Masterarbeit, 2019
79 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Hartmanns von Aue Erec
2.1 Âventiure als Ereignis
2.1.1 Ritterliche Bewährungsproben
2.1.1.1 Joie de la curt als Eigenname von âventiure
2.2 Âventiure als Erzählung eines Ereignisses
2.2.1 Quellennennungen
3. Wolframs von Eschenbach Parzival
3.1 Âventiure als Ereignis
3.1.1 Ritterliche Bewährungsproben
3.2 Âventiure als Erzählung eines Ereignisses
3.2.1 Quellennennungen
3.3 Âventiure als poetologisches Element
3.3.1 Âventiure innerhalb der poetologischen Passagen
3.3.2 Frou Âventiure
4. Wirnts von Grafenberg Wigalois
4.1 Âventiure als Ereignis
4.1.1 Ritterliche Bewährungsproben
4.2 Âventiure als Erzählung eines Ereignisses
4.2.1 Quellennennungen
4.2.2 Âventiure als Erzählung – Die âventiure von Lifort
5. Fazit
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die historischen Bedeutungsfacetten und semantischen Verschiebungen des Begriffs "âventiure" im mittelhochdeutschen Artusroman zwischen 1180 und 1220, um ein umfassendes Verständnis für dessen Funktion als zentrales narratives und poetologisches Konzept zu entwickeln.
2.1.1 Ritterliche Bewährungsproben
In Hartmanns Erec zeichnen sich anhand des Begriffes âventiure verschiedene Komponenten des Konzepts der ritterlichen Bewährungsprobe ab. Dabei fällt eine Kombination mit bestimmten Verben auf. Am häufigsten wird âventiure mit dem Verb reiten verknüpft, wie folgendes Beispiel zu Beginn des Romans verdeutlicht:
nû ẹnweste Erec niht
umbe dise geschiht,
wan daz er im durch sîn leit
ûf âventiure nâch reit. (218–221)
Das Verb reiten verweist auf die enge Verknüpfung von âventiure und Ritter. Der Ritter reitet los und bewegt sich auf diese Weise auf die âventiure zu. In der vorliegenden Textstelle ist es der Ritter Erec, der der âventiure entgegen reitet. Grund für seinen Ritt ist sîn leit (220), welches im Verlust seiner êre durch die Schmach des Zwergs besteht. In dieser Passage steht jedoch nicht das Finden und Bestehen von âventiuren im Vordergrund. Denn Erec reitet nicht blind der âventiure wegen los, sondern um seine êre wiederherzustellen. Âventiure könnte sich hier auch auf die Wildnis beziehen, da sich Erec außerhalb der höfischen Sphäre befindet.
1. Einleitung: Die Einleitung etabliert die Forschungsfrage nach der semantischen Entwicklung des Begriffs âventiure und definiert das methodische Vorgehen anhand ausgewählter Artusromane.
2. Hartmanns von Aue Erec: Dieses Kapitel analysiert die Kopplung von âventiure mit ritterlichem Handeln sowie die Bedeutung der Joie de la curt-Episode als zentrale Bewährungsprobe.
3. Wolframs von Eschenbach Parzival: Die Untersuchung fokussiert auf die Verschmelzung von Ereignis- und Erzählebene sowie die innovative Einführung der Figur Frou Âventiure als poetologisches Steuerungselement.
4. Wirnts von Grafenberg Wigalois: Es wird dargelegt, wie die âventiure im nachklassischen Artusroman zunehmend von göttlicher Vorsehung und einer stärkeren zeitlichen Strukturierung geprägt ist.
5. Fazit: Das Fazit resümiert den Bedeutungswandel der âventiure hin zu einer komplexen, poetologischen Kategorie und ordnet die Ergebnisse in den literaturhistorischen Kontext ein.
âventiure, mittelhochdeutscher Artusroman, historische Semantik, ritterliche Bewährungsprobe, Wortfeldanalyse, Hermeneutik, Frou Âventiure, Parzival, Erec, Wigalois, Erzählstruktur, Poetologie, êre, Minne, Literaturgeschichte
Die Arbeit untersucht die Bedeutungsvielfalt und historische Entwicklung des zentralen Begriffs âventiure innerhalb der mittelhochdeutschen Artusepik.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Doppelbedeutung der âventiure als ritterliches Ereignis und als erzählerischer Vorgang sowie deren Funktion als poetologisches Werkzeug.
Das Ziel ist es, die semantischen Verschiebungen des Begriffs zwischen 1180 und 1220 nachzuzeichnen und aufzuzeigen, wie sich das Konzept vom klassischen zum nachklassischen Artusroman transformiert hat.
Die Autorin kombiniert die Wortfeldtheorie zur lexikalischen Untersuchung der âventiure-Belege mit der klassischen Hermeneutik, um die Sinnkonstitution der Texte zu erfassen.
Der Hauptteil gliedert sich in drei große Analysen: Hartmanns Erec, Wolframs Parzival und Wirnts Wigalois, wobei jeweils die ritterlichen Bewährungsproben und die Quellennennungen detailliert untersucht werden.
Wesentliche Begriffe sind neben âventiure selbst die Konzepte von êre (Ehre), Minne, poetologische Passagen, das Handeln der Ritter sowie die Rolle des Erzählers und seiner Quellen.
Frou Âventiure fungiert als Personifikation der Erzählung, die in den Erzählfluss eingreift, den Wissensstand des Erzählers steuert und die narrative Dynamik zwischen verschiedenen Erzählebenen vermittelt.
Der Begriff wân markiert bei Erec die handlungsmotivierende Hoffnung und Zuversicht, die den Ritter dazu antreibt, sich den Herausforderungen der âventiure zu stellen.
Im Vergleich zu den Vorgängern zeigt sich im Wigalois eine stärkere Einbindung der âventiure in eine göttliche Vorsehung, wodurch die ursprüngliche Zufälligkeit und das Wagniselement zugunsten einer zielgerichteten Erprobung abnehmen.
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