Diplomarbeit, 2005
137 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Der Staatsbegriff
2.1 Der juristische Staatsbegriff
2.2 Die Souveränität, die Nationalstaatlichkeit und der Westfälische Staat
2.3 Die Erosion des Westfälischen Staates
3. Der Begriff des „Failed State”
3.1 Merkmale des „Failed State“
3.1.1 Politisches Versagen und Verlust des Gewaltmonopols
3.1.2 Mangelnde Befriedigung der Grundbedürfnisse der Staatsbürger
3.1.3 Funktionsunfähigkeit staatlicher Institutionen
3.1.4 Staatliche Institutionen als Instrument der Ausbeutung
3.1.5 Außenpolitische Handlungsunfähigkeit
3.1.6 Keimzelle der internationalen Kriminalität und des Terrorismus
4. Ursachen und Katalysatoren für die Entwicklung zum „Failed State“
4.1 Das koloniale Erbe
4.2 Fehlende nationale Identifikation
4.3 Demokratiedefizite
4.4 Ethnische Konflikte
5. Pakistan auf dem Weg zum „Failed State“?
5.1 Die koloniale Vergangenheit und die Phase der Staatsgründung
5.1.1 Die Geburtsfehler Pakistans
5.1.2 Territoriale Integrität? Der Kaschmirkonflikt und andere Grenzstreitigkeiten
5.2 Die Suche nach der pakistanischen Identität
5.2.1 Die integrationsstiftende Rolle des Islam
5.2.2 Gemeinsame Wurzeln?
5.2.3 Die Feindschaft zu Indien
5.2.4 Pakistan: Zu heterogen für eine nationale Identität?
5.3 Zusammensetzung, Verhalten und Wechselbeziehungen der herrschenden Klasse
5.3.1 Die politische Elite Pakistans
5.3.2 Die Feudalherren
5.3.3 Die Parteien
5.3.4 Die Bürokratie
5.3.5 Korruption und Selbstbereicherung
5.3.6 Die Rolle des Militärs
5.4 Die Leistungsfähigkeit des pakistanischen Staates
5.4.1 Die Bildungs- und Gesundheitsmisere
5.4.2 Fehlende Rechtsstaatlichkeit?
5.5 Konflikte in Pakistan – Ethnischer oder politischer Natur?
5.5.1 Konfliktherd Belutschistan
5.5.2 Der Sindh als Sindhudesh?
5.5.3 Die Mohajirs und Karachi
5.5.4 Der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten
5.6 Die Durchsetzung des staatlichen Gewaltmonopols
5.6.1 Die Tribal Areas als der „Wilde Westen“ Pakistans
5.6.2 Die Tribal Areas als Zentrum der pakistanischen Schattenwirtschaft
5.6.3 Pakistan als Rückzugsraum des internationalen Terrorismus
6. Bewertung und Schlussbetrachtung
Die Arbeit analysiert, inwieweit Pakistan Anzeichen eines "Failed State" aufweist und ob das Land in der Lage ist, sich unter innerstaatlichen Problemen als handlungsfähig zu erweisen. Zentral ist dabei die Untersuchung, ob der pakistanische Staat bereits einen Zerfallsprozess durchläuft oder welche Faktoren dies verhindern.
3.1.1 Politisches Versagen und Verlust des Gewaltmonopols
„Strong States control their territories and deliver a high order of political goods to their citizens, (...) [they, T.S.] offer high levels of security from political and criminal violence, ensure political freedom and civil liberties, and create environments conductive to the growth of economic opportunity. They are places of peace and order. In contrast, failed states are tense, conflicted, and dangerous.” Das erste hier betrachtete Merkmal des „Failed State“ ist das politische Versagen der offiziellen Staatsregierung, der Staat kann seinen Einwohnern keinen oder nur noch begrenzten Schutz bieten, politische Freiheiten und die Menschenrechte können nicht garantiert werden, die oftmals chaotische Sicherheitslage verhindert wirtschaftliche Investitionen. Die Regierung ist nicht mehr der Inhaber des ausschließlichen Gewaltmonopols über Volk und Territorium, in „Failed States“ bilden sich meist parallele und konkurrierende Machtstrukturen, bis auf einen geringen Teil des Landes, einschließlich der Hauptstadt, zeigt der Staat kaum oder keine Präsenz. Die Zentralregierung besitzt nicht die Kraft zur Durchsetzung ihres Herrschaftsanspruches auf das gesamte Staatsgebiet, die Staatsgrenzen können nicht gesichert werden und sind durchlässig für Kriminalität, Schmuggel und Terrorismus. Ethnische und/oder religiöse Gruppierungen, Separatisten, Rebellen und lokale Stammesfürsten bringen ganze Landesteile unter ihre Gewalt und herrschen dort meist mit starker Hand, staatlicher Einfluss schrumpft auf ein Minimum oder verschwindet komplett. Staatliche Gesetze können in diesen Gebieten nicht durchgesetzt, Wahlen nicht durchgeführt und Steuern nicht eingezogen werden, es entstehen entweder rechtfreie, anarchische Räume oder ein „Staat im Staat“ mit eigenen hierarchischen Strukturen, eigenen Gesetzen und Steuereinzugssystem. Als Beispiele unter anderen in gleicher Weise betroffenen Ländern stehen in Kolumbien weite Teile des Landes unter der Kontrolle der Guerilla, die dort den Drogenanbau vorantreiben. Das aktuellste und bekannteste Beispiel ist jedoch Afghanistan, dessen Regierung kaum genügend Macht besitzt, um ihren Einfluss über die Hauptstadtgrenzen hinaus geltend machen zu können. So stehen in Afghanistan nach dem Sturz des Talibanregimes viele Provinzen unter dem Machteinfluss von mehreren lokalen, teilweise untereinander verfeindeten „Warlords“ mit eigenen Privatarmeen, die den Machtanspruch der Regierung in Kabul zurückweisen und in ihren Gebieten einen autoritären Machtstil pflegen.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, ob Pakistan auf dem Weg zum "Failed State" ist, und beleuchtet die aktuelle internationale Wahrnehmung des Landes.
