Magisterarbeit, 2005
99 Seiten, Note: 1,5
A. Grundlegung
I. Einleitung
II. Fragestellung
III. Gang der Untersuchung
a. Ablauf
b. Methode
IV. Begriffs-Kennzeichnung
a. Das literarische Feld
1. Einordnung in den Kunstkontext
2. Theoretischer Aufbau
b. Das Habituskonzept
c. Das französische Bürgertum
B. Kulturhistorische Verortung
I. Politische und ökonomische Positionen der Restauration
a. Politische Unterdrückung des französischen Bürgertums
b. Ökonomische Unterdrückung des städtischen Proletariats
II. Ästhetische Positionen während der Restauration
a. Zum französischen Neoklassizismus
b. Der Einfluss des aristokratischen Subjektcodes
c. Zur französischen Romantikkonzeption
1. Zum Einfluss von Immanuel Kant
aa. Das Schöne und das Erhabene
bb. Der Import der romantischen Ideen
2. Zur nachrevolutionären Romantikkonzeption
III. Zur Julirevolution und ihren Folgen
a. Louis Phillippe von Orléans
b. Der bürgerliche Subjektcode
IV. Zum Milieu der Bohème
a. L´art bourgeois
b. L´art social
c. L´art pour l´art
V. Der künstlerische Subjektcode
a. Die Definitionsmacht des künstlerischen Genies
b. Kritik und Distanz
c. Le monde de l´inspiration
d. Authentizität und Einzigartigkeit
C. Der Künstlerhabitus von Charles Baudelaire
I. Biographisches
a. Kindheit und Jugend
b. Poesie, Malerei und das freie Leben
II. Baudelaire als Kunstkritiker
a. Baudelaires romantisch geprägte Kunstauffassung
b. Das Großstädtische
III. Baudelaire als Gesetzgeber
a. Der Aufbau einer autonomen Kritik
b. Baudelaires Eingreifen in die Wagner-Debatte
c. Die Kandidatur an der Académie française
IV. Baudelaire als Avantgardist
D. Schlussbetrachtungen
Die Arbeit untersucht kulturwissenschaftlich die Genese des literarischen Feldes in Frankreich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das primäre Ziel ist die Analyse der Rolle von Charles Baudelaire bei der Konstitution dieses Feldes, wobei insbesondere die Wechselwirkung zwischen seinem Künstlerhabitus und den sich entwickelnden Strukturen des literarischen Feldes unter Rückgriff auf die Theorien von Pierre Bourdieu beleuchtet wird.
b. Poesie, Malerei und das freie Leben
Die Reise hatte den von den Eltern beabsichtigten erzieherischen Zweck nicht erfüllt: Baudelaire nahm seinen eskapistischen Lebensstil nach seiner Rückkehr wieder auf. Zudem gelangte er mit der Erlangung der Volljährigkeit im April 1842 an seinen Anteil aus dem väterlichen Vermögen.
Baudelaire nahm wieder Kontakt zu seinen Freunden von der normannischen Schule auf, mit denen ihn das Interesse für Literatur verband. Prarond Vavasseur und Argonne veröffentlichten 1842 einen Gedichtband, an dem Baudelaire ursprünglich hätte mitarbeiten sollen. Gemäß Prarond sollen in dieser Zeit ebenfalls ein großer Teil der Fleurs du Mal verfasst worden sein: “Baudelaire”, schreibt Prarond, “zeichnet sich schon sehr früh durch seine dichterische Begabung und seine Leidenschaft für alle Künste aus.”
Charles arbeitet zeitweise als Journalist und Kunstkritiker für kleine Zeitungen; verfasst aber auch Beiträge für anonyme Hefte wie die Mystères galans von 1844. Die Mystères stellten eine Sammlung von Anekdoten und Klatschgeschichten aus dem Leben bekannter Schauspieler dar, für die neben Baudelaire verschiedene Vertreter der literarischen Bohème schrieben: Mathieu Dairnvaell, Fortuné Mesuré, Abbé Constant, Privat d´Anglemont. Die Vignette auf dem Umschlag wurde von Gaspard-Félix Tournachon, besser bekannt als Nadar, gezeichnet und anonym mit ‘N’ signiert (Poulet, 1969: 33).
