Lizentiatsarbeit, 2006
90 Seiten, Note: 1,5
1. VORGEHEN
1.1. Einleitung
1.2. Zielsetzung
1.3. Forschungsstand
1.4. Aufbau
1.5. Auswahl der Fälle
1.6. Theoretischer Rahmen
1.6.1. Theorie zur Wahrnehmung von Karten
1.6.2. Theorie zur Interpretation von Karten
1.6.3. Anwendung der Theorien
1.7. Das Betrachten einer Karte
1.7.1. Farben
1.7.2. Zeichen
1.7.3. Vordergrund - Hintergrund
1.7.4. Wo Karten schweigen
2. FALLBEISPIEL 1: DIE CARTE ROUGE
2.1. Das Thema
2.2. Literatur
2.3. Beschreibung der Karte
2.3.1. Ausgaben
2.3.2. Hauptkarte zur ethnischen Zugehörigkeit
2.3.3. Nebenkarte zur Bevölkerungsdichte
2.3.4. Verwendung an der Friedenskonferenz in Paris
2.4. Hintergrund der Quelle
2.4.1. Kartographie im 19. Jahrhundert
2.4.2. Der Autor
2.4.3. Der „Kartenkrieg“
2.4.3.1. Die ungarische Seite
2.4.3.2. Die rumänische Seite
2.5. Kritik der Methoden
2.5.1. Kritik durch Teleki
2.5.2. Die Verwendung der Farben
2.5.3. Hintergrund für die Manipulation zur natürlichen Einheit
2.5.4. Die flächige Darstellung bewohnter Gebiete
2.5.5. Hintergrund zur Manipulation zur Homogenität
2.5.6. Die Datengrundlage
2.6. Zusammenfassung
3. FALLBEISPIEL 2: HITLERS SÜDAMERIKA-KARTE
3.1. Das Thema
3.2. Literatur
3.3. Beschreibung der Karte
3.3.1. Ausgaben
3.3.2. Das dargestellte Territorium
3.3.3. Die Präsentation der Karte
3.4. Hintergrund der Quelle
3.4.1. FDR und der britische Geheimdienst
3.4.2. Die wahrgenommene Bedrohung für Südamerika
3.4.3. Die tatsächliche Bedrohung für Südamerika
3.4.4. Die wahrgenommene Bedrohung für Nordamerika
3.4.5. Die tatsächliche Bedrohung für Nordamerika
3.4.6. Karl Haushofer und die Geopolitik
3.5. Kritik der Methoden
3.5.1. Kritik der Darstellungsweise
3.5.2. Karten als Illustration und Beweismittel
3.6. Erfolg der Manipulation
3.7. Zusammenfassung
4. FALLBEISPIEL 3: DIE DEUTSCHLAND- KARTE IM PUTZGER
4.1. Das Thema
4.2. Literatur
4.3. Die Karte „Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg (1946)“
4.3.1. Beschreibung der Karte
4.3.2. Entwicklung der Karte
4.3.3. Historischer Hintergrund
4.3.4. Kritik der Methoden
4.3.4.1. Farben
4.3.4.2. Linien
4.3.4.3. Bezeichnungen
4.3.4.4. Visuelle Alternativen
4.4. F. W. Putzgers Historischer Schulatlas 1954
4.4.1. Beschreibung des Atlas
4.4.2. Historische Atlanten
4.4.3. Die Autoren des Putzger
4.4.4. Karten im Geographie- oder Geschichtsunterricht
4.4.5. Kritik der Methoden
4.4.5.1. Die thematische Zusammensetzung des Atlas
4.4.5.2. Das vermittelte Geschichtsbild
4.5. Zusammenfassung
5. ZUSAMMENFASSUNG
Die vorliegende Lizenziatsarbeit untersucht Karten als historische Quellen, um deren Einfluss auf das Weltbild von Betrachtern und politische Entscheidungsprozesse zu analysieren. Anhand von drei Fallbeispielen wird aufgezeigt, wie Karten durch visuelle Gestaltung, selektive Datendarstellung und kartographische Konventionen bewusst zur Manipulation eingesetzt werden können.
1.1. Einleitung
Was zeigt eine Karte? Berge, Täler, Städte und Strassen. Ist das wirklich alles? Und: Stimmt das, was wir auf der Karte sehen? Natürlich, ein Berg ist nun einmal da, dann kann man ihn auch einzeichnen. Aber wie ist es mit Grenzverläufen? Sind auch die naturgegeben? Wenn zwei Parteien sich über den Grenzverlauf streiten, kann eine Karte dann noch objektiv sein? Die Betrachtung von Karten gleicht einer Suche nach der Wahrheit. Aber die Grundüberzeugung ist schon vorher da: Was auf einer Karte vorkommt, muss auch in der Realität existieren.
Unser Vertrauen einer Karte gegenüber ist wesentlich grösser als das Vertrauen, das wir einem Text entgegen bringen. Schliesslich wissen wir, dass Texte Autoren und Autoren Meinungen und Interessen haben. Aber Karten wollen uns doch eigentlich nur helfen, uns zu orientieren. Nur, ist das wirklich ihr einziges Ziel? Die Fragestellung der vorliegenden Lizenziatsarbeit ergab sich aus mehreren Seminararbeiten an der Universität Zürich, die Geschichte der Neuzeit und das Mittelalter betreffend. Dort wurden Karten als Quellen miteinbezogen - jetzt soll die Qualität der Karte als Quelle im Mittelpunkt stehen.