2. Der Staatsbegriff: Dieses Kapitel erörtert verschiedene Staatsverständnisse und die Bedeutung von Souveränität sowie Nationalstaatlichkeit im Kontext des Westfälischen Staates.
3. Der Begriff des „Failed State”: Es werden Merkmale und Definitionen für gescheiterte Staaten erarbeitet, darunter politisches Versagen, Funktionsunfähigkeit der Institutionen und die Rolle als Keimzelle für Terrorismus.
4. Ursachen und Katalysatoren für die Entwicklung zum „Failed State“: Das Kapitel analysiert strukturelle Probleme wie das koloniale Erbe, mangelnde nationale Identität und Demokratiedefizite als Hauptursachen für Staatszerfall.
5. Pakistan auf dem Weg zum „Failed State“?: Dieses Kernkapitel untersucht Pakistan detailliert anhand der zuvor entwickelten Kriterien, inklusive historischer Hintergründe, der Identitätssuche und der Rolle von Militär und herrschender Klasse.
6. Bewertung und Schlussbetrachtung: Das Fazit wiegt Argumente für und gegen ein drohendes Scheitern Pakistans ab und prognostiziert die zukünftige Stabilität des Landes.
Pakistan, Failed State, Staatszerfall, Souveränität, Nationalstaatlichkeit, Militärherrschaft, Politische Elite, Nationbuilding, Ethnische Konflikte, Religiöse Konflikte, Terrorismus, Schattenwirtschaft, Demokratiedefizite, Feudalstrukturen, Identitätskrise.
Die Diplomarbeit untersucht den Zustand des pakistanischen Staates und prüft, inwieweit Pakistan als "Failed State" eingestuft werden kann oder sich auf einem solchen Weg befindet.
Zentrale Themen sind die theoretische Herleitung des Staatsbegriffs, die Analyse von Ursachen für Staatszerfall sowie die detaillierte empirische Untersuchung Pakistans hinsichtlich seiner politischen, sozialen und institutionellen Stabilität.
Das Ziel ist eine umfassende Analyse des Gesundheitszustandes des pakistanischen Staates und seiner Gesellschaft, um eine fundierte Zukunftsprognose über die weitere Entwicklung des Landes abzuleiten.
Die Arbeit nutzt einen vergleichenden, politikwissenschaftlichen Ansatz, der bestehende theoretische Kriterien von Staatszerfall auf den konkreten Fall Pakistan anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Rahmenbildung (Kapitel 2-4) und die angewandte Analyse Pakistans (Kapitel 5), in der die koloniale Geschichte, die politische Elite, das Militär, Bildungs- und Gesundheitssystem sowie diverse innerstaatliche Konflikte beleuchtet werden.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem "Failed State", "Nationbuilding", "Souveränität", das pakistanische Militär, ethnische und religiöse Konflikte sowie die sozio-ökonomische Struktur Pakistans.
Das Militär wird als stärkste politische Kraft und "Garant der Stabilität" beschrieben, dessen Dominanz jedoch gleichzeitig die Entwicklung demokratischer Institutionen behindert und somit zur strukturellen Schwäche des Staates beiträgt.
Die "Tribal Areas" (FATA) werden als Rückzugsräume für Terroristen und Zentrum der Schattenwirtschaft identifiziert, in denen das staatliche Gewaltmonopol faktisch nie existiert hat, was sie zu einem erheblichen Sicherheitsrisiko macht.
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