Bachelorarbeit, 2018
57 Seiten, Note: 1,5
1. Einleitung
2. Märchen
2.1 Definitionsversuch
2.2 Abgrenzung zu anderen Genres
3. Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte der Grimm’schen Kinder und Hausmärchen
4. Geschlechtermodellierungen um 1800
5. Gender Studies in der Literaturwissenschaft
6. Frauenfiguren in den Kinder- und Hausmärchen
6.1 Aktive Frauenfiguren
6.1.1 Die aktive Heldin
6.1.2 Die Rätselprinzessin
6.1.3 Die Stiefmutter
6.1.4 Die Hexe
6.2 Passive Frauenfiguren
6.2.1 Die passive Heldin
6.2.2 Die Frau als Opfer
6.2.3 Die Frau als Trophäe – Die Königstochter
6.3. Ambivalente Frauenfiguren
6.3.1 Die gute Alte
6.3.2 Vom Opfer zur Heldin
6.4 Weitere Frauenfiguren
7. Fazit
Diese Bachelorarbeit verfolgt das Ziel, das Frauenbild in den "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm auf Basis der Ausgabe letzter Hand zu untersuchen. Im Zentrum steht die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Frage, wie Frauenfiguren in diesem klassischen Werk dargestellt werden, welche Eigenschaften ihnen zugeschrieben werden und ob sich abseits des gängigen Vorurteils schwacher, eindimensionaler Figuren differenziertere Rollenbilder identifizieren lassen.
6.1.1 Die aktive Heldin
Eine kämpfende, starke Jungfrau, wie sie beispielsweise in russischen Zaubermärchen auftritt, lässt sich in der Grimm’schen Sammlung nicht finden. Dennoch gibt es auch in den KHM weibliche Heldenfiguren. Um diese als solche zu erkennen, muss jedoch zunächst die Begrifflichkeit des Heldentums bei Grimm erläutert werden. Viele Märchen in den KHM sind Erlösungsmärchen, daher ist fast ausnahmslos der Erlöser beziehungsweise die Erlöserin auch der Held/die Heldin des Märchens. Erlöserinnen bilden das weibliche Pendant zum klassischen Märchenhelden. Es ist für diese Typologie daher nicht wichtig, ob die Heldin auch die Hauptperson des Märchens ist.
Heldinnen sind im Folgenden mit Erlöserinnen gleichzusetzen. Sigrid Früh schreibt diesen Erlöserinnen einen besonderen Stellenwert zu: „Die Märchen der Erlöserinnen sind eigentlich das Hohe Lied der starken, liebesfähigen Frau. Dabei hat die Liebe verschiedene Gesichter. Es kann die Liebe zum Mann, aber auch die Liebe zum Bruder sein […].“ Als Heldinnen werden in diesem Kapitel also Frauen bezeichnet, die aktiv für die Erlösung eines Anderen oder sich selber einstehen und bei dieser Erlösung aktiv handeln. Erlösung wird im Zusammenhang der KHM als „Befreiung aus einer bösen Verzauberung, Lösung einer zauberischen Verwandlung, Aufhebung einer Verwünschung“ sowie die „Rettung aus lebensbedrohlichen Situationen oder aus bedrückenden Umständen“ verstanden.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, skizziert die Relevanz der Grimmschen Märchen für die Frauenbild-Forschung und legt das methodische Vorgehen dar.
2. Märchen: Dieses Kapitel widmet sich Definitionsversuchen der Gattung Märchen und der Abgrenzung zu verwandten Genres wie Sage und Legende.
3. Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte der Grimm’schen Kinder und Hausmärchen: Es wird die historische Genese der Märchensammlung und deren redaktionelle Bearbeitung durch die Brüder Grimm beleuchtet.
4. Geschlechtermodellierungen um 1800: Hier werden die zeitgenössischen Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit sowie das Konzept des "Geschlechtscharakters" erläutert.
5. Gender Studies in der Literaturwissenschaft: Dieser Abschnitt ordnet die Untersuchung in den methodischen Rahmen der Gender Studies ein.
6. Frauenfiguren in den Kinder- und Hausmärchen: Das Hauptkapitel analysiert die Darstellung von Frauen anhand der Kategorien aktive, passive und ambivalente Frauenfiguren.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und diskutiert das Frauenbild der Grimms im Kontext ihrer Entstehungszeit.
Kinder- und Hausmärchen, Brüder Grimm, Frauenbild, Gender Studies, Erlösungsmotiv, Stiefmutter, Hexe, passive Heldin, Königstochter, Patriarchat, Geschlechterrollen, 19. Jahrhundert, Rollenbilder, Literaturwissenschaft, Weiblichkeit.
Die Arbeit untersucht das Frauenbild in den "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm und hinterfragt, ob die in den Märchen gezeichneten Frauenfiguren tatsächlich nur schwach und eindimensional sind.
Zentral sind die theoretische Verankerung von Geschlechterrollen um 1800, die literarische Kategorisierung verschiedener Frauentypen (aktiv, passiv, ambivalent) und die Kritik an der Darstellung von Weiblichkeit in patriarchalen Strukturen.
Das primäre Ziel ist es, die Darstellungsweise von Frauenfiguren in den KHM zu analysieren und ein nuanciertes Bild zu zeichnen, das über das Klischee der rein passiven Märchenfrau hinausgeht.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die auf Gender-Theorien basiert und die Texte in ihrem historischen Entstehungs- und soziokulturellen Kontext betrachtet.
Der Hauptteil gliedert Frauenfiguren in konkrete Kategorien: Aktive Frauen (z. B. Heldin, Stiefmutter, Hexe), passive Frauen (z. B. Opfer, Trophäe) sowie ambivalente Figuren und ordnet diese jeweils in den literarischen Kontext ein.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören "Frauenbild", "Grimms Märchen", "Gender Studies", "Geschlechterrollen" sowie spezifische Rollentypen wie "Erlöserin" und "Stiefmutter".
Die Stiefmutter ist eine zentrale Täterinnen-Figur, deren negative Darstellung eng mit dem im 19. Jahrhundert geprägten Ideal der leiblichen Mutterschaft und patriarchalen Vorstellungen verknüpft ist.
Das Schweigen wird als Ausdruck von Wehrlosigkeit und Machtlosigkeit interpretiert, welches jedoch zugleich als hochgeschätzte, tugendhafte Eigenschaft im Frauenbild des 19. Jahrhunderts fungierte.
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