Bachelorarbeit, 2017
40 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Iwein und Wigalois – Die Werke und ihre Autoren
3. Der Artusroman in „Klassik“ und „Nachklassik“ – Zum Gattungsbegriff
4. Identität und Identitäts-Krise
4.1. Die erste Aventiuresequenz in ihrer identitätsrelevanten Funktion
4.2. Identitätsverlust – Ursachen und Auslöser der Heldenkrisen
4.3. troum und wan – Der Prozess der Identitäts-Rückfindung
4.4. Die Funktion der Krisen und ihre Bedeutung im jeweiligen Romankontext
5. Fazit
Diese Arbeit untersucht die Darstellung und Funktion der Heldenkrise in den Artusromanen Iwein von Hartmann von Aue und Wigalois von Wirnt von Grafenberg. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie die Protagonisten durch identitätsrelevante Krisenerfahrungen ihre ritterliche Rolle definieren und welche intertextuellen Bezüge zwischen den Werken bestehen.
4.1. Die erste Aventiuresequenz in ihrer identitätsrelevanten Funktion
Im ersten Handlungsteil von Hartmanns Iwein sind nach Anette Sosna vor allem drei identitätsanalytisch bedeutsame Aspekte relevant: Neben der âventiure selbst, in dessen Folge sich der Held Laudine erwirbt, werde zunächst, durch die Funktion über das Verhalten Keies als negativer Werte- und Verhaltensindikator und durch die Erzählung Kalogreants, eine Diskussion von Interaktionsordnungen ausgelöst. Das Regulativ dieser Diskussion sei das spannungsreiche Verhältnis von êre, Scham und Schande, wie es über Keie und Kalogreant zum Ausdruck komme. Während Kalogreant von seiner fruomcheit (V. 95) zu erzählen beginnt, erwacht diu kunegin (V. 96) und findet schließlich enmitten ûr (V. 105). Da lediglich Kalogreant der angemessenen zuht (V. 124) entsprechend auf die Königin reagiert, scheltet Keie ihn dafür. Nach Cormeau ist diese Situation als Demonstration der Verbindlichkeit für abstrakte höfische Wertpositionen (êre, höfisch, zuht und weitere) zu deuten. Darüber hinaus diene die Erzählung Kalogreants nach Sosna in ihrem narrativen Prozess der Entfaltung einer komplexen Gedächtnis- und Erinnerungsthematik. Indem Iwein Kalogreants âventiure nachvollziehen und die êre wiederherstellen will und dadurch, dass mit der unehrenhaften Tötung Askalons, Keies mangelhafte Demonstration der höfischen zuht entspreche, sei er Träger beider Themenkomplexe. Zusätzlich, neben dem Motiv der Verwandtenrache, spielt bei der Entscheidung zur Aufnahme der âventiure das Motiv der Neugier eine Rolle. Iwein möchte varn den brunnen sehn; und waz wanders dâ sî (V. 808f.). Cormeau weist darauf hin, dass Keies höfisches Zweifeln und das Interesse von Artus selbst, die Hofreise zum Brunnen zu unternehmen, außerdem den Drang Iweins sich beweisen zu wollen, sowie seinen Erfolgsanspruch, zusätzlich verstärken, sodass ihm lediglich der heimliche Aufbruch als Gelegenheit zur Aufnahme jener âventiure bleibe. Als essentiell für das Verständnis der âventiure Iweins ist jedoch noch ein wichtiges Detail der Narration Kalogreants zu nennen, bei dem er in der Wildnis auf einen Waldmenschen trifft. Diesem bringt er, weil er das Motiv nicht kennt, sein Selbstverständnis der âventiure näher:
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Forschungsthema der Identität im Artusroman ein und erläutert die intertextuellen Zusammenhänge zwischen Iwein und Wigalois.
2. Iwein und Wigalois – Die Werke und ihre Autoren: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die literaturhistorische Einordnung der beiden Werke und ihrer Autoren Hartmann von Aue und Wirnt von Grafenberg.
3. Der Artusroman in „Klassik“ und „Nachklassik“ – Zum Gattungsbegriff: Hier werden die gattungsgeschichtlichen Kategorien des klassischen und nachklassischen Artusromans erläutert und kritisch diskutiert.
4. Identität und Identitäts-Krise: Das zentrale Kapitel analysiert die Krisensituationen der Helden, ihre Auswirkungen auf das Selbstbild und den darauffolgenden Identitätsfindungsprozess.
4.1. Die erste Aventiuresequenz in ihrer identitätsrelevanten Funktion: Analyse der einleitenden Ereignisse und deren Bedeutung für die Etablierung des ritterlichen Selbstverständnisses.
4.2. Identitätsverlust – Ursachen und Auslöser der Heldenkrisen: Untersuchung der Faktoren, die zum Scheitern der Helden und zum Verlust ihrer höfischen Integrität führen.
4.3. troum und wan – Der Prozess der Identitäts-Rückfindung: Darstellung der psychologischen und sozialen Entwicklung des Helden auf dem Weg zurück in die Gesellschaft.
4.4. Die Funktion der Krisen und ihre Bedeutung im jeweiligen Romankontext: Reflexion über die erzählerische Funktion der Krise und deren unterschiedliche Ausgestaltung in den beiden Romanen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die kreative Auseinandersetzung Wirnts von Grafenberg mit der literarischen Tradition Hartmanns von Aue.
Iwein, Wigalois, Hartmann von Aue, Wirnt von Grafenberg, Artusroman, Identitätskrise, Aventiure, Höfische Literatur, Mittelalter, Gattungsgeschichte, Intertextualität, ritterliche Tugenden, Selbstfindung, Minne, Literaturwissenschaft
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Bedeutung der Heldenkrise in den zwei Artusromanen Iwein und Wigalois im Kontext mittelalterlicher Identitätskonzepte.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Kategorien des Artusromans, die Dynamik von Identitätsverlust und Wiederfindung sowie die intertextuellen Beziehungen zwischen den Autoren.
Das Ziel ist es, die Krisen der Protagonisten in ihrem jeweiligen literarischen Kontext zu vergleichen und zu analysieren, wie diese Krisen als strukturgebende Elemente zur Identitätsfindung beitragen.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die intertextuelle Vergleiche, rezeptionsästhetische Aspekte und gattungstheoretische Diskurse kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Gattungsbegriffs, die Analyse der Identitätskrisen inklusive ihrer Auslöser und Rückfindungsprozesse sowie eine abschließende Interpretation der Funktionsweisen dieser Krisen.
Wichtige Begriffe sind Artusroman, Identitätskrise, Aventiure, Intertextualität, höfische Tugenden sowie die beiden Werke Iwein und Wigalois.
Während im Iwein ein Minnekonflikt und ein massiver psychischer Zusammenbruch zentral sind, weist der Wigalois eine andere Ursachenstruktur auf, die stärker in einen religiös-didaktischen Kontext eingebettet ist.
Die Aventiure dient nicht nur der Bewährung im ritterlichen Sinne, sondern fungiert als Reflexionsraum, der den Protagonisten hilft, ihr Selbstbild und ihre soziale Rolle neu zu definieren.
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