Ziel ist es, die Gründe für die geringe Wertschätzung der Krefelder Häuser zu finden und herauszuarbeiten, warum diese, im Gegensatz zur Villa Tugendhat, heute primär als bloße "Hüllen" für Ausstellungen wahrgenommen werden.
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturrecherche, eine detaillierte formale Baubeschreibung der Objekte sowie einen vergleichenden kunsthistorischen Analyserahmen.
Im Hauptteil werden die Baugeschichte, die baulichen Merkmale, der Exkurs zum Material Backstein sowie eine direkte vergleichende Gegenüberstellung der Häuser Esters und Lange mit der Villa Tugendhat abgehandelt.
Wichtige Schlüsselwörter sind Mies van der Rohe, Moderne, Klinker, Gesamtkunstwerk, Villa, Haus Esters, Haus Lange, Villa Tugendhat und Denkmalschutz.
Das Material Backstein wurde von Mies van der Rohe bewusst gewählt, um einen robusten, industriellen Charakter zu erzielen, wobei er durch die präzise Anordnung der Steine höchste architektonische Qualität und Rhythmik erreichte.
Die Arbeit argumentiert, dass die Häuser Esters und Lange aufgrund ihres komplexen Raumprogramms und ihrer repräsentativen Bedeutung formal als Villen einzustufen sind und die Bezeichnung „Haus“ eine Herabwürdigung ihrer architektonischen Qualität darstellt.
Während die Villa Tugendhat als museales Gesamtkunstwerk den Architekten Mies van der Rohe und dessen Architektur in den Mittelpunkt stellt, fungieren die Krefelder Bauten primär als wechselnde Ausstellungsorte für Kunst, was die architektonische Eigenwirkung der Bauten in den Hintergrund drängt.
Die Klinkerfassade der Häuser Esters und Lange stellt eine enge visuelle und semantische Verbindung zu den Fabrikgebäuden der Krefelder Seidenindustrie her, was den Bauten einen bodenständigen, aber dennoch repräsentativen Charakter verleiht.
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