Bedingt durch Baudelaires Interesse für alle Künste beschäftigte er sich in den Jahren 1842-1846 ebensoviel mit der Malerei wie mit der Poesie. Er begann über die zeitgenössischen Maler zu schreiben. Seine Bewunderung für Delacroix, der in seiner Malerei sowie in seinen kunsttheoretischen Betrachtungen als ‘Vollender der Romantik’ (Pochat, 1986: 522) erscheint, war grenzenlos: “Eugène Delacroix ist entschieden der originellste Maler der alten wie der modernen Zeit.”
A. Grundlegung: Einführung in die kulturwissenschaftliche Fragestellung, die theoretischen Ansätze von Pierre Bourdieu und die Definition der zentralen Begriffe.
B. Kulturhistorische Verortung: Historischer Überblick über die politische, ökonomische und ästhetische Lage in Frankreich von der Restauration bis zur Julimonarchie.
C. Der Künstlerhabitus von Charles Baudelaire: Analyse von Baudelaires Biographie, seinen kunstkritischen Schriften und seiner Rolle bei der Konstitution eines autonomen literarischen Feldes.
D. Schlussbetrachtungen: Zusammenfassende Evaluation der Ergebnisse hinsichtlich der Fragestellung und der Anwendbarkeit des theoretischen Modells.
Charles Baudelaire, literarisches Feld, Pierre Bourdieu, Habitus, Künstlerhabitus, Romantik, Avantgarde, Julimonarchie, Restauration, Kunstkritik, Subjektcode, Bohème, Autonomie, Moderne, Geniekult
Die Magisterarbeit untersucht die Entstehung und Strukturierung des literarischen Feldes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich, wobei die zentrale Rolle von Charles Baudelaire als Initiator und Gesetzgeber dieses Feldes im Vordergrund steht.
Die Arbeit verknüpft kulturhistorische Analysen der politischen und ökonomischen Umbrüche dieser Zeit mit ästhetischen Theorien, der Entwicklung des Künstlerhabitus und der soziologischen Feldtheorie.
Das Ziel ist es zu ergründen, wie Charles Baudelaire durch sein Wirken und seinen Habitus zur Konstitution eines autonomen literarischen Feldes beitrug und ob dies als vorbildhafte Position der Avantgarde gelten kann.
Es wird eine historisch hermeneutische Methode angewandt, die als praxistheoretische Vermittlung zwischen individueller Intentionalität und gesellschaftlicher Bedingtheit sozialen Handelns verstanden wird.
Im Hauptteil werden neben der kulturhistorischen Einordnung (Restauration, Julimonarchie) die theoretischen Grundlagen des literarischen Feldes und der Subjektcodes (aristokratisch, bürgerlich, künstlerisch) erarbeitet sowie Baudelaire als Kunstkritiker, Gesetzgeber und Vorläufer der Avantgarde analysiert.
Die Arbeit ist geprägt durch die Terminologie von Pierre Bourdieu, insbesondere die Begriffe Feld, Habitus, 'Illusio', symbolisches Kapital, sowie durch Begriffe wie 'art pour l'art', Bohème und 'künstlerischer Subjektcode'.
Die 'Illusio' dient als notwendiges Bindeglied, um die konjunkturelle Beziehung zwischen dem Künstlerhabitus von Baudelaire und der Struktur des sich bildenden literarischen Feldes zu erklären und deren Funktionieren nachzuvollziehen.
Dieser Begriff wurde von der Autorin entwickelt, um die spezifische Rechtfertigungslogik zu fassen, die zwischen dem Künstlerhabitus und dem literarischen Feld besteht, da existierende Ansätze diese Konnexion oft nicht explizit genug thematisieren.
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