Referat (Ausarbeitung), 2002
9 Seiten
1. Ein historisch noch weitgehend blinder Fleck – das Gender - Wesen Mann
2. „Vorrecht Mannsein“ oder die „mythische Natur“ der Männerseele?
3. Die Ehrencodices
4. Das „männliche“ Aussehen - Visualisierung von Respektabilität
5. Stabilisierung des Männerbildes durch bedrohliche Gegenpole
6. Der Schrecken der unbürgerlichen und der antimännlichen Feindbilder
7. Die Männerängste werden paranoisch – die „Bedrohung durch die Dekadenz“
8. Soldaten und Sozialisten
9. Die Winde des Wandels in der Konsumgesellschaft
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung des männlichen Geschlechtscharakters vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart und analysiert die kulturellen, sozialen und politischen Faktoren, die das Bild des Mannes geprägt haben. Das zentrale Ziel ist es, den Mann als Gender-Wesen kritisch zu beleuchten und den Einfluss von Ideologien, Nationalismus und gesellschaftlichen Umbrüchen auf die Maskulinität offenzulegen.
Die Männerängste werden paranoisch – die „Bedrohung durch die Dekadenz“
Der vor allem mit abnormer Sexualität befasste österreichische Psychiater Richard Krafft-Ebing fürchtete 1890 „ wenn ein zivilisierter Mensch von normaler Konstitution nicht fähig sei, seine sexuellen Bedürfnisse zu beherrschen, sobald sie mit den Erfordernissen der Gesellschaft in Konflikt kämen, dann würden Familie und Staat , die Fundamente jedweder gesetzlichen und moralischen Ordnung, aufhören zu existieren“.
Bürgerliche Respektabilität und Nationalismus hatten ein Interesse an einem stabilen Männerbild und benötigten ein eingängiges Feindbild. Bereits das Klassenfeindbild der unruhigen und immer mehr selbstbewussten Arbeiterschaft verkörperte den „vaterlandslosen Gesellen“, Betreffend Männlichkeit wurde im Fortschrittszeitalter nach 1870 die Medizin und die Psychiatrie in Dienst genommen, um unbotmässige Frauen und männerliebende Männer über das Schema Gesundheit/Krankheit zu disziplinieren: traditionelle Männlichkeit fühlte sich bedrängt durch die ersten Erfolge der bürgerlichen Frauenemanzipation und eine künstlerische Avantgarde, welche die traditionelle Männerrolle aufzuweichen schien.
1. Ein historisch noch weitgehend blinder Fleck – das Gender - Wesen Mann: Einleitung in die Bedeutung der Männerforschung und Kritik an der Vernachlässigung des Mannes als spezifisches Gender-Wesen in der Sozialarbeit.
2. „Vorrecht Mannsein“ oder die „mythische Natur“ der Männerseele?: Überblick über den Wandel des Männlichkeitsideals und die Spaltung zwischen emanzipatorischen Ansätzen und rückwärtsgewandten Mythen.
3. Die Ehrencodices: Analyse der ritterlichen Wurzeln bürgerlicher Ehre und der Funktion des Duellwesens in der historischen Männlichkeitsentwicklung.
4. Das „männliche“ Aussehen - Visualisierung von Respektabilität: Untersuchung der ästhetischen Kodierung des Männerkörpers und dessen Instrumentalisierung durch Bildung und Militär.
5. Stabilisierung des Männerbildes durch bedrohliche Gegenpole: Erläuterung der Ausgrenzung von Minderheiten zur Festigung eines normativen, gesunden Männerbildes.
6. Der Schrecken der unbürgerlichen und der antimännlichen Feindbilder: Vertiefung der Rolle der Physiognomik und medizinischer Diskurse bei der Definition von „abnormalen“ Männlichkeiten.
7. Die Männerängste werden paranoisch – die „Bedrohung durch die Dekadenz“: Analyse der Ängste vor dem Kontrollverlust der Männlichkeit durch Zivilisationskrankheiten und soziale Umbrüche.
8. Soldaten und Sozialisten: Darstellung der Männlichkeitsvorstellungen im Krieg sowie das Scheitern einer eigenständigen Männlichkeitsdefinition innerhalb der Arbeiterbewegung.
9. Die Winde des Wandels in der Konsumgesellschaft: Reflexion über den Einfluss des Feminismus und der Schwulenbewegung auf moderne Rollenbilder und das Aufbrechen traditioneller Tabus.
Männlichkeit, Gender, Geschichte, Nationalismus, Patriarchat, Feminismus, Körperästhetik, Homosexualität, Dekadenz, Soziale Geschlechterrolle, Identität, Machtverhältnisse, Maskulinität, Gesellschaftsordnung, Tradition
Die Arbeit beleuchtet die historische Konstruktion des männlichen Geschlechtscharakters seit dem 18. Jahrhundert und hinterfragt, wie sich das Bild des Mannes durch politische, soziale und medizinische Einflüsse gewandelt hat.
Zentrale Themen sind die Entwicklung von Männlichkeitsstereotypen, die Rolle von Körperästhetik und Erziehung, der Einfluss von Nationalismus und Militär sowie der Umgang mit „abweichenden“ Verhaltensweisen durch Medizin und Gesellschaft.
Das Ziel ist es, den Mann nicht als biologisches Faktum, sondern als Gender-Wesen zu verstehen und die Widersprüchlichkeiten der männlichen Identitätsentwicklung im bürgerlichen Zeitalter aufzuzeigen.
Der Autor stützt sich auf eine historische und diskursanalytische Herangehensweise, wobei er Lektüreergebnisse der Geschlechterforschung und Sozialgeschichte zusammenführt, um die Transformation des Männerbildes nachzuzeichnen.
Der Hauptteil spannt den Bogen von ritterlichen Ehrencodices über den Körperkult des 19. Jahrhunderts bis hin zur modernen Konsumgesellschaft und den Auswirkungen des Feminismus.
Zu den zentralen Begriffen gehören Maskulinität, Patriotismus, soziale Geschlechterrolle, medizinische Disziplinierung und die historische Dynamik der Männlichkeitsbilder.
Der Männerkörper wurde vom Ideal der „moralischen Härte“ und der Ästhetik des „Griechentums“ hin zu einer paramilitärischen Qualifizierung und schließlich in der Gegenwart zu einer Sichtweise als Lustobjekt weiterentwickelt.
Die Psychiatrie diente ab dem späten 19. Jahrhundert dazu, durch das Schema von Gesundheit und Krankheit die Grenzen traditioneller Männlichkeit zu ziehen und von der Norm abweichende Individuen zu disziplinieren.
Der Nationalsozialismus festigte ein extrem polarisiertes, körperzentriertes Männlichkeitsideal, das sowohl soldatisch als auch ästhetisch geprägt war und jede Form von „Verweichlichung“ oder Emanzipation ablehnte.
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