Magisterarbeit, 2017
81 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
2. Inszenierung und ihre Mittel
2.1. Der Mythos einer Partei
2.1.1 Mythos Björn Höcke
2.2 Bildlichkeit
2.2.1 Geldverbrennung am Brandenburger Tor
2.2.2 Dombeleuchtung in Erfurt
2.2.3 Berliner AfD, Kiffer und Homosexuelle
2.2.4 Leif-Erik Holm und das Schweriner Schloss
2.3. Sprachlichkeit
2.3.1 »Populismus« und seine Definitionen
2.3.2 Semantik
Exkurs: Abendspaziergang mit PEGIDA
3.1 Das Feld / Die Rezeption
3.2 Die Bühne / Die Medien
4. Fazit
Die vorliegende Magisterarbeit untersucht die Mechanismen der politischen Selbstdarstellung und Inszenierung der AfD sowie der Bewegung PEGIDA. Im Zentrum steht dabei die Analyse der bewussten Verwendung theatralischer und performativer Mittel, um politische Botschaften in einer von Massenmedien geprägten Landschaft wirksam zu platzieren, wobei insbesondere die Konstruktion politischer Mythen und Feindbilder beleuchtet wird.
2.1. Der Mythos einer Partei
"Weil die Zeit jetzt reif ist!“ Bernd Lucke
Menschen neigen dazu, sich ihr eigenes Narrativ herzustellen. Ein Narrativ, das das Individuum in der eigenen Lebensgeschichte verorten und daraus Handlungen und Entscheidungen erklären kann. Dazu gehören aber auch Heils- und Schöpfungsgeschichten der Religionen. Diese bilden dann auch das Vorbild für neue Heils- und Erlösungsnarrative:
"Aufgrund der Sündhaftigkeit einiger aus dem Paradies Vertriebener, sammelten sich die Berufenen, aber zugleich Geächteten, zogen unter Entbehrungen durch das dürre Land der Verfemung, kämpften sich, da ihnen Sterne und Offenbarungsbotschaft die Richtung wiesen, zum gelobten Land hindurch.“
So dramatisch das klingen mag, so rational scheint das Kreieren eines solchen Narrativs. Es leitet her, was »richtig« und »falsch« ist und setzt die Instanz ein, welche »richtig« und »falsch« durchsetzt. So wird Narrativ, der Mythos bewusst geschaffen, Teil der Darstellung.
Einleitung: Die Einleitung diskutiert das Konzept des „Politainments“ sowie die Rolle von Theater und Theatralität im politischen Leben, wobei der Fokus auf der medialen Vermittlung von Politik liegt.
2. Inszenierung und ihre Mittel: Dieses Kapitel analysiert, wie politische Akteure durch eine Gesamtheit von Auftritten ein „wählbares“ Gesamtbild ihrer Selbst erzeugen, um Machtansprüche zu legitimieren.
2.1. Der Mythos einer Partei: Hier wird untersucht, wie die AfD durch Narrativbildung und religiös angelehnte Mythen (wie den Heilsbringer-Mythos) eine Identität schafft, die den Kampf gegen die „Alternativlosigkeit“ betont.
2.1.1 Mythos Björn Höcke: Dieser Unterpunkt befasst sich mit der spezifischen Inszenierung von Björn Höcke als charismatischem Redner und seinem bewussten Einsatz von historisch aufgeladenem Vokabular.
2.2 Bildlichkeit: Es wird dargelegt, wie visuelle Vorstellungswelten und die Schaffung eines kongruenten, visuellen Bildes zur politischen Überzeugungsarbeit in der AfD genutzt werden.
2.2.1 Geldverbrennung am Brandenburger Tor: Die Analyse einer konkreten performativen Aktion zeigt, wie die Partei durch provokative Inszenierungen im öffentlichen Raum mediale Aufmerksamkeit generiert.
2.2.2 Dombeleuchtung in Erfurt: Der Abschnitt dokumentiert die symbolische Auseinandersetzung um visuelle Dominanz im öffentlichen Raum am Beispiel der Erfurter Domplatz-Proteste.
2.2.3 Berliner AfD, Kiffer und Homosexuelle: Hier wird die gezielte, visuell reduzierte Plakatkampagne der AfD untersucht, die versucht, gesellschaftliche Randgruppen durch Tabubrüche und Abgrenzungslogiken anzusprechen.
2.2.4 Leif-Erik Holm und das Schweriner Schloss: Die Untersuchung von Wahlwerbespots zeigt, wie Professionalität und Inszenierung zur Personalisierung politischer Erfolgsgeschichten eingesetzt werden.
2.3. Sprachlichkeit: Dieses Kapitel thematisiert die Rolle der Sprache als bedeutendes Instrument der politischen Inszenierung und der Veränderung des gesellschaftlichen Diskurses.
2.3.1 »Populismus« und seine Definitionen: Der Abschnitt setzt sich kritisch mit verschiedenen Populismus-Definitionen auseinander und ordnet die AfD in dieses Kommunikationsphänomen ein.
2.3.2 Semantik: Hier wird untersucht, wie durch „Ausdrucksregeln“ und Bedeutungsumschichtungen ein gesellschaftlich akzeptierter, rechter Diskurs etabliert wird.
Exkurs: Abendspaziergang mit PEGIDA: Der Exkurs bietet einen Einblick in die Entstehung und mediale Inszenierungspraxis der PEGIDA-Bewegung in Dresden und München.
3.1 Das Feld / Die Rezeption: Dieses Kapitel analysiert das Publikum der AfD und PEGIDA sowie die Gründe für die Mobilisierung durch Systemverdrossenheit und Identitätskrisen.
3.2 Die Bühne / Die Medien: Abschließend wird die Rolle der modernen Massenmedien und sozialen Netzwerke (wie Twitter) als technische Instrumente der politischen Inszenierung beleuchtet.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Inszenierung von Politik heute mehrdimensional ist und die Rezipienten eine aktive Rolle bei der Interpretation der angebotenen Identitätskonstruktionen spielen.
Inszenierung, Politainment, AfD, PEGIDA, Populismus, Mythos, Theatralität, Performanz, Medienwirklichkeit, Identitätsbildung, Rechtspopulismus, Kommunikation, Diskursverschiebung, Social Media, Symbolik
Die Arbeit untersucht die Methoden und Instrumente, mit denen die AfD und die PEGIDA-Bewegung Politik inszenieren und Selbstdarstellung betreiben, um in der modernen Medienlandschaft wirksam zu sein.
Zentrale Themen sind die Konstruktion von politischen Mythen, die Bedeutung von Bildsprache und Symbolik (Performance), die Rolle von Sprache und Semantik sowie das Zusammenspiel von Politikern und Medien im digitalen Zeitalter.
Das Ziel ist es, ein Verständnis für die bewusste Setzung theatralischer Zeichen in der Darstellung dieser neuen rechtspolitischen Akteure zu entwickeln und zu analysieren, welche Alleinstellungsmerkmale sie nutzen, um ihre Anhängerschaft zu mobilisieren.
Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären Ansatz aus Politikwissenschaft, Medien- und Theaterwissenschaft. Sie analysiert theoretische Konzepte (wie das von Erving Goffman oder Jean Baudrillard) in Kombination mit der Auswertung von Wahlwerbespots, Plakatkampagnen und Demonstrationsereignissen.
Im Hauptteil werden sowohl die mythologische Narrativbildung (z.B. durch Bernd Lucke und Björn Höcke) als auch konkrete performative Beispiele wie Geldverbrennungsaktionen oder Plakatkampagnen sowie die theoretische Fundierung des modernen Rechtspopulismus ausführlich behandelt.
Wichtige Schlagworte sind neben der zentralen „Inszenierung“ Begriffe wie Politainment, Populismus, performative Kommunikation, Bildlichkeit, Mythos und der Einfluss sozialer Medien auf das politische Weltbild.
Die Arbeit betrachtet diese als ein Beispiel für eine explizit theatralische, fast künstlerische Form der politischen Performance, die vor allem in der Anfangsphase der AfD als Aufmerksamkeits-Garant diente, später jedoch an Bedeutung verlor.
Soziale Medien verändern die Spielregeln der Politik, da sie direkte Interaktionen erlauben und eine „hyperreale“ Kommunikation begünstigen. Die Arbeit zeigt, dass die AfD diese Kanäle nutzt, um durch kontroverse Botschaften mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen und die Deutungshoheit über politische Themen zu beeinflussen.
Die Arbeit zeigt, dass Akteure wie Björn Höcke die Nähe zu PEGIDA gesucht haben, um die AfD als natürliche Vertretung der Bewegung zu etablieren, wobei sie jedoch aufpassen, die AfD-Programmatik nicht durch die Radikalität der Bewegung zu entwerten.
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