Bachelorarbeit, 2016
38 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Frauenfiguren außerhalb der Handlungsebene
2.1 Die Frauenpassage innerhalb des Prologs (2,23-3,24)
2.2 Die Frauenpassage innerhalb der sog. Selbstverteidigung (114,5-115,20)
2.3 Die Frauenpassage am Ende des VI. Buches (337,1-30)
2.4 Die Frauenpassage innerhalb des Epilogs (827,25-30)
3. Frauenfiguren innerhalb der Handlungsebene
3.1 Obiê und Obilôt als entgegengesetzte Handlungsauslöser
3.2 Sigûne als Urteilsinstanz
4. Frauenfiguren zwischen den Erzählebenen
4.1 Frou Âventiure
4.2 Frou Minne
5. Fazit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Funktionen der Frauenfiguren in Wolframs von Eschenbach "Parzival", wobei der Fokus über die rein handlungsorientierte Ebene hinausgeht, um poetologische Implikationen und die Rolle der Frauen als erzählkonstitutive Elemente herauszuarbeiten.
3.1 Obiê und Obilôt als entgegengesetzte Handlungsauslöser
Im Folgenden soll gezeigt werden, dass Obiê als negativer Handlungsauslöser, der die Ordnung der Gesellschaft zerstört, und Obilôt als positiver Handlungsauslöser, der die Ordnung wiederherstellt, fungieren. Grundlage für diese Untersuchung bildet das VII. Buch des Parzival. In dem Gesamtroman eingeordnet, stellt dieser Abschnitt den ersten Teil der Gawan-Handlung dar. Auf dem Weg zu seinem noch zu bestehenden Gerichtskampf gerät Gawan in die Kriegswirren vor Bêârosche, wo er die Bekanntschaft der beiden Schwestern Obiê und Obilôt macht. Die Gegensätzlichkeit der beiden Schwestern sieht Young anhand der analogen Namensgebung verdeutlicht. Mit dem altfranzösischen Diminutivsuffixes ‘-ot’ stellt Obilôt eine kleine Obiê dar, die in Opposition zu ihrer älteren Schwester steht.
Gleich zu Beginn der Passage wird angedeutet, dass Obiê einen negativen Einfluss auf das Geschehen hat, da sie als Auslöser des Krieges vor Bêârosche bezeichnet wird: Obiê frumt uns dise nôt (345,26). Und diese Behauptung ist nicht unbegründet, da die kriegerische Auseinandersetzung tatsächlich durch das Minneverhältnis von Obiê und Meljanz provoziert worden ist. Dieses Minneverhältnis gründet zwar auf eine beiderseitige tiefe Zuneigung, jedoch sind die Vorstellungen der beiden Liebenden über das Verhältnis von Dienst und Lohn unvereinbar. Obiê weigert sich, Meljanz für seinen geleisteten Minnedinest zu belohnen. Sie offenbart sehr radikale Vorstellungen bezüglich des Minnedienstes (346,3-18) und stellt für Meljanz Lohnanforderungen, die dieser nicht akzeptiert. Dabei rechtfertigt Obiê ihr Verhalten, indem sie auf ihre Freiheit als Minneherrin anspielt, die sie höher stellt als jeden König.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Bedeutung der Frauenfiguren bei Wolfram von Eschenbach ein und formuliert die Forschungsfrage nach ihrer Funktion innerhalb der poetologischen Erzählstruktur.
2. Frauenfiguren außerhalb der Handlungsebene: Dieses Kapitel analysiert die sogenannten Frauenpassagen, in denen der Erzähler direkt zu Frauen spricht, um sein ideales Frauenbild zu entwerfen und diese als Triebkraft des Erzählens zu etablieren.
3. Frauenfiguren innerhalb der Handlungsebene: Anhand von Beispielen wie Obiê, Obilôt und Sigûne wird nachgewiesen, wie Frauenfiguren das Handlungsgeschehen maßgeblich beeinflussen und als Urteilsinstanzen fungieren.
4. Frauenfiguren zwischen den Erzählebenen: Die Untersuchung fokussiert auf die Personifikationen Frou Âventiure und Frou Minne, die als allegorische Instanzen die poetologische Freiheit des Autors und das Erzählen selbst reflektieren.
5. Fazit: Die Ergebnisse bestätigen, dass die Frauenfiguren ein essentielles poetologisches Element im Parzival sind, das sowohl Anfang als auch Ziel des Erzählens markiert.
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Die Arbeit untersucht die spezifischen Funktionen der Frauenfiguren im Roman Parzival von Wolfram von Eschenbach unter besonderer Berücksichtigung poetologischer Fragestellungen.
Zentrale Felder sind die Geschlechterbeziehungen, das Minnekonzept, die verschiedenen Erzählebenen des Werkes und das Rollenverständnis von Frauen als Initiatoren von Handlungen.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Frauenfiguren im Parzival nicht nur Handlungsobjekte sind, sondern als aktive Triebkräfte, Urteilsinstanzen und poetologische Symbole das Erzählen selbst mitgestalten.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die sich auf die Interpretation der sogenannten Frauenpassagen sowie ausgewählter Handlungsszenen konzentriert und den aktuellen Forschungsstand miteinbezieht.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Frauenpassagen außerhalb der Handlung, die Untersuchung konkreter Figuren innerhalb der Handlungsebene und die Betrachtung allegorischer Personifikationen zwischen den Ebenen.
Die wichtigsten Begriffe sind Parzival, Frou Âventiure, Frou Minne, Handlungsauslöser, Urteilsinstanz, poetologische Implikationen und Minnedienst.
Sigûne fungiert als Urteilsinstanz, die Parzivals Fehlverhalten auf der Gralsburg reflektiert und bewertet, wodurch sie zu einer zentralen Wegbegleiterin seiner Erkenntnis wird.
Obiê fungiert als negativer Handlungsauslöser durch ihre Lohnverweigerung im Minnedienst, während Obilôt durch ihr aktives Eingreifen und ihren Handlungsspielraum als positiver Auslöser zur Wiederherstellung der Ordnung beiträgt.
Sie dienen Wolfram dazu, poetologische Konzepte zu illustrieren. Frou Âventiure wird als "Herrin der Erzählung" interpretiert, während Frou Minne als komplexes und oft zwiespältiges Element der Kommunikation zwischen den Figuren agiert.
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