Examensarbeit, 2019
77 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Iwein und Wigalois: „Klassische“ und „nachklassische“ Artusromane
3. Iwein und Wigalois: Identitätskonzeption der Titelhelden
3.1. Aufbruch zur Aventiure – Ausgangslage und Leitmotivik
3.2. Bewährung als Artusritter – Die Eingangsaventiure
3.3. Vom wan und troum – Die Identitätskrise und ihre Bedeutung
3.4. Die Progression der Protagonisten nach überwundener Krise
4. Fazit
5. Zum literurdidaktischen Potenzial älterer deutschsprachiger Literatur und der mittelhochdeutschen Artusepik
6. Entwurf einer exemplarischen Unterrichtssequenz zur Artusepik
6.1. Darstellung der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge: Zentrale didaktisch-methodische Erläuterungen und Tabellarische Übersicht mit curricularem Bezug
6.2. Verwendete Unterrichtsmaterialien
Die Arbeit untersucht die Identitätskonzeptionen der Protagonisten in Hartmanns von Aue "Iwein" und Wirnts von Grafenberg "Wigalois", um deren literaturdidaktisches Potenzial für den Deutschunterricht an Gymnasien und Gesamtschulen aufzuzeigen.
1. Einleitung
In den letzten Jahren ist die Frage nach der Bedeutsamkeit des Identitäts- und Individualitätsbegriffs im Mittelalter zunehmend in den Fokus der mediävistischen Forschung gerückt worden. Im Hinblick auf die deutschsprachige Literatur des Mittelalters wird der Diskurs auf eine Ebene von fiktionaler Identität und figuraler Identitätskonzeption verlagert, um zu gewährleisten, dass wertende Projektionen moderner Vorstellung des tief philosophischen Individualitätsbegriffs den Diskurs möglichst nicht verfälschen, weil umstritten ist, inwiefern moderne Konzepte von Individuum und Identität der mittelalterlichen Dichtung gerecht werden können. In der communis opinio der Mediävistik wird die Art und Weise, wie der Identitätsbegriff anhand eines Titelhelden im Artusroman ausgestaltet ist, als ein literarisch idealisierten Beispiel des höfischen Ritters dargestellt. Unter Berücksichtigung rezeptionstheoretischen Gesichtspunkten geht es damit bei den Werken weniger die Frage nach der Individualität des Titelhelden, als vielmehr um die Ausbildung einer rezeptionellen „Wir-Identität“ der höfischen Adelsgesellschaft. Von diesen Prämissen ausgehend, lässt sich sowohl an der titelgebenden Figur im Iwein Hartmanns von Aue, als auch im Wigalois Wirnts von Grafenberg eine Entwicklung nachvollziehen, die in der mediävistischen Forschung vor dem Begriff der Identitätsgenese diskutiert wird. Die Ausbildung dieser Identität vollzieht sich dabei jeweils im Wechselspiel von Erfahrung und textimmanenter Funktion. Auch auf dieser fiktionalen Ebene gibt es Auseinandersetzung mit eigenen und fremden Ansprüchen, mit Rollenmodellen und dem sozialen Umfeld, mit individuellen und wahrgenommenen Erfahrungen und Erinnerungen, was dann jeweils zur Ausbildung von Fähigkeiten, Bedürfnissen und Überzeugungen, der Identität einer Figur also, führt. Auch auf der Ebene der fiktionalen Identitätsgenese vollzieht sich dabei ein Prozess, der sowohl den Aufbau einer Identität, wie deren Anpassung an veränderte Bedürfnisse, beinhaltet.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, die sich mit der Identitätsgenese im höfischen Artusroman und deren Relevanz für moderne Identitätskonzepte befasst.
2. Iwein und Wigalois: „Klassische“ und „nachklassische“ Artusromane: Das Kapitel grenzt die beiden Werke gattungstypologisch voneinander ab und beleuchtet ihre literaturgeschichtliche Einordnung.
3. Iwein und Wigalois: Identitätskonzeption der Titelhelden: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert die Protagonistenentwicklung von der Ausgangslage über die Identitätskrise bis zur gereiften Rolle als Landesherr.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und bestätigt die Bedeutung der Identitätskonzeption für die Struktur der untersuchten Romane.
5. Zum literurdidaktischen Potenzial älterer deutschsprachiger Literatur und der mittelhochdeutschen Artusepik: Dieses Kapitel erörtert, warum mittelalterliche Texte trotz ihrer Fremdheit wertvolle Lerngegenstände für den heutigen Deutschunterricht darstellen.
6. Entwurf einer exemplarischen Unterrichtssequenz zur Artusepik: Hier wird ein konkretes didaktisches Modell entwickelt, das die theoretischen Erkenntnisse in die Unterrichtspraxis überführt.
Artusroman, Identität, Identitätsgenese, Iwein, Wigalois, Hartmann von Aue, Wirnt von Grafenberg, Literaturdidaktik, Deutschunterricht, Identitätskrise, Rittertum, Mittelalter, Rezeptionsgeschichte, Kompetenzorientierung, Unterrichtssequenz.
Die Arbeit untersucht die Konzepte der Identitätsbildung der Hauptfiguren in den mittelhochdeutschen Artusromanen "Iwein" und "Wigalois" und verknüpft diese literaturwissenschaftliche Analyse mit didaktischen Ansätzen für den Deutschunterricht.
Zentrale Themen sind die Entwicklung des Ritterideals, die Identitätskrisen der Protagonisten, der Vergleich zwischen klassischer und nachklassischer Artusepik sowie das didaktische Potenzial vormoderner Texte für die Schule.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Identitätskonzeptionen der Titelhelden zur Struktur der Romane beitragen und wie dieses Wissen genutzt werden kann, um Kompetenzen von Schülern im Fach Deutsch zu fördern.
Die Arbeit nutzt eine identitätsanalytische Untersuchungsmethode in Kombination mit literaturwissenschaftlichen Analysen der Primärtexte sowie eine fachdidaktische Reflexion zur Unterrichtsplanung.
Im Hauptteil werden die Werke Iwein und Wigalois eingehend analysiert, wobei der Fokus auf den Entwicklungsstadien der Helden, deren Krisenerfahrungen und der schrittweisen Integration in ihre höfischen Rollen liegt.
Wichtige Begriffe sind Artusroman, Identitätsgenese, literaturdidaktisches Potenzial, Kompetenzorientierung und der Vergleich von Iwein und Wigalois als Protagonisten.
Der Vergleich verdeutlicht die Entwicklung der Artusepik von einer "klassischen" zur "nachklassischen" Form, indem unterschiedliche Weisen der Krisenbewältigung und Identitätsfindung aufgezeigt werden.
Die Artusepik bietet durch die Themen Kampf, Abenteuer und die Suche nach dem eigenen Platz in der Gesellschaft Identifikationsangebote, die bei Jugendlichen das Interesse am Fach fördern und Kompetenzen im Bereich Textverstehen und Reflexion stärken können.
Die Unterrichtssequenz dient als exemplarisches Modell, um zu demonstrieren, wie die wissenschaftlich analysierten Identitätskonzepte in die Schulpraxis umgesetzt werden können, um den Schülern einen Zugang zu mittelalterlicher Literatur zu ermöglichen.
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