Betrachtet ein Historiker eine Karte, kann er sich mehrere Fragen stellen: „Was ist auf der Karte zu sehen?“ oder „Wer hat die Karte gezeichnet?“ sind vermutlich die ersten. Sie werden auch hier gestellt. Doch es soll weiter gefragt werden: „Wie drückt sich ein politischer Wille auf einer Karte aus?“ und „Wie versuchen Akteure andere mit Karten zu beeinflussen?“.
Sobald von Einfluss und Manipulation die Rede ist, lautet die interessanteste Frage dann: „Hat die Manipulation Erfolg, erreichen die Kartenzeichner oder ihre Auftraggeber ihre Ziele?“ Auf den nachfolgenden Seiten werden Karten betrachtet, beschrieben und hinterfragt. Mark Monmonier schrieb in seiner Anleitung „How to Lie with Maps”: „There is no escape from the cartographic paradox: to present a useful and truthful picture, an accurate map must tell white lies.“ Ob die in der vorliegenden Arbeit porträtierten Kartenzeichner überhaupt Anstalten machten, Monmoniers Paradox zu entfliehen, ist noch zu untersuchen.
1. VORGEHEN: Einführung in die Fragestellung zur Qualität von Karten als historische Quelle und Darlegung des methodischen Vorgehens für die Analyse.
2. FALLBEISPIEL 1: DIE CARTE ROUGE: Analyse der ungarischen „Carte Rouge“ von Paul Teleki, die zur Beeinflussung der Friedensverhandlungen nach dem Ersten Weltkrieg diente.
3. FALLBEISPIEL 2: HITLERS SÜDAMERIKA-KARTE: Untersuchung einer gefälschten Karte des britischen Geheimdienstes, die zur Argumentation für einen Kriegseintritt der USA genutzt wurde.
4. FALLBEISPIEL 3: DIE DEUTSCHLAND- KARTE IM PUTZGER: Untersuchung der Darstellung Deutschlands im „Putzger“ Historischen Schulatlas nach 1945 und des darin vermittelten Geschichtsbildes.
5. ZUSAMMENFASSUNG: Zusammenfassende Betrachtung der untersuchten Fälle und Reflexion über die Bedeutung der kritischen Kartenanalyse in der Geschichtswissenschaft.
Karten, Kartographie, Manipulation, Geschichtsschreibung, Politische Geographie, Propaganda, Wahrnehmung, Interpretation, Carte Rouge, Friedensvertrag von Trianon, Geopolitik, Schulatlas, Historische Quellen, Mental Maps, Kartenkrieg.
Die Arbeit untersucht Karten nicht nur als neutrale Abbildungen der Realität, sondern als konstruierte Artefakte, die manipulativ wirken und politische Weltbilder sowie Entscheidungen beeinflussen können.
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Kartographie, historische Grenzkonflikte, die Rolle von Propaganda im Krieg und die Bedeutung von Geographieunterricht für die Konstruktion von Geschichtsbildern.
Das Ziel ist es, Karten als historische Quellen zu etablieren und aufzuzeigen, wie unterschiedliche kartographische Mittel (Farben, Zeichen, Auswahl von Informationen) gezielt eingesetzt werden, um die Wahrnehmung des Betrachters zu lenken.
Es wird ein dreistufiger methodischer Ansatz auf drei Fallbeispiele angewandt: Beschreibung der Karte, Hintergrundanalyse der Quelle und eine methodische Kritik unter Einbezug wahrnehmungspsychologischer und kartographischer Theorien.
Im Hauptteil werden drei spezifische Fallbeispiele detailliert analysiert: die ungarische „Carte Rouge“ (1919), eine gefälschte Karte des britischen Geheimdienstes zur Beeinflussung der USA (1941) und die Deutschland-Karte im „Putzger“ Historischen Schulatlas (1954).
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Kartographie, Manipulation, Propaganda, politische Geographie, historische Quellen und „mental maps“.
Sie gilt als Meilenstein der thematischen Kartographie, da sie durch gezielte Farbwahl (Rot für Ungarn) und die geschickte Nutzung kartographischer Lücken („weisse Flecken“) den Eindruck ungarischer Bevölkerungsmehrheiten erzeugte, um Gebietsansprüche bei Friedensverhandlungen zu untermauern.
Die Karte imitierte den Anschein von Objektivität und Beweiskraft. Durch die bewusste Fälschung als „Pläne Hitlers“ konnte sie Präsident Roosevelt als Vorwand dienen, um die amerikanische Öffentlichkeit zur Akzeptanz eines Kriegseintritts zu bewegen.
Der Atlas spiegelte das Selbstverständnis der Nachkriegsgeneration wider. Er tilgte nationalsozialistische Bezüge, war jedoch in seiner Darstellung der deutschen Gebiete vor 1937 und der Grenzverläufe zögerlich, was bei Schülern einen Wiedererkennungseffekt mit der Vergangenheit förderte, statt die neue geopolitische Situation in den Fokus zu rücken.
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