Bachelorarbeit, 2019
43 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung: Zufall als Machtinstanz
2. Kontingenz und Zufall
3. Die Rolle von Zufall und Kontingenz in „Das Erdbeben in Chili“
3.1. Ohnmacht und die Suche nach Sinn
3.2. Reaktion und Aktion der Figuren auf den Ordnungsbruch
3.3. Narratologie des inszenierten Zufalls
4. Kausalverknüpfungen
4.1. Ursachentheorie und die Begründungen des Zufalls
4.2. Kontingenzbewältigung
5. Konklusion: Die Funktion der Funktionslosigkeit
Diese Bachelorarbeit untersucht die zentrale Rolle von Zufall und Kontingenz in Heinrich von Kleists Novelle „Das Erdbeben in Chili“. Dabei wird analysiert, wie Kleist den Zufall als treibende Kraft und Machtinstanz in die Erzählung einbindet, welche Auswirkungen dies auf das Bewusstsein und die Handlungen der Figuren hat und wie die Erzählstruktur selbst den Zufall inszeniert.
Die Rolle von Zufall und Kontingenz in „Das Erdbeben in Chili“
Jeronimo, der inzwischen auch in ein Gefängniß gesetzt worden war, wollte die Besinnung verlieren, als er diese ungeheure Wendung der Dinge erfuhr. […] Jeronimo Rugera war starr vor Entsetzen; und gleich als ob sein ganzes Bewußtseyn zerschmettert worden wäre, hielt er sich jetzt an dem Pfeiler, an welchem er hätte sterben wollen, um nicht umzufallen. […] Besinnungslos, wie er sich aus diesem allgemeinen Verderben retten würde, eilte er, über Schutt und Gebälk hinweg […]. Als Jeronimo das Thor erreicht, und einen Hügel jenseits desselben bestiegen hatte, sank er ohnmächtig auf demselben nieder. Er mochte wohl eine Viertelstunde in der tiefsten Bewußtlosigkeit gelegen haben, als er endlich wieder erwachte […] und sich […] halb auf dem Erdboden erhob. Er befühlte seine Stirn und Brust, unwissend, was er aus seinem Zustande machen sollte […] er begriff nicht, was ihn und sie hergeführt haben konnte, und erst, da er sich umkehrte, und die Stadt hinter sich versunken sah, erinnerte er sich des schrecklichen Augenblicks, den er erlebt hatte.
So verläuft die erste Szene, nämlich die in der das Erdbeben eintritt, für Jeronimo Rugera; „So beginnt die Novelle mit zwei Blackouts, die Deutungen unmöglich machen.“ Das kontingente und zugleich zufällige Ereignis des Erdbebens; kontingent, da es die Möglichkeit hatte nicht einzutreten beziehungsweise anders einzutreten und zufällig, da es einen Handlungsstrang bildet der unvorhergesehen in den der Figuren hereinbricht, weitgehend auch grundlos aufzutreten scheint; nimmt Jeronimo, der sich versucht in dem Chaos zurecht zu finden, allein in der Eingangsszene dreimal das Bewusstsein. „Lebenskontinuität und Identität [scheinen] in Frage [gestellt worden zu sein.]“ Diese Szenerie zeigt auf, dass der Zufall als Machtinstanz über seinen betroffenen Figuren herrscht und ihnen jede Art von Bewusstsein nimmt, die eine Deutung des Geschehens möglich hätten machen können.
1. Einleitung: Zufall als Machtinstanz: Die Einleitung führt in die Bedeutung des Zufalls als Hauptmotivation in Kleists Novelle ein und skizziert den theoretischen Rahmen sowie die Forschungsfragen der Arbeit.
2. Kontingenz und Zufall: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Grundlegung der Begriffe Zufall, Kontingenz und Notwendigkeit unter Einbeziehung philosophischer Positionen wie denen von Aristoteles und Kant.
3. Die Rolle von Zufall und Kontingenz in „Das Erdbeben in Chili“: Dieser Abschnitt analysiert die Auswirkungen des zufälligen Erdbebens auf die Protagonisten, ihre Ohnmachtserfahrungen sowie deren unterschiedliche Reaktionen und Handlungsweisen.
4. Kausalverknüpfungen: Hier werden die Versuche der Figuren zur Ursachensuche für das Erdbeben untersucht, insbesondere vor dem Hintergrund theologischer Deutungen und der Frage der Kontingenzbewältigung.
5. Konklusion: Die Funktion der Funktionslosigkeit: Die Konklusion fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht, dass die Welt der Novelle von Zufall und Kontingenz dominiert wird, wobei Akzeptanz die einzig wirkliche Form der Bewältigung darstellt.
Heinrich von Kleist, Das Erdbeben in Chili, Zufall, Kontingenz, Notwendigkeit, Ohnmacht, Sinnsuche, Narratologie, Schicksalsfügung, Theodizee, Ordnung, Weltgericht, Naturkatastrophen, Deutung, Existenz.
Die Arbeit analysiert die zentrale Bedeutung des Zufalls und der Kontingenz in Heinrich von Kleists Novelle „Das Erdbeben in Chili“ und deren Einfluss auf die Erzählstruktur und die Figuren.
Die zentralen Themen umfassen die philosophische Abgrenzung der Begriffe Zufall und Kontingenz, die psychologische Reaktion der Figuren auf existenzielle Krisen sowie die Analyse gesellschaftlicher Ordnungssysteme.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Kleist den Zufall als Hauptakteur in seine Erzählung einbindet, welche Funktionen dieser erfüllt und wie die Figuren versuchen, die durch den Zufall ausgelösten Krisen zu bewältigen.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die theoretische Definitionen aus der Philosophie (z.B. Aristoteles, Kant, Lübbe) mit narratologischen Beobachtungen zur Novelle verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Ohnmacht der Figuren, die Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Ordnung, die Erzählweise des Autors sowie die Ursachensuche der Figuren für die Naturkatastrophe.
Wesentliche Begriffe sind Zufall, Kontingenz, Ohnmacht, Sinnsuche, Ordnung, Narratologie und das „als ob“ der Erzählweise.
Jeronimo wird durch den Zufall passiv und verfällt in Ohnmacht, während Josephe nach dem ersten Schock aktiv handelt, ihr Kind rettet und zielgerichteter agiert.
Der Erzähler wird als unzuverlässig und nicht allwissend beschrieben, da er das Geschehen lediglich wiedergibt und den Zufall durch Formeln wie „es traf sich“ sowie „als ob“ als inszeniert darstellt.
Das Ende zeigt, dass die alte, autoritäre Ordnung nach der vorübergehenden Aufhebung der Stände wiederkehrt und die Erzählung in einem gewaltsamen Massaker endet, was die Stabilität der alten Machtverhältnisse verdeutlicht.
Die Arbeit stellt fest, dass die Figuren zwar versuchen, das Beben theologisch als Strafe oder als Wohltat zu deuten, der Erzähler jedoch keine eindeutige Antwort gibt und das Ereignis primär als kontingente Katastrophe inszeniert.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

