Diplomarbeit, 2002
116 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
2 Die Begriffe Verrat und Denunziation
2.1 Was ist Verrat?
2.2 Was ist Denunziation?
2.3 Verrat nach Margret Boveri
3 Der „Inoffizielle Mitarbeiter“
3.1 Ein kurzer geschichtlicher Abriss
3.1.1 Der „V-Mann“ in der SBZ
3.1.2 V-Leute bei der K5
3.1.3 Der IM nach der Gründung des MfS (Feb. 1950)
3.2 IM-Kategorien
3.2.1 IM zur Sicherung bestimmter Bereiche
3.2.2 IM zur Feinbekämpfung
3.2.3 IM für logistische Aufgaben
3.2.4 Kontaktpersonen und hauptamtliche IM
4 Die Richtlinien des MfS zur Arbeit mit dem IM – Anleitung zur Denunziation?
4.1 Die Gewinnung der IM durch das MfS
4.1.1 Auswahl
4.1.2 Prüfung
4.1.3 Kontaktaufnahme
4.1.4 Rekrutierung und Verpflichtung
4.2 Warum wird einer IM?
4.3 Die Regelung der „täglichen Arbeit“ mit den IM
4.3.1 Erfassungsrichtlinie 1950
4.3.2 Richtlinie 21 (1952)
4.3.3 Richtlinie 1/58
4.3.4 Richtlinie 1/68
4.3.5 Richtlinie 1/79
4.4 E X K U R S Spontane Denunziation durch die Bevölkerung
5 E X K U R S „Jugendliche IM“
5.1 IMS „Klaus Müller“
5.2 IMB „Mark Aurelius“
6 Resümee
Die Diplomarbeit untersucht das System der "Inoffiziellen Mitarbeiter" (IM) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) und analysiert, inwiefern diese Tätigkeit als gezielte Denunziation verstanden werden kann. Ziel ist es, durch eine historische und begriffliche Einordnung sowie die Analyse der internen MfS-Richtlinien zu klären, wie der Staat Denunziation als Herrschaftsinstrument systematisierte und welche Motive die IM dazu bewegten.
Die Richtlinien des MfS zur Arbeit mit dem IM – Anleitung zur Denunziation?
„Mielke 1975: ‚Es kann nicht ein beliebiger IM geworben und nachträglich geprüft werden, wie und für was er einsetzbar ist. Vor der Werbung, vor dem Anlegen eines IM-Vorlaufes, vor der Aufklärung und Überprüfung müssen klare Vorstellungen über die an den IM-Kandidaten zu stellenden Anforderungen vorhanden sein.’“
Aus Erich Mielkes Zitat von 1975 lassen sich zwei Grundzüge des MfS ablesen, zum einen gab es keine oder kaum Personen, die sich freiwillig dem MfS als IM anboten. Zum anderen – da ersteres nicht der Fall war – mussten potenzielle Kandidaten ausgesucht, angesprochen und rekrutiert werden.
Da die Freiwilligkeit in der Bevölkerung zur Zusammenarbeit mit dem MfS eher niedrig und spontane Denunziation – im Gegensatz zur NS-Zeit – eher die Seltenheit war, müssen die, die letztendlich IM wurden, Gründe gehabt haben. Oder anders gesagt: es müssen sie Motive bewegt haben, mit dem MfS zusammenzuarbeiten.
Deshalb sollen im folgenden die Rekrutierung, im Stasi-Jargon der Vorlauf-IM bzw. IM-Vorlauf, und die Motive im Mittelpunkt stehen, bevor die Richtlinien im einzelnen dahingehend untersucht werden, inwieweit sie zur gezielten Denunziation befähigten.
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung der Akteneinsicht für die Forschung und grenzt das Thema auf die "Inoffiziellen Mitarbeiter" in der inneren Abwehr zwischen 1950 und 1989 ein.
2 Die Begriffe Verrat und Denunziation: Dieses Kapitel definiert und diskutiert die theoretischen Unterschiede zwischen Verrat und Denunziation und beleuchtet dabei auch die fachliterarischen sowie historischen Perspektiven.
3 Der „Inoffizielle Mitarbeiter“: Es erfolgt eine historische Einordnung der IM-Geschichte, beginnend mit den Vorläufern in der SBZ, sowie eine detaillierte Kategorisierung der verschiedenen IM-Typen.
4 Die Richtlinien des MfS zur Arbeit mit dem IM – Anleitung zur Denunziation?: Das Kernstück der Arbeit untersucht fünf zentrale MfS-Richtlinien (1950, 1952, 1958, 1968, 1979) hinsichtlich ihrer Anleitung zur Denunziation und erörtert die Motive der Mitarbeiter.
5 E X K U R S „Jugendliche IM“: Dieser Abschnitt widmet sich der Rekrutierung und Rolle von jugendlichen Inoffiziellen Mitarbeitern, illustriert durch zwei konkrete Fallbeispiele.
6 Resümee: Das Schlusswort zieht eine Bilanz der Aufarbeitung des MfS-Systems und reflektiert die grundlegenden Fragen zur Denunziationsbereitschaft und den Möglichkeiten des Widerstands.
Staatssicherheit, MfS, Inoffizielle Mitarbeiter, Denunziation, Verrat, DDR, Richtlinien, Überwachung, Spitzel, Rekrutierung, Motive, Geheimdienst, Feindbekämpfung, Jugend, Konspiration.
Die Arbeit analysiert die Rolle des Inoffiziellen Mitarbeiters (IM) im DDR-Staatssicherheitsdienst und geht der Frage nach, ob dieses System eine gezielte Form der Denunziation darstellte.
Die Untersuchung umfasst die begriffliche Abgrenzung von Verrat und Denunziation, die historische Entwicklung der MfS-Mitarbeiterstruktur, die Analyse offizieller Richtlinien zur IM-Arbeit sowie die Erforschung der Motive der IM.
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das MfS durch bürokratisierte Richtlinien und gezielte Rekrutierung ein Netz aus Informanten schuf, das systematisierte Denunziation ermöglichte.
Die Arbeit basiert auf einer intensiven Literaturstudie, der Auswertung historischer MfS-Richtlinien und Dokumente sowie der Einbeziehung eines Zeitzeugeninterviews mit einem ehemaligen KD-Leiter.
Der Hauptteil konzentriert sich auf die fünf entscheidenden Richtlinien des MfS zur Arbeit mit IM und untersucht, wie diese als "Handbuch" für die Führungsoffiziere dienten.
Zentrale Begriffe sind Staatssicherheit, Inoffizielle Mitarbeiter, Denunziation, Konspiration, Feindbekämpfung und Überwachung.
Jugendliche wurden gezielt angeworben, um Informationen aus ihrem Umfeld zu sammeln, wobei das MfS nicht davor zurückschreckte, sie in labilen Lebenssituationen für seine Zwecke auszunutzen.
Während spontane Denunziation auf individuellen Motiven außerhalb staatlicher Strukturen basiert, wurde die gezielte Denunziation im MfS-System durch Richtlinien, Führungsoffiziere und eine bürokratische Infrastruktur staatlich organisiert und gefördert.